Erdbeben in Taiwan: Eingeschlossene Deutsche aus Tunnel befreit
Nach dem schweren Erdbeben in Taiwan ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens neun gestiegen. Das meldeten die taiwanischen Behörden. Mindestens 820 weitere Menschen wurden nach neuesten Angaben der dortigen Feuerwehrbehörde bei dem Erdstoß verletzt. Zudem waren 127 in Tunneln oder Gebäuden eingeschlossen.
Die Eingeschlossenen befanden sich den Angaben zufolge alle im Kreis um die Stadt Hualien in einer bergigen Region an der Ostküste des Landes. Dort hatte das Erdbeben am Morgen (Ortszeit) schwere Schäden anrichtete und die meisten Opfer gefordert. Innerhalb von acht Stunden nach dem Beben wurden dort insgesamt mehr als 100 Nachbeben registriert.
Auch zwei Deutsche sollen im Chongde-Tunnel, einem Verkehrstunnel im Taroko-Nationalparks nördlich von Hualien, eingeschlossen worden sein. Wie t-online meldet, wurden die zwei mittlerweile aus dem Tunnel evakuiert.
Nach eigenen Angaben hat das Auswärtige Amt auch Kontakt zu einer weiteren deutschen Reisegruppe. Diese galt bisher als vermisst. Den 19 Menschen, von denen 18 Deutsche seien, gehe es den Umständen entsprechend gut.
Tsunami-Warnungen aufgehoben
Nachdem das stärkste Erdbeben in Taiwan seit 25 Jahren die ostasiatische Inselrepublik am Mittwochmorgen erschüttert hatte, gaben die taiwanischen und japanischen Behörden vorübergehend Tsunami-Warnungen aus. Taiwans Wetterbehörde registrierte an der südöstlichen Küste der Insel bei der Stadt Hualien in einer Tiefe von 15,5 Kilometern eine Bebenstärke von 7,2. Die Erdbebenwarte in den USA (USGS) gab eine Stärke von 7,4 in dem Gebiet an.
Beben verursacht schwere Gebäudeschäden
In Hualien wurden Gebäude durch die heftigen Erdstöße teils schwer beschädigt, wie lokale Medien berichteten. Auf Fotos war zu sehen, wie mehrere Häuser einsacktenund in Schieflage gerieten. Laut Augenzeugen war das Beben auch in und um die Hauptstadt deutlich zu spüren. In Neu-Taipeh, das die Hauptstadt Taipeh umschließt, wurden demnach drei Menschen verletzt, als ein Lagerhaus einbrach.
Bewohner der Hauptstadt berichteten, dass in ihren Häusern und Wohnungen Einrichtungsgegenstände und Geschirr zu Bruch gingen. Der öffentliche Nahverkehr auf der Schiene wurde in mehreren großen Städten der Insel mit mehr als 23 Millionen Einwohnern eingestellt. Auch der Schnellzugverkehr wurde unterbrochen.
China bietet Hilfe an
Das große Nachbarland China bat Taiwan seine Hilfe an. Die chinesischen Behörden seien über die Lage sehr besorgt, sagte die Sprecherin des chinesischen Büros für Taiwan-Angelegenheiten, Zhu Fenglian, am Mittwoch in Peking. Das Festland beobachte die Situation und sei bereit, Katastrophenhilfe anzubieten. Ob Taiwan die Hilfe Chinas annehmen wird, blieb offen. Zwischen den beiden Staaten gibt es immer wieder Spannungen, weil Peking die Insel zum Gebiet Chinas zählt, obwohl in Taiwan seit Jahrzehnten eine unabhängige und demokratisch gewählte Regierung an der Macht ist.
Produktionsstopp bei wichtigem Chiphersteller
Taiwans wichtiger Halbleiter-Hersteller TSMC hielt die Produktion an, wie die Behörde des Industrieparks der Stadt Hsinchu mitteilte. Die Firma evakuierte laut Berichten Arbeiter während des Bebens aus der Produktion. Gegenwärtig überprüfe die Firma den Zustand der Maschinen. Zudem beschädigten die Erdstöße diverse Straßen in Taiwan. Der staatseigene Energieversorger berichtete von mehr als 308 000 Haushalten in Taiwan, bei denen mit dem Beben der Strom ausfiel. Zehntausende waren auch danach noch ohne Strom.
Zuletzt wurde Taiwan im September 1999 von einem Beben der Stärke 7,3 getroffen. Damals kamen mehr als 2400 Menschen ums Leben. Taiwan liegt in einer erdbebengefährdeten Zone auf der Grenze der eurasischen Platte und der philippinischen Meeresplatte.





Taiwan ist auf der Weltkarte nur ein winziges Land. Dennoch ist die Wahl des neuen Präsidenten William Lai aufs Engste mit einem internationalen Großkonflikt verbunden.