50.000 Euro Schmerzensgeld soll eine junge Frau bekommen, die bei einem Narrenumzug in einem „Hexenkessel“ mit kochendem Wasser verbrüht worden ist. Doch das Urteil einer Zivilkammer des Landgerichts Heilbronn ist noch nicht rechtskräftig. Ob die Entschädigung für die schlimmen Verletzungen tatsächlich bezahlt wird, muss das Oberlandesgericht Stuttgart in den nächsten Monaten entscheiden.

Heilbronn

OB gilt als mitverantwortlich

Die Stadtverwaltung von Eppingen hat dem Heilbronner Richterspruch zugestimmt, um einen Schlussstrich ziehen zu können unter einen Unfall, der im Februar 2018 international für negative Schlagzeilen gesorgt hat. Oberbürgermeister Klaus Holaschke gilt als mitverantwortlich, weil der örtliche Verkehrsverein als einer der Veranstalter des Nachtumzugs „Verkehrssicherungspflichten in mehrfacher Hinsicht verletzt hat“, wie es in der Begründung des Urteils heißt. So sei weder das Mitführen eines „mit heißem Wasser gefüllten und mit offenem Feuer beheizten Wasserkessels“ verboten worden, noch habe es „klare Vorgaben und Überwachung der Kontrolle eines solchen Handwagens durch eine verantwortliche Person der jeweiligen Umzugsgruppe“ gegeben.

Angeklagter legt Einspruch gegen Urteil vor

Die damals 18-jährige Janine B. war nach Überzeugung des Amtsgerichts von einem der 19 mitmarschierenden Mitglieder der freien Gruppe „Bohbrigga Hexabroda“ gepackt und über den Kessel gehalten worden. Dabei geriet die Frau in die brodelnde Brühe. Als Schuldigen identifizierte der Amtsrichter trotz Maskierung den Versicherungskaufmann Reinhold K. Er bestritt jegliche Tatbeteiligung, wurde dennoch zu einer Geldstrafe von 6.600 Euro verurteilt. Damit ist der Angeklagte nicht einverstanden, deshalb muss sich das Landgericht mit dem spektakulären Fall befassen.

Nach dem Urteil der Zivilkammer hätten sich Stadt und Gruppenmitglied als „Gesamtschuldner“ über die Aufteilung des Schmerzensgeldes einigen müssen. Die Stadt ist auch für solche Fälle versichert.