Elf Jahre Gefängnis für die Gründerin von Theranos: Die frühere US-Bluttest-Unternehmerin Elizabeth Holmes - einst ein gefeierter Jungstar der Biotech-Branche - hat ein hartes Urteil gesprochen bekommen. Holmes war im Januar von einer Geschworenen-Jury in vier Punkten des Betrugs an Investoren schuldig gesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte in der Folge 15 Jahre Haft gegen sie gefordert. Die Verteidigung hatte dafür plädiert, Holmes eine Haftstrafe zu ersparen oder sie zu nicht mehr als eineinhalb Jahren Gefängnis zu verurteilen. Bundesrichter Edward Davila verhängte nun eine Strafe von 135 Monaten, also elf Jahren und drei Monaten, Gefängnis.

Schwangere Elizabeth Holmes weint vor Gericht

Für Holmes wird das Urteil besonders bitter sein. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Billy Evans erwartet sie gerade ihr zweites Kind. Ihren ersten Sohn, William, hat sie im Juli 2021 zur Welt gebracht. Wie amerikanische Journalisten vor Ort berichten, brach Holmes bei der Strafmaßverkündung vor Gericht in Tränen aus: „Ich bereue meine Fehler mit jeder Zelle meines Wesens.“
Wann genau der Geburtstermin für das zweite Kind ist, hat Holmes nicht öffentlich bekanntgegeben. Allerdings ist auf Bildern ein deutlicher Babybauch zu sehen, weshalb man von mindestens sechs oder sieben Monaten Schwangerschaft ausgehen kann. Da Holmes ihre Haft nicht vor April 2023 antreten muss, wird sie vermutlich das Kind bekommen und danach von dem Baby getrennt werden. Sollte sie tatsächlich ganze elf Jahre im Gefängnis sitzen, wären ihre beiden Kinder jeweils fast dreizehn und elf Jahre alt, wenn sie entlassen werden würde.
Die Gründerin und Geschäftsführerin von Theranos, Elizabeth Holmes (2r), betritt zusammen mit ihrem Partner Billy Evans (r) und ihren Eltern ein Bundesgericht in San Jose. Die Schwangere Holmes wird von ihren Kindern getrennt.
Die Gründerin und Geschäftsführerin von Theranos, Elizabeth Holmes (2r), betritt zusammen mit ihrem Partner Billy Evans (r) und ihren Eltern ein Bundesgericht in San Jose. Die Schwangere Holmes wird von ihren Kindern getrennt.
© Foto: Nic Coury/dpa
Der Lebensgefährte von Holmes, Billy Evans, ließ dem Gericht seine Ängste mitteilen. „Mein Herz ist gebrochen bei der Vorstellung, dass ich auch nur einen Tag getrennt von Liz leben muss, dass ich in einer Zukunft leben muss, in der mein Sohn eine Beziehung mit seiner Mutter nur hinter einer Glasscheibe und in Anwesenheit von bewaffnetem Sicherheitspersonal aufbauen muss.“

Mütter im Gefängnis berichten vom Trauma der Trennung

Elizabeth Holmes wird natürlich nicht die erste Frau sein, die wegen der Haft von ihren Kindern getrennt wird. In den USA gibt es, im Vergleich zu Deutschland, kaum Mutter-Kind-Einrichtungen für Häftlinge. In Deutschland gibt es neun Einrichtungen für Mütter in Haft und deren Kinder. Ziele der Einrichtungen sind die Vermeidung der traumatischen Trennung von Kind und Mutter sowie die Unterstützung der Erziehungsfähigkeiten der Mütter.
Holmes wird es aber wohl nicht so ergehen. Stattdessen wird sie das erfahren, was viele US-amerikanische Mütter in Haft durchleben müssen: Unregelmäßige Besuche, wenige Telefonate, kaum Körperkontakt zu den Kindern. Gegenüber dem US-Portal „Silicon Valley“ berichtete eine Mutter, Andrea James, dass sie durch die Trennung von ihrem Säugling „fast wahnsinnig“ geworden sei. James musste zwei Jahre ins Gefängnis wegen Betrugs, sechs Monate nach der Geburt ihres jüngsten Kindes. „Es war wie ein Schlag in den Bauch, als ich von meinem Sohn getrennt wurde“, erzählt Andrea James dem Portal. „Dieses Kind versteht nicht, dieser Säugling, der in deinem Körper gelebt hat, auf dir geschlafen hat, von dir gestillt wurde. An einem Tag bist du da, am nächsten bist du weg.“

Elizabeth Holmes und Theranos: Sensationeller Betrug

Kurz vor ihrer Verurteilung sagte Holmes unter Tränen vor Gericht: "Ich stehe vor Ihnen und übernehme die Verantwortung für Theranos. (...) Es war mein Lebenswerk. Ich bin wegen meines Versagens am Boden zerstört. In den vergangenen Jahren habe ich jeden Tag großen Schmerz darüber empfunden, was Menschen durchmachen mussten, weil ich sie im Stich gelassen habe."
Holmes hatte Theranos 2003 im Alter von nur 19 Jahren gegründet. Die Firma warb mit einer vermeintlich revolutionären Technologie für besonders schnelle, effektive und kostengünstige Bluttests. Die charismatische Jungunternehmerin wurde als Tech-Pionierin gefeiert und gewann finanzkräftige Investoren und prominente Unterstützer wie Ex-Außenminister Henry Kissinger und den Medienmogul Rupert Murdoch. Holmes selbst wurde zur Milliardärin. Dann deckten Berichte des "Wall Street Journal" auf, dass die Bluttest-Technologie gar nicht funktionierte.
Elizabeth Holmes hat selbst immer beteuert, dass sie Investoren nicht betrügen wollte. Das Gericht sieht das offenbar nicht so.