Bei der Berliner Feuerwehr brennt es.  Um auf die Probleme in der Hauptstadt aufmerksam zu machen, will Feuerwehrmann Kai Eichler am 23. Februar vom Bodensee zu einem 689 Kilometer langen Protestmarsch aufbrechen.

 „Die letzten fünf Kilometer sind die härtesten“, sagt Kai Eichler. Er ist kein Marathonläufer. Er ist Feuerwehrmann. Und er will 689 Kilometer in voller Montur laufen, mit Helm und Atemmaske. Nur die Stiefel tauscht der Mann aus Immenstaad am Bodensee gegen Wanderschuhe ein. Denn die würden aufgrund der dichten, 35 Kilo schweren Arbeitskleidung schon nach fünf Minuten mit Schweiß volllaufen.

Warum er diese Tortur auf sich nimmt? Aus Sportsgeist, der Lust am Abenteuer und „weil ich auf die Probleme der Berliner Feuerwehr aufmerksam machen will“, sagt Eichler. Die wurden so kaputt gespart, dass es inzwischen brenzlig wird. „Wir haben teilweise Eintreffzeiten von über 30 Minuten“, berichtet Rainhard Hampel von der Initiative „Berlin brennt“, der sich über die Unterstützung aus Süddeutschland freut. Grund seien zu wenig Personal, veraltete Fahrzeuge und ein standardisiertes Anrufersystem, das die Kollegen in der Leitstelle zwinge, Rettungswagen auch wegen eines eingerissenen Fingernagels loszuschicken, so Hampel. Jeden Freitag trifft sich der Verein zu einer Mahnwache am Roten Rathaus.

Das ist nun das Ziel von Kai Eichler. Geboren wurde der ehemalige DDR-Leistungssportler in Mecklenburg-Vorpommern. Als Ringer kam er 1989 zum Armeesportklub nach Frankfurt (Oder). Dort machte er auch seine Ausbildung zum Feuerwehrmann und lernte  seine Frau kennen. 2002 zog die Familie nach Baden-Württemberg. Seitdem arbeitet der 46-Jährige bei der Werkssicherheit als Feuerwehrmann und im Sicherheitsdienst. „Ich habe immer noch viele Freunde in Berlin und Brandenburg und so bin ich auf den Verein „Berlin brennt“ aufmerksam geworden“, berichtet Eichler. „Ich habe mir überlegt: Wie kann ich mit meinen beschränkten Mittel auf die Probleme aufmerksam machen?“

Es ist nicht der erste Gewaltmarsch für Eichler. Der Extremsportler hat schon mehrere Weltrekorde in Schutzkleidung aufgestellt und für den ambulanten Kinderhospizdiensts Friedrichshafen Spenden gesammelt.

Doch 689 Kilometer ist auch er noch nie gelaufen. „Das ist genau die Distanz von meinem Haus bis zum Roten Rathaus.“ 12 von 13 Etappen will Eichler in Baden-Württemberg quasi vor der Haustür absolvieren. Vom 23. Februar bis zum 6. März will er auf dem Trimm-Dich-Pfad in den Forstwiesen täglich zwischen 6 und 16 Uhr rund 50 Kilometer bewältigen. „Über GPS-Aufzeichnungen und Berichte in den sozialen Medien können sich alle vergewissern, dass ich nicht zu Hause auf der Couch gelegen habe“, erklärt Eichler. Auch über Besuch auf dem Trimm-Dich-Pfad würde er sich freuen. Weil sein Tempo eher dem eines Walkers statt eine Joggers gleicht, könne er sich ohne große Probleme während seine Laufes unterhalten. Wenn er alleine ist, will er sich mit Radiohören die Zeit vertreiben.

Eichler sieht die Herausforderung vor allem darin, zwölf Tage lang jeden Morgen trotz Erschöpfung und Blasen an den Füßen wieder früh aufzustehen und erneut auf die recht eintönige Strecke zu gehen. Wie knapp es manchmal werden kann, hat er schon erlebt.

Einen Weltrekordversuch musste Eichler nach 40  Stunden und 139 Kilometern durchgängig auf einem Laufband aus medizinischen Gründen kurz vor dem Ziel abbrechen. „Man muss von Tag zu Tag denken. Sonst schafft man das mental nicht“, weiß der Extremsportler, der während seiner Mammut-Tour auf Kohlenhydrate in Gel-Form und Hühnerbrühe setzt. „Durch die Anstrengung kann man schlecht schlucken.“

Bis zum 6. März will er 600 Kilometer zusammenhaben. Die letzte Etappe startetet am 9. März um 0 Uhr an der Berufsfeuerwehr in Frankfurt (Oder). Gegen 19 Uhr will Eichler in Berlin am Roten Rathaus eintreffen.

Neben Brandenburger Kameraden, die schon ihre Begleitung zugesagt haben, würde er sich über weitere Unterstützung an der Strecke freuen. „Egal ob in Schutzkleidung, als Läufer, Walker oder mit dem Fahrrad.

Jeder kann so lange mitmarschieren, wie er möchte. Gerade auf den letzten harten Kilometern sei das eine Hilfe. „Da ist es besonders wichtig, dass man so nochmal Motivation bekommt.“

Deutschlands älteste Berufsfeuerwehr


Die Berliner Feuerwehr wurde im Jahr 1851 von Ludwig Scabell gegründet und ist damit die älteste Berufsfeuerwehr Deutschlands. Mit ihren rund 3900 Mitarbeitern und 35 Berufsfeuerwachen ist sie auch die größte Berufsfeuerwehr in Deutschland.

Unterstützt wird die Berufsfeuerwehr in der Hauptstadt durch 58 Freiwillige Feuerwehren mit rund 1450 aktiven ehrenamtlichen Mitgliedern.