Erdbeben in Neapel: Was Reisende jetzt wissen müssen

Eine Welle von Erdbeben hat in Neapel für Angst und Verunsicherung geführt. Die Region liegt in den Phlegräischen Feldern über einem sogenannten Supervulkan.
Antonio Balasco/dpaWieder Erdbeben, diesmal sogar erneut ein ganzer Schwarm! Die dicht besiedelte Region der Millionenmetropole Neapel ist am Dienstag (12.5.) erschüttert worden. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) berichtete von etwa 20 teils heftigen Erdstößen - bis hin zu einer Stärke von 4,4. Das Epizentrum des Bebens verortete die Messwarte in einer Tiefe von drei Kilometern in den Phlegräischen Feldern, einem sogenannten Supervulkan unterhalb der Stadt.
Neapel: Diese Region ist vom Erdbeben betroffen
Das Beben ereignete sich um 12.07 Uhr (MESZ) im Gebiet der Phlegräischen Felder im Süden Italiens, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanforschung (INGV) mitteilte. 15 Minuten später habe es ein zweites Beben der Stärke 3,5 gegeben.
Besonders betroffen war nach Angaben der Deutschen Presseagentur der Westen von Neapel. In der 77.000-Einwohner-Stadt Pozzuoli rannten Menschen in Angst und Panik auf die Straßen. Abgesehen vom Einsturz einer leerstehenden Ruine gab es nach Angaben von Feuerwehr und Polizei jedoch keine größeren Schäden. Auch Verletzte wurden keine gemeldet. In der Region halten sich derzeit schon viele Urlauber auf, insbesondere auf vorgelagerten Inseln in der Bucht von Neapel wie Capri.
Erdbeben in Neapel: Diese Maßnahmen ergreifen die Behörden
Der stärkste Erdstoß wurde nach Angaben des Instituts um 12.07 Uhr registriert. Die Experten sprachen jedoch von einem ganzen Schwarm an Beben davor und danach. Sicherheitshalber wurde der Bahnverkehr für mehrere Stunden eingestellt. Der Unterricht an Schulen und auch in der Universität von Neapel wurde unterbrochen. Der Bürgermeister von Pozzuoli, Gigi Manzoni, empfahl, Ruhe zu bewahren. „Die starken Erschütterungen haben die Bevölkerung unweigerlich in Angst und Schrecken versetzt“, sagte er. Die Polizei war mit Patrouillen unterwegs, um die Leute zu beruhigen. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht.
Phlegräische Felder: deutlich gefährlicher als Vesuv
Die vielen Hunderttausend Anwohner sind Erdbeben durchaus gewohnt: Die Campi Flegrei - wörtlich: Brennende Felder oder auch Phlegräische Felder - sind ein Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität im Westen der Millionenstadt Neapel. Sie gelten als deutlich gefährlicher als der deutlich bekanntere Vulkan Vesuv, der das Panorama der Großstadt seit Jahrtausenden beherrscht. Insgesamt umfassen sie eine Fläche von etwa 150 Quadratkilometern auf dem Land und auch in der Bucht von Neapel. Befürchtet wird, dass die jetzigen Beben Vorstufe für einen Ausbruch sein könnte.
Reisewarnung: Auswärtiges Amt hat noch nicht reagiert
In den vergangenen Monaten gab es in der Region schon mehrfach Erdstöße - meist kaum spürbare Erschütterungen, aber auch heftigere Beben als jetzt. Seit elf Jahren gilt für das Gebiet die Alarmstufe Gelb. Allerdings nehmen nicht alle Anwohner die Gefahr wirklich ernst: An Katastrophenschutzübungen beteiligten sich zuletzt nur wenige. Für Touristen, die in Kürze in die Region reisen wollen, heißt es nun, auf Hinweise des Auswärtigen Amtes zu warten. Das Amt hatte in seinen Reisehinweisen für Italien bereits seit längerem den Hinweis untergebracht, dass Italien in einer seismisch sehr aktiven Zone läge, weshalb es häufiger zu teilweise schweren Erdbeben kommt. Weitere Reaktionen oder gar eine Reisewarnung bzw. ein Reisehinweis (wie kürzlich nach den Erdbeben in Griechenland) gab es bislang nicht.
Reiserücktritt wegen Erdbeben?
Wer eine Pauschalreise nach Italien gebucht hat, fragt sich, ob diese überhaupt angetreten werden kann bzw. sollte. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät dazu, in jedem Fall die aktuellen Warnungen zu verfolgen und auch mögliche Reisewarnungen durch das Auswärtige Amt mitzuverfolgen. Letztere kann man über die Website des Auswärtigen Amtes sowie über die App einsehen.
Sollte es in der gebuchten Region zum Zeitpunkt der Reise oder kurz zuvor zu erheblichen Einschränkungen aufgrund von Erdbeben kommen, sollten Reisende nach Einschätzung der Verbraucherzentrale nicht blindlings stornieren, sondern unbedingt Kontakt mit dem Reiseveranstalter aufnehmen. Oft wird bei Extremwetter und anderen Naturereignissen nur dann eine Stornierung anerkannt, wenn es die Reise erheblich einschränkt, beispielsweise weil die Anreise aufgrund von Erdrutschen nicht möglich ist oder weil die Unterkunft selbst direkt von den Folgen der Beben betroffen ist. Angst vor Erdbeben ist kein Stornogrund.
Wer die Reise bereits angetreten hat, sollte in jedem Fall Beweise sichern oder Schäden bzw. Beeinträchtigungen in der Unterkunft fotografieren. Auch hier ist es wichtig, umgehend mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen.
Reiserücktritt bei Individualreisen
Komplizierter wird es für Individualreisende. Flugtickets werden laut der Verbraucherzentrale nur dann erstattet, wenn die Airline den Flug annulliert. Unterkünfte müssen in der Regel selbst dann bezahlt werden, wenn keine Anreise möglich ist. Nur wenn die gebuchte Unterkunft aufgrund von Naturgewalten gar nicht zur Verfügung steht, haben Reisende in manchen Fällen einen Anspruch auf Rückerstattung. Reiserücktrittsversicherungen sind meistens auch keine Option, den Reisepreis zurückzufordern. Diese Versicherungen springen in der Regel nur bei unerwarteter Krankheit oder persönlichen Notfällen ein.
Droht ein Ausbruch des Supervulkans?
Das kann noch niemand sagen. Supervulkane zeichnen sich durch eine besonders große Magmakammer und enorme Gewalt aus. Anders als normale Vulkane explodieren sie regelrecht, allerdings kann niemand sagen, wann der nächste Ausbruch stattfinden wird. In der Nähe von Neapel liegt auch der Vulkan Vesuv, dessen Ausbruch vor fast 2000 Jahren die antike Stadt Pompeji unter sich begrub. Heute ist dort eine archäologische Ausgrabungsstätte, die vergangenes Jahr von mehr als vier Millionen Menschen besucht wurde.
