Feste Flaschendeckel: Warum gibt es Tethered Caps?

Der Verschluss von Einweg-PET-Flaschen wurde geändert. Was sind die Hintergründe der Umstellung?
picture alliance/dpa | Christin KloseIn den Regalen der Supermärkte gibt es bald nur noch Einweg-PET-Flaschen mit Deckeln, die auch nach dem Öffnen mit dem Schraubverschluss verbunden bleiben. Warum wurden die neuen Flaschendeckel, auch genannt „Lass-mich-dran-Deckel“ oder „Tethered Caps“ (deutsch: angebundene Verschlüsse) eingeführt?
Tethered Caps ab Juli Pflicht
Bereits 2021 stellte Coca-Cola bei den ersten Plastikflaschen auf einen neuen Verschluss um. Immer mehr Unternehmen folgten mit den sogenannten Tethered Caps. Ab dem 1. Juli 2024 werden die festen Flaschendeckel für alle Hersteller in der Europäischen Union (EU) Pflicht. Bei Verbrauchern stößt die Umstellung auf gemischte Reaktionen.
Nervig bis genial: Die neuen Lass-mich-dran-Deckel
Während Ralf Schmalenbeck, Betriebsleiter des Coca-Cola Standorts Dorsten, die schnelle Umsetzung der neuen Flaschenverschlüsse als ein „technisches Meisterwerk“ bezeichnete, sorgt die Umstellung bei vielen Verbrauchern für Unverständnis.
Auf Reddit ließen mehrere Nutzer ihren Frust über die Umstellung laut werden. „Grauenvoll, ich reiße sie ja immer ab, sonst kratzen die im Gesicht beim Trinken“, schreibt ein Benutzer über die neuen Flaschendeckel. Online lassen sich aber auch Befürworter finden: „Ich finde es genial. Endlich kann man die Flasche aufschrauben und der dumme Deckel fällt nicht mehr ständig in irgendwelche dunklen Ecken.“
Für viele sorgen die neuen Verschlüsse jedoch mindestens für Stirnrunzeln. Einem Nutzer leuchtet die Umstellung nicht ein: „Wer schmeißt denn bitte nur den Deckel weg???“ und „Was zur Hölle mach ich anders als ihr, dass bei mir nie ein Deckel verloren geht?“. Auf die Frage, wie oft jemand schon seine Pfandflaschen ohne Deckel abgegeben hat, antworteten gleich mehrere, dass ihnen das noch nie passiert sei. Was steckt also hinter der Einführung der festen Verschlüsse?
Warum gibt es nur noch feste Flaschendeckel?
Der Ursprung der neuen Flaschenverschlüsse ist eine EU-Richtlinie, welche der Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffe Einhalt gebieten soll. Verschlüsse und Deckel aus Plastik gehören laut der EU zu den Einwegkunststoffartikeln, die an europäischen Stränden am häufigsten vorgefunden werden.
Aus diesem Grund hat die Europäische Union zusätzliche Produktanforderungen für Einweg-Getränkebehälter aus Kunststoff erlassen. In Artikel 6 der Richtlinie steht unter den Produktanforderungen, dass Kunststoffdeckel und -verschlüsse „während der für das Produkt vorgesehenen Verwendungsdauer an den Behältern befestigt bleiben“ müssen.
Meeresverschmutzung durch Flaschendeckel
Insgesamt 80 % bis 85 % des Meeresmülls in der Union sind laut der EU-Richtlinie Kunststoffe. Die Hälfte davon ist auf Einwegkunststoffe wie Plastikdeckel und -verschlüsse zurückzuführen. Laut „Seas At Risk“ wurden bei Strandreinigungsaktivitäten auf der ganzen Welt innerhalb von 30 Jahren mehr als 20 Millionen Flaschenverschlüsse und -deckel gefunden.
Der Plastikmüll sorgt in den Meeren und an den Stränden nicht nur für ein optisches Problem. Größere Kunststoffteile und daraus resultierende Fragmente oder Mikroplastikpartikel gelangen auch in die Nahrungskette. Dies kann nicht nur für Meerestiere tödlich enden, sondern stellt auch eine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Weiterhin schädige die Verschmutzung der Weltmeere laut der EU-Richtlinie auch Branchen wie den Tourismus, die Fischerei und den Seeverkehr.
Die Auswirkungen der neuen Flaschendeckel in Deutschland
Laut den Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, welche der Kunststoffverpackungsindustrie nahesteht, werden PET-Einwegflaschen in Deutschland in 98 Prozent der Fälle zurückgebracht. Das liegt auch an der Pfandregelung in Deutschland, die jedoch in nur wenigen europäischen Staaten verbreitet ist. Die EU-Richtlinie kann ihr Potenzial deswegen wahrscheinlich eher in anderen EU-Ländern ausschöpfen. Coca-Cola prognostiziert, dass die Quote der zurückgegebenen Deckel hierzulande wohl kaum steigen wird.
Alles eine Frage der Gewohnheit?
Verschlüsse von Getränkebehältern wurden bereits in der Vergangenheit abgeändert. Bei Dosen wurde Anfang der 1990er beispielsweise von abreißbaren Laschen auf Verschlüsse umgestellt, die fest an der Dose bleiben. Cornelia Folz, Vice President Public Affairs, Communications & Sustainability bei Coca-Cola, zeigt Verständnis für die aktuellen Unannehmlichkeiten der Umstellung, glaubt aber auch, dass man sich mit der Zeit problemlos daran gewöhnen wird: „Damals gab es ebenfalls große Diskussionen – und heute redet kein Mensch mehr darüber.“
Quellen:
- Europäisches Parlament und Rat: Richtlinie (EU) 2019/904
