Erdbeben in Griechenland
: Kreta und Santorin betroffen

Erneut bebte die Erde in Griechenland. Diesmal vor den Inseln Kreta und Santorin. Das müssen Urlauber wissen.
Von
Nicole Züge
Berlin
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Griechische Urlaubsinsel Kreta: ARCHIV - 12.05.2022, Griechenland, Kissamos: Teilansicht des Strandes von Balos und seiner Lagune im nordöstlichen Teil der Insel Kreta. (zu dpa: «Beben der Stärke 6,1 vor griechischer Insel Kreta») Foto: Socrates Baltagiannis/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Erneute Erdbeben in Griechenland, diesmal vor Kreta und Santorin, am Morgen des 22. Mai 2025. Was aktuell bekannt ist und was Reisende jetzt wissen müssen.

Socrates Baltagiannis/dpa

Griechenland wird in jüngster Zeit immer wieder durch Erdbeben erschüttert. Am frühen Donnerstagmorgen (22. Mai 2025) bebte erneut die Erde vor den griechischen Trauminseln Kreta und Santorin. Was Reisende jetzt wissen müssen, wann ein Reiserücktritt möglich ist und was zu den neuesten Erdbeben bekannt ist.

Griechenland: Erdbeben vor Kreta und Santorin

Ein Erdbeben der Stärke 6,1 hat am frühen Donnerstagmorgen (22. Mai 2025) mehrere griechische Urlaubsinseln erschüttert. Wie die US-Erdbebenwarte USGS mitteilte, ereignete sich das Beben vor den griechischen Inseln Kreta und Santorin.

Das Epizentrum lag demnach in einer Tiefe von 68 Kilometern etwa 82 Kilometer nordöstlich von Kretas Hauptstadt Heraklion entfernt. Viele Menschen seien aus Angst auf die Straßen gerannt, sagte Alexis Kalokairinos, Bürgermeister der kretischen Stadt Heraklion, dem Nachrichtensender ERTNews. Ein altes Gebäude im Stadtzentrum sei beschädigt, zudem würden vorsorglich Schulgebäude auf Schäden untersucht. Das Beben habe sich vor allem durch seine gefühlt lange Dauer ausgezeichnet, berichteten griechische Medien unter Berufung auf Anwohner. Die Dauer eines Bebens wird von den Instituten nicht angegeben. Erst vor einer Woche hatte ein Erdbeben der Stärke 6,1 südlich der Insel Kasos auch auf bei Urlaubern sehr beliebten Ägäis-Inseln wie Kos, Rhodos und Kreta für Erschütterungen gesorgt.

Ab Ende Januar 2025 waren tausende Beben rund um Santorini und die Nachbarinseln registriert worden. Eine solche Serie von Beben hatte es in dem Gebiet nach Expertenangaben seit 1964 nicht mehr gegeben. Nach den Beben Mitte Mai hatte das Auswärtige Amt am 15. Mai seinen Reisehinweis für Griechenland aktualisiert.

Erdbeben in Griechenland: Chronologie der Beben seit dem Frühjahr

Bereits Anfang Februar 2025 gab es auf und vor der griechischen Trauminsel Santorini kontinuierliche Erd- und Seebeben. Die Stärke der Beben schwankte damals laut dem Auswärtigen Amt zwischen 3 und 5,2 auf der Richterskala. Auch wenn die seismologische Aktivität auf der Kykladeninsel sich nur noch auf einem niedrigen Niveau bewegte, rechneten die griechischen Behörden mit weiteren Erdbeben, sogar der Notstand wurde kurzfristig ausgerufen. Das Auswärtige Amt gab den ersten Reisehinweis aufgrund der Erdbeben für Griechenland heraus.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai riss ein Erdbeben mit der Stärke 6,1 auf der Richterskala die Menschen auf Kreta aus dem Schlaf. Das Epizentrum lag nach Experteneinschätzung rund 22 Kilometer vor der beliebten Urlaubsinsel Kreta. Auch bei Urlaubern auf den Inseln Kos und Rhodos sorgte das Beben für Unruhe, zumal danach eine Tsunamiwarnung folgte.

Zwischen dem 18. und 19. Mai 2025 haben mehrere Erdbeben die griechische Insel Euböa erschüttert. Innerhalb von 24 Stunden waren mehrere Erdbeben mit Stärken von bis zu 4,7 zu spüren, selbst in der rund 130 Kilometer entfernten Hauptstadt Athen. In der betroffenen Region seien mehr als 50 Häuser beschädigt worden, berichtete die Zeitung „To Proto Thema“ unter Berufung auf einen dortigen Bürgermeister.

Reiserücktritt wegen Kreta-Erdbeben?

Aktuell gilt lediglich ein Reisehinweis des Auswärtigen Amtes für Griechenland. Es gibt keine Reisewarnung. (Stand: 22.5., 8 Uhr). Wer einen Griechenland Urlaub gebucht hat, kann und muss die Reise trotz des Reisehinweises zunächst antreten. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät dazu, in jedem Fall die aktuellen Reisehinweise durch das Auswärtige Amt mitzuverfolgen, die wir auf diesem Portal stetig aktualisieren.

