Millionen Muslime machen sich Sorgen um ihren Fastenmonat Ramadan, der am 24. April beginnt. Doch wie dieser wichtigste Monat in der islamischen Welt im Zeichen von Corona aussieht, ist unklar.

Alle Religionen von Corona-Krise betroffen

Bereits das Osterfest der Christen fand anders statt, als sonst üblich: Leere Bänke in den Kirchen – und Papst Franziskus sprach den Segen „Urbi et Orbi“ in dem fast menschenleeren Petersdom. Auch Juden konnten ihr Pessach nicht wie sonst abhalten.

Ramadan: Der Fastenmonat der Muslime

Dasselbe gilt nun auch für den Ramadan. Er beginnt traditionsgemäß am Abend mit dem Iftar, dem gemeinsamen Fastenbrechen. Danach dürfen Muslime einen Monat lang, immer von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, nichts essen und nichts trinken. Durch die Corona-Pandemie und den damit verhängten Ausgangsbeschränkungen, wird es für die rund fünf Millionen Muslime in Deutschland keine Zusammenkünfte in den Moscheen geben.

Wann ist Ramadan?

Ramadan beginnt in diesem Jahr am Donnerstag, 24. April 2020, und endet am Samstag, 23. Mai 2020.
Der Kalender im Islam richtet sich nach dem Mond, nicht nach der Sonne. Daher beginnt Ramadan mit dem Neumond und kann zwischen 29 und 30 Tagen dauern. Aufgrund des Mondzyklus verschiebt sich der Fastenmonat jedes Jahr um etwa 10 bis 11 Tage.
Der Fastenmonat endet mit dem neuen Neumond. Dieses Ende wird mit einem dreitägigen Fastenbrechen gefeiert (id al-fitr im Arabischen, Ramazan Bayrami im Türkischen, auch als „Zuckerfest“ bekannt).

Was hat es mit Ramadan auf sich?

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. In diesem Monat wurde nach dem Glauben der Muslime der Koran herabgesandt, die heiligste Schrift im Islam.
Außerdem gehört Ramadan zu den fünf Säulen des Islams. Diese beschreiben die wichtigsten Regeln für Muslime. Dazu zählen
  • das Glaubensbekenntnis (Sahada)
  • das fünfmalige Gebet am Tag (Salat)
  • die jährliche Pflichtenabgabe (Zakat) Wohlhabender an Bedürftige
  • das Fasten im Monat Ramadan (Saum)
  • die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch)

Wichtige Regeln im Ramadan

  • Tabu sind im Fastenmonat das Essen und Trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
  • Ehepartner dürfen nicht miteinander schlafen
  • rauchen ist ebenfalls nicht erlaubt
  • Muslime sollen fasten, mehr beten und für wohltätige Zwecke spenden
  • ausgenommen von der Fastenpflicht sind Kinder, Schwangere, Stillende, Kranke und Frauen während ihrer Periode, sowie Menschen, die reisen und Menschen, die körperlich schwer arbeiten
  • werden Fastentage verpasst (beispielsweise, weil eine Frau ihre Regel hat), sollen diese zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Ist das nicht möglich, zum Beispiel aufgrund von Alter oder Krankheit, soll eine Fastenersatzleistung (fidya) erbracht werden.

Falschmeldungen zu Ramadan in sozialen Netzwerken

In sozialen Netzwerken kursieren mehrere Meldungen, dass es für den Fastenmonat Sonderregelungen gäbe. Anscheinend stammen diese Informationen aus dem „Krisenzentrum für Berlin und Brandenburg“. Darin heißt es, dass Sonderregelungen für Menschen mit muslimischem Glauben geplant seien - falls zu Beginn des Ramadans die Ausgangsbeschränkungen noch gelten. Angeblich dürften sie gemeinsam feiern.
Allerdings gibt es ein solches Krisenzentrum nicht. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, unterstrich dagegen, der Schutz von Gesundheit und Menschenleben müsse Priorität haben. „So schwer es uns fällt, unsere Moscheen im Heiligen Monat Ramadan weiter geschlossen zu halten, so ist es unsere religiöse und bürgerliche Verantwortung, in der aktuellen Phase genau das zu tun“, sagte Mazyek der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Ramadan 2020 Mondsichtung

Für viele Muslime gehört es zu Beginn des Ramadan dazu, nach der Sichel des Ramadan-Mondes Ausschau zu halten – oft zusammen mit der Familie. In Deutschland gilt aber momentan die Kontaktsperre, Versammlungen sind nicht gerne gesehen. Ein Youtube-Kanal überträgt deshalb am Donnerstag ab 20.30 Uhr die Mondsichtung live.

Anfang Mai können Kirchen in BW unter Auflagen Gottesdienste feiern

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat am Dienstag angekündigt, dass Kirchen bereits Anfang Mai und unter Auflagen wieder Gottesdienste feiern können.
Die Öffnung von Moscheen und Synagogen ist am Freitag Thema von Gesprächen zwischen Land und Vertretern der isrealitischen und islamischen Religionsgemeinschaften.