Epstein Island
: Was über Little Saint James bekannt ist

Der verurteilte Straftäter Jeffrey Epstein besaß mit Little Saint James eine Privatinsel in der Karibik. Was zu „Epstein Island“ bekannt ist.
Von
Nicole Züge
Berlin
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Ein Anwesen auf Little Saint James Island, die Privatinsel des verstorbenen US-Geschäftsmanns J. Epstein, die zu den US-Jungferninseln gehört. Der Missbrauchsskandal um Epstein hat laut einer neuen Zivilklage größere Ausmaße als bisher bekannt. Die Generalstaatsanwaltschaft der amerikanischen Jungferninseln wirft Epstein vor, bis mindestens 2018 auf seiner Privatinsel Little St. James Mädchen und junge Frauen missbraucht zu haben, wie US-Medien am 15.01.2020 (Ortszeit) berichteten. (zu dpa "Zivilklage: Epstein soll bis 2018 junge Frauen missbraucht haben") +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Anwesen auf Little Saint James Island, der Privatinsel des verstorbenen Straftäters Jeffrey Epstein.

Gianfranco Gaglione / dpa

Lange hatte die US-Regierung unter Donald Trump die Veröffentlichung der „Epstein-Files“, also aller Dokumente rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, herausgezögert. Nun, da die Akten für die Öffentlichkeit zugänglich sind, rückt auch „Epstein Island“ wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Was weiß man über die Insel? Ein Überblick.

Wo liegt Little Saint James?

Little Saint James gehört zur Inselgruppe der Jungferninseln und liegt in der Karibik. Die Insel hat mehrere Nachbarinseln, die teilweise nur ein paar hundert Meter entfernt liegen. Jeffrey Epstein erwarb Little Saint James im Jahr 1998 für rund 8 Millionen US-Dollar. 2016 kaufte er außerdem die größere Nachbarinsel Great Saint James.

Machenschaften auf Little Saint James schon viele Jahre bekannt

Was mutmaßlich auf der Insel vor sich ging, war bereits seit geraumer Zeit Thema in den Medien. Laut Anwälten mutmaßlicher Opfer beging Epstein auf Little Saint James zusammen mit Bekannten zahlreiche Straftaten an Minderjährigen und jungen Erwachsenen. Der Daily Telegraph nannte die Insel 2015 „Island of Sin“. Die Los Angeles Times und das New York Magazine bezeichneten sie 2019 als „Pedophile Island“ und „Orgy Island“. Trotz mehrfacher Anklagen konnte Epstein lange Zeit einfach weitermachen.

In den Epstein-Akten finden sich unzählige Fotos von der 29 Hektar großen Insel. Im März 2022 wurden Little Saint James und die Nachbarinsel Great Saint James zusammen für 125 Millionen US-Dollar zum Verkauf angeboten. Ein Anwalt des Epstein-Nachlasses erklärte, der Erlös solle Gerichtskosten und Entschädigungen für Opfer decken. Im Mai 2023 kaufte der Milliardär Stephen Deckoff beide Inseln über seine Firma SD Investments für 60 Millionen US-Dollar.

Wie kamen die Gäste auf die Insel?

Gäste landeten mit einem von Epsteins Gulfstream-Jets am Cyril E. King Airport auf St. Thomas. Medienberichten zufolge waren sie dort abgeschirmt vom regulären Flugbetrieb in einem separaten Bereich. Von dort wurden sie mit einem Hubschrauber nach Little St. James geflogen.

Aufnahmen zeigen große Investitionen auf Epstein-Island

Satellitenaufnahmen von Google Earth zeigen, dass Jeffrey Epstein hohe Investitionen auf seiner privaten Insel getätigt hat. Aufnahmen von 2002 zeigen, im Vergleich zu Satellitenbildern aus dem Jahr 2019, deutlich mehr Straßen und Wege. Auch im Süden der Insel, an der großen Bucht, sind 2019 mehr Gebäude und Anlagen zu sehen als noch 2002. Einzelne Baukörper wirken zudem größer, zusätzliche Dächer und befestigte Flächen sind hinzugekommen. Auch im Inselinneren sind neue kleine Bauwerke oder technische Installationen erkennbar.

Auf den Satellitenbildern wirkt es außerdem so, als sei zwischen 2014 und 2017 die Anlegestelle der großen Bucht noch einmal erweitert worden. Damals wurde bereits zum zweiten Mal aktiv gegen den Sexualstraftäter Epstein ermittelt. Recherchen des Independent belegen, dass Epstein ab 2007  umfangreiche Bauvorhaben realisieren ließ, die damals bei lokalen Behörden Misstrauen auslösten. Sein Hauptanwesen wuchs dabei auf nahezu das Doppelte. Es entstand eine luxuriöse Villa mit Außenterrasse, die das Schlafzimmer direkt mit dem Pool verbindet, ergänzt um eine eigene Entsalzungsanlage.

Heute zeigen Satellitenbilder eine weitläufige Anlage mit Terrassen, Cottages, Strandhäusern, Swimmingpools, Anlegestellen, Technikgebäuden, Hubschrauberlandeplatz, Tennisplatz, Slipanlagen sowie einer eingefassten Lagune oder einem künstlichen See. Palmengesäumte Wege verbinden die Gebäude. Gäste wurden mit Golfcarts transportiert. Eine Inselquerung dauerte Berichten zufolge rund fünf Minuten.

Drohnenaufnahmen auf YouTube geben Einblicke aus der Nähe. Im Zentrum der Insel liegt eine riesige, begehbare Sonnenuhr. An den entgegengesetzten Enden der Insel stehen zwei hohe US-Flaggenmasten: 

„Tempel“ sorgt für zahlreiche Theorien

Abseits des Hauptanwesens steht ein gedrungener, blau-weiß gestreifter Bau, häufig als „Tempel“ bezeichnet.

Das Gebäude weicht laut Independent deutlich von der ursprünglichen Baugenehmigung ab, die einen achteckigen Musikpavillon vorsah. Um das Gebäude ranken sich zahlreiche Mythen: Verschwörungstheoretiker deuteten den Bau als Eingang zu einem unterirdischen Komplex, als Altar für eine ägyptische Gottheit, als Grabstätte für Epsteins Eltern oder als Ort rituellen sexuellen Missbrauchs. Eine Recherche von Business Insider kam dagegen zu einem nüchternen Ergebnis: Demnach handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein privates Arbeits- und Musikzimmer Epsteins.

Er ist von einer Terrasse mit rotem Labyrinthmuster umgeben. Zuvor trug das Gebäude eine goldene Kuppel und zwei goldene Statuen auf dem Dach. Diese wurden nach Berichten beim Hurrikan Maria zerstört.

Wie die Insel aufgebaut ist, zeigt diese Analyse (in englischer Sprache):