Auf Spitzbergen in der Arktis ist Kriminalität nahezu unbekannt. Umso größer ist jetzt die Aufregung auf dem Archipel unter norwegischer Verwaltung: Am Freitagvormittag hat ein bewaffneter Mann die einzige Bank in der Hauptsiedlung Longyearbyen überfallen. Dies tat er zwar im Schutz der zappendusteren Polarnacht, doch weit kam er dennoch nicht. Wie Terje Carlsen, ein Sprecher des Gouverneurs, bekanntgab, sei der Täter „schnell“ im Zentrum von Long­yearbyen gefasst worden. Er wurde umgehend aufs Festland nach Tromsø ausgeflogen und sitzt dort nun im Gefängnis.

Was aus Räubersicht ein Problem darstellt, ist die außergewöhnliche Lage von Spitzbergen: Die Inselgruppe liegt abgeschieden 1000 Kilometer vor dem Nordpol, es gibt nur wenige Kilometer Straße, es gibt nichts, wohin der Mann hätte flüchten können. Zwar hoben am Freitag zwei Flugzeuge in Richtung Norwegen ab, doch der Bankraub hatte sich binnen Minuten herumgesprochen, das Sicherheitspersonal am Airport war bereits informiert. Schiffe fahren im Winter wegen des Packeises nicht, also wäre nur noch die Flucht mit dem Schneemobil in die Eiswüste in Frage gekommen – keine längerfristige Option bei Temperaturen von im Winter oft um die minus 20 Grad. Am Freitag, dem Tag der Wintersonnwende, war es aber außergewöhnlich mild, um die null Grad zeigte das Thermometer in Longyearbyen an.

Dem Bankräuber dürfte bei der Verwirklichung seines Plans eine Besonderheit von Spitzbergen zugute gekommen sein: Gewehre gehören hier zum Alltag, sie dienen dem Schutz vor Eisbären. Er soll dort mehr von ihnen geben als Bewohner. Auch Menschen mit Sturmhauben sind ein gewöhnlicher Anblick im polaren Winter, also fiel der Mann vermutlich zuerst einmal gar nicht auf. Doch was nicht gern gesehen wird, sind Waffen in Geschäften und schon gar nicht in der SpareBank: Große Aufkleber weisen Kunden daraufhin, dass ihre Gewehre draußen bleiben müssen.

Hieß es zunächst, bei dem Täter habe es sich um einen der rund 2000 Einwohner von Longyearbyen gehandelt, stellte die Polizei später klar, dass es sich um einen Fremden handele, der die Region bereist habe.

Kjerstin Askholt, die Gouverneurin von Svalbard, wie Spitzbergen auf norwegisch heißt, gab mittlerweile bekannt, dass es sich bei dem Täter um einen 29-jährigen Russen handele. Der Mann habe 70 000 Kronen (rund 7000 Euro) erbeutet und sitze nun vorerst für vier Wochen in Tromsø in Haft. Die von ihm benutzte Waffe sei ein Repetiergewehr der Firma Mauser, das er in Longyearbyen legal zum Schutz vor Eisbären ausgeliehen hatte. Ein Waffenschein ist dafür nicht notwendig – aber ein Führungszeugnis.

Askholt bedauerte, dass Spitzbergen „nicht länger von kriminellen Handlungen verschont wird“, die es bislang nur auf dem Festland gegeben habe. Dies gehe einher mit der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung auf der arktischen Inselgruppe.

Auf norwegischen Facebook-Seiten sorgt die Räuberpistole für Fassungslosigkeit, Hohn und Spott, Stunden nach dem Überfall gab es bereits hunderte Posts und Kommentare:


* Erinnert mich an einen Film, den ich gesehen habe: Dumm und dümmer.


* Glaubt Ihr, er wird die Filmrechte für diese Komödie verkaufen?


* Vielleicht wollte er erwischt werden! Wer weiß?

* Jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, versteht, dass Spitzbergen der letzte Platz auf der Welt ist, wo du so eine hoffnungslose Aktion startest.


* Absolut alles ist falsch: Stell dir eine Insel mit fünf Meilen Straße vor und nirgendwo, wo du hin kannst.


* Es muss ganz einfach ein Idiot gewesen sein, der dem Missverständnis aufgesessen ist, dass es möglich sei, die Insel auf eigene Faust zu verlassen ... oder es war Wahnsinn ... oder eine Kombination von beidem.


* Viele unbesonnene Kommentare hier. In Wahrheit sind dort Leute, die in der Bank arbeiten und eine traumatische Erfahrung gemacht haben.


* Niemand lacht über die Person hinter dem Schalter. Ich wette, niemand würde mit ihr tauschen wollen. Aber der Rest ist einfach lächerlich.


(aktualisiert am 23.Dezember)