ESC 2025 in Basel: Die Jury rettet den Eurovision Song Contest – JJ aus Österreich gewinnt

Polizisten blockieren bei einer Pro-Palästina-Demonstration in der Stadt am Abend des großen Finales des 69. Eurovision Song Contest (ESC) eine Straße, während JJ aus Österreich den ESC gewinnt.
Jens Büttner/dpa- JJ aus Österreich gewinnt den ESC 2025 in Basel mit "Wasted Love".
- Seine beeindruckende Stimme und die Unterstützung der Jurys waren entscheidend.
- Politische Spannungen, darunter Pro-Palästina-Demonstrationen, begleiteten das Event.
- Israelische Sängerin Yuval Raphael erhielt Solidaritätsstimmen.
- Enttäuschung über ausbleibenden Auftritt von Céline Dion.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der schönste Moment des Abends ist einer seiner letzten. JJ, der gerade für Österreich den 69. Eurovision Song Contest gewonnen hat, ruft auf dem Weg zur Bühne „My Family, My Family“. Seine völlig aufgelöste Mutter läuft ihm entgegen. Eine Umarmung und eine herausgekreischte Liebesbotschaft später kann man gar nicht mehr anders als diesem 24-jährigen Countertenor den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere von Herzen zu gönnen. Sein „Wasted Love“ war perfekt durchchoreographierter Opern-Pop, der vor allem von der herausragenden Stimme des Wieners lebte.
Es ist der dritte Sieg für Österreich nach Udo Jürgens (1966) und Conchita Wurst (2014). Dass Johannes Pietsch, wie JJ mit bürgerlichem Namen heißt, gewann, lag vor allem an den Jurys. Sie sahen ihn auf Platz eins, beim Publikum wurde er hingegen nur Vierter. Da seine größten Konkurrenten in einer der beiden Abstimmungen jedoch noch deutlicher verloren, setzte er sich am Ende souverän durch. Zwei Beispiele: Zoë Më aus der Schweiz wurde mit ihrem gefühlvollen „Voyage“ Jury-Zweite und mit null (!) Punkten Publikums-Letzte, Yuval Raphael aus Israel Publikumssiegerin und Jury-Vierzehnte. Am Ende reichte das knapp vor den Spaß-Beiträgen aus Estland (Tommy Cash, „Espresso Macchiato“) und Schweden (KAJ, „Bara bada bastu“) zumindest für Gesamtplatz zwei.

JJ aus Österreich gewinnt mit dem Titel „Wasted Love“ das Finale des 69. Eurovision Song Contest und feiert den Sieg auf der Bühne mit Vorjahresgewinner Nemo (hinten).
Jens Büttner/dpaJury und Publikum stimmen unterschiedlich wie noch nie
Es ist nichts neues, dass Publikum und Jury beim ESC unterschiedlich abstimmen. Auch Vorjahressieger Nemo war im Televoting nur Fünfter geworden. So extrem wie in diesem Jahr waren die Unterschiede allerdings noch nie. Das wird die Diskussionen um den Wettbewerb weiter anheizen, hat ihn aber wohl auch gerettet. Dass Israel mit der eher belanglosen Ballade „New Day Will Rise“ beim Publikum gewann, wird an vielen Solidaritätsstimmen mit der Sängerin, einer Überlebenden des 7. Oktober 2023, gelegen haben. So verständlich dieser Reflex auch sein mag, ein derart politischer Sieg Israels hätte den ESC wohl in die tiefste Krise seiner Geschichte gestürzt. Schon die Teilnahme des Landes wurde von Protestaktionen überschattet, darunter eine missglückte Farbbeutelattacke auf Yuval Raphael während ihres Finalauftritts.
Relative Einigkeit herrschte hingegen über die Darbietung der deutschen Teilnehmer Abor & Tynna. Ihr Electro-Popsong „Baller“ landete bei beiden Abstimmungen im Mittelfeld. Ganz vorne sahen das Wiener Geschwisterpaar das Publikum aus ihrer Heimat Österreich sowie die Jurys aus der Ukraine und Tschechien. Live überzeugte die für Deutschland ungewohnt professionelle Club-Inszenierung und auch stimmlich zeigte Tynna eine deutliche Steigerung im Vergleich zu mancher Probe. Insgesamt reichte das für 151 Punkte und den 15. Platz. Das ist zwar die beste deutsche Punktzahl seit sieben Jahren, allerdings auch das schlechteste Ergebnis eines ESC-Beitrags, bei dem Stefan Raab in irgendeiner Form seine Finger im Spiel hatte.
Keine Celine Dion und kein Höhepunkt beim ESC in Basel
Eine Enttäuschung erlebten neben Raab auch die Fernsehzuschauer. Viel war in den Tagen zuvor über einen Auftritt von Céline Dion gesprochen worden, die 1988 für die Schweiz gewonnen hatte. Eine Videobotschaft im Halbfinale heizte die Spekulationen weiter an. Doch die an einer Autoimmunkrankheit leidende 57-Jährige blieb dem ESC fern. Zwar lieferte die Show auch ohne den Weltstar nette Pausenacts ehemaliger Teilnehmer und manch charmante Moderation von Komikerin Hazel Brugger, Fernseh-Dauerbrennerin Michelle Hunziker und Sängerin Sandra Studer, doch der dramaturgische Höhepunkt fehlte ihr eindeutig.
Während die musikalische Qualität vieler Teilnehmer allenfalls durchschnittlich war, gab es zumindest eine andere Besonderheit. Insgesamt wurde in 20 unterschiedlichen Sprachen gesungen, so vielen wie nie zuvor. Viele Länder schickten Lieder in ihrer Landessprache, erstmals seit 2007 auch wieder Deutschland. Unter den ersten Acht des Wettbewerbs landeten Lieder auf Italienisch, Schwedisch, Griechisch, Französisch und Albanisch. Es war ein schönes Zeichen für die Vielfalt in Europa. Doch bei Inszenierung und Gesang konnte an diesem Abend niemand mit dem englischsprachigen Beitrag von Sieger JJ mithalten.
