El Niño 2026
: Wie groß ist die Gefahr eines Extremereignisses?

Im tropischen Pazifik verdichten sich die Hinweise auf ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis. Noch ist offen, ob tatsächlich ein „Super-El Niño“ entsteht, doch die möglichen Folgen für Wetter, Landwirtschaft und Preise wären weltweit spürbar.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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Wetterphänomen El Nino

Steuert 2026 ein Super-El Niño auf die Welt zu? Was Modelle und Experten sagen und welche Folgen für Wetter, Ernten, Preise und Europa drohen.

Francis R. Malasig/EPA/dpa

Die Anzeichen für ein starkes El-Niño-Ereignis im Jahr 2026 nehmen zu. Klimamodelle deuten auf deutlich erhöhte Meerestemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik sowie eine weitere Verstärkung bis in den Herbst hin. Der US-Wetterdienst NOAA sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass El Niño bis zum Jahresende besonders stark ausfällt und bis mindestens ins Frühjahr 2027 anhält.

Was El Niño eigentlich ist

El Niño ist eine natürliche Klimaanomalie, die alle zwei bis sieben Jahre auftreten kann. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im Ostpazifik ungewöhnlich stark. Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser nach Westen Richtung Indonesien, während vor Südamerika kühleres Tiefenwasser aufsteigt. Schwächen sich diese Winde ab, verlagert sich das warme Wasser zurück nach Osten. Diese Veränderung bringt die atmosphärische Zirkulation durcheinander. Regengebiete verschieben sich, Dürren nehmen in manchen Regionen zu, während andernorts Überschwemmungen drohen. Betroffen sind vor allem Länder rund um den Pazifik, aber die Auswirkungen reichen weit darüber hinaus.

Das Gegenstück zu El Niño heißt La Niña. Dabei ist das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen Pazifik ungewöhnlich kühl, während die Passatwinde meist stärker ausgeprägt sind. Dadurch verstärken sich die normalen Zirkulationsmuster. Warmes Wasser wird stärker nach Westen gedrückt und vor der Küste Südamerikas steigt vermehrt kaltes Tiefenwasser auf. Auch La Niña kann das Wetter weltweit beeinflussen und je nach Region Dürren, Starkregen oder andere Extremwetterlagen begünstigen. El Niño und La Niña bilden zusammen die sogenannte El Niño-Southern Oscillation und wechseln sich wie die Phasen eines natürlichen Klimapendels ab.

Weltweit drohen mehr Extreme

Die möglichen Folgen eines starken El Niño sind erheblich. In Südamerika steigt das Risiko für Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche. In Teilen Südostasiens, Australiens und Afrikas drohen dagegen Dürre, Ernteausfälle und Waldbrände. Auch Hitzewellen könnten sich verschärfen, weil ein El Niño die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich anhebt. Hinzu kommen wirtschaftliche Folgen. Schlechtere Ernten bei Kaffee, Kakao oder Zucker können die Weltmarktpreise steigen lassen. Damit könnte das Phänomen auch in Europa indirekt spürbar werden, etwa im Supermarkt.

Lateinamerika bereitet sich bereits vor

Wie ernst die Lage genommen wird, zeigt der Blick nach Lateinamerika. Dort mobilisieren Regierungen bereits Feuerwehrkräfte, passen Notfallpläne an und sichern Wasser-, Energie- und Verkehrssysteme. Einige Länder stellen sich vor allem auf Dürre und Waldbrandgefahr ein, andere auf heftige Regenfälle und Hochwasser. Die Weltwetterorganisation drängt zudem auf frühzeitige Vorsorge, etwa in Landwirtschaft, Gesundheit, Wasser- und Energieversorgung. Denn die Erfahrung aus früheren El-Niño-Jahren zeigt, dass verspätete Reaktionen hohe wirtschaftliche und soziale Kosten verursachen können.

Und was bedeutet das für Europa und Deutschland?

Für Europa und Deutschland sind die direkten Wetterfolgen deutlich schwerer vorherzusagen als in den Regionen rund um den Pazifik. Einen eindeutigen wissenschaftlichen Konsens gibt es bislang nicht. Einige Modelle und Fachleute halten für Europa eher kühlere und feuchtere Wetterlagen für möglich, andere rechnen in Deutschland eher mit einem milden Winter. Auch eine Schwächung des Polarwirbels mit späteren Kälteeinbrüchen und Schnee bis in tiefe Lagen ist denkbar, aber keineswegs sicher. Klarer sind die indirekten Folgen: El Niño kann die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich erhöhen und damit Hitzewellen verstärken. Zugleich könnten Ernteausfälle in anderen Weltregionen die Preise für Kaffee, Kakao oder Zucker steigen lassen. Für Deutschland dürfte sich El Niño daher möglicherweise weniger durch ein klar bestimmbares Wetterextrem als durch höhere Preise, gestörte Lieferketten und eine allgemein größere Unsicherheit bei den saisonalen Wetterlagen bemerkbar machen.

Wahrscheinlich stark, aber noch nicht endgültig entschieden

Auf die Frage, ob 2026 ein Super-El Niño kommt, lautet die nüchterne Antwort: Es spricht derzeit viel für ein außergewöhnlich starkes Ereignis, endgültige Gewissheit gibt es aber noch nicht. Die Entwicklung im Pazifik und die kommenden Wochen der Beobachtung werden entscheidend sein. Sicher ist schon jetzt: Sollte sich El Niño weiter verstärken, wären die Folgen weltweit deutlich spürbar.