Sollte es in der gebuchten Region zum Zeitpunkt der Reise oder kurz zuvor zu erheblichen Einschränkungen aufgrund von Erdbeben oder anderen Naturgewalten kommen, ist es sinnvoll, den Reiseveranstalter zu kontaktieren, rät die Verbraucherzentrale. Keinesfalls sollte eine gebuchte Pauschalreise einfach so storniert werden.

Oft wird bei Extremwetter und anderen Naturereignissen nur dann eine Stornierung anerkannt, wenn es die Reise erheblich einschränkt, beispielsweise weil die Anreise aufgrund von Erdrutschen nicht möglich ist oder weil die Unterkunft selbst direkt von den Folgen betroffen ist. Die reine Angst vor Erdbeben ist kein Stornogrund. Reisende, die sich bereits auf dem Weg nach Griechenland befinden sollten, falls nötig, Beweise sichern oder Schäden bzw. Beeinträchtigungen in der Unterkunft fotografieren. Auch hier ist es wichtig, umgehend mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen.

Reiserücktritt bei Individualreisen nach Griechenland

Komplizierter wird es für Individualreisende. Flugtickets werden laut der Verbraucherzentrale nur dann erstattet, wenn die Airline den Flug annulliert. Unterkünfte müssen in der Regel selbst dann bezahlt werden, wenn keine Anreise möglich ist. Nur wenn die gebuchte Unterkunft aufgrund von Naturgewalten gar nicht zur Verfügung steht, haben Reisende in manchen Fällen einen Anspruch auf Rückerstattung. Reiserücktrittsversicherungen sind meistens auch keine Option, den Reisepreis zurückzufordern. Diese Versicherungen springen in der Regel nur bei unerwarteter Krankheit oder persönlichen Notfällen ein.

Erdbeben in Griechenland: hat die seismische Aktivität zugenommen?

Die Seite volcanodiscovery.com liefert Erdbebenstatistiken der letzten 10 Jahre und gibt damit einen detaillierten Einblick in die tatsächliche Häufigkeit von Erdbeben in Griechenland. Das Land zählt zu den seismisch aktivsten Regionen Europas, was sich auch in der aktuellen Erdbebenstatistik widerspiegelt. Laut VolcanoDiscovery wurden in den letzten 24 Stunden insgesamt 218 Erdbeben registriert, und in den vergangenen 7 Tagen waren es sogar 1.735 Beben. Die meisten dieser Erschütterungen liegen im Bereich von Magnitude 2 bis 3, was typisch für die Region ist. Solche leichten Beben sind Expertenangaben zufolge häufig und werden oft nicht einmal wahrgenommen.
Besonders auffällig ist die Aktivität rund um die Insel Santorin. Seit Januar 2025 wurden dort über 21.500 Erdbeben registriert, viele davon mit einer Magnitude über 4,0. Die Behörden haben aufgrund dieser ungewöhnlichen Häufung den Notstand ausgerufen und Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.
Hat also die seismische Aktivität in Griechenland in den letzten Tagen zugenommen? Nein, gibt die Auswertung der Daten preis. So gab es in Griechenland in den letzten 2 Tagen insgesamt 11 Prozent weniger Erdbeben als gewöhnlich, zumindest wenn man alle Erdbeben ab Stärke 1 zusammennimmt.

Reisehinweise für Griechenland: hilfreiche Informationsquellen für Urlauber

Touristen sollten sich aber vorsorglich mit Verhaltenshinweisen bei Erdbeben und Tsunamis vertraut machen. Hilfreiche Informationen dazu bieten die Merkblätter des Deutschen GeoForschungsZentrums. In dem Merkblatt zum Thema Erdbeben sind auch einige Hinweise nachzulesen, die Reisenden bei der Auswahl der richtigen Unterkunft helfen können, falls ein Griechenland Urlaub zwar geplant, aber noch nicht gebucht ist. Demnach sind Hochhäuser ohne Erdbebensicherung oder Häuser in engen Gassen keine gute Wahl, meiden sollte man auch „Objekte, auf die schlecht konstruierte Nachbarhäuser stürzen können.“

Notfallbenachrichtigungen auf dem Handy aktivieren

Das Auswärtige Amt empfiehlt dringend, die Notfallbenachrichtigungen (Cell Broadcast) auf dem Handy zu aktivieren. Wer ein iPhone besitzt, kann die Warnungen so anschalten: Über die Einstellungen den Unterpunkt „Mitteilungen“ auswählen und dann ganz unten die „Testwarnungen“ aktivieren. Auch bei Android lassen sich die Warnungen aktivieren. Dafür navigiert man in den Einstellungen zum Punkt „Sicherheit und Notfälle“. Dort können die „Katastrophenwarnungen“ angeschaltet werden.

Weitere Maßnahmen für Reisende

Die digitale Plattform „mysafetyplan.gov.gr“ bietet (in griechischer Sprache) eine „digitale Karte sicherer Orte“, die in Echtzeit Informationen zu den von Katastrophenschutz, Kommunen und Regionen bereitgestellten Notunterkünften bietet. Das Deutsche Geoforschungszentrum rät außerdem, sich vor der Reise in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ des Auswärtigen Amts einzutragen.