Ein Rausch mit Honig
: Mad Honey ist halluzinogen und gefährlich zugleich

„Mad Honey“ – der halluzinogene Honig aus Nepal und der Türkei. Der „verrückte Honig“ ist teuer, selten und riskant. Wie er wirkt und warum er so faszinierend und gefährlich zugleich ist.
Von
Doreen Matschuk
Ghandruk
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Wilde Honigwaben und Bienen in Nepal

„Mad Honey“ ist ein halluzinogener Honig aus Nepal und der Türkei. Der „verrückte Honig“ ist selten, riskant und hat seinen Preis. Warum er so faszinierend und gefährlich zugleich ist. Auf dem Foto: Wilde Honigwaben in Nepal

IMAGO/Depositphotos

Klingt nach Natur pur, ist aber hochgefährlich: Der psychedelische Honig aus Nepal und der Türkei sorgt weltweit für Schlagzeilen. Als „neue Kultdroge“ gefeiert, ist seine Wirkung unberechenbar – und kann im schlimmsten Fall lebensgefährlich enden.

Mad Honey: Süßer Rausch mit tödlichem Risiko

Mad Honey entsteht, wenn die größte Honigbiene der Welt – die schwarz-weiß geringelte Riesenhonigbiene – den Nektar bestimmter Rhododendron-Arten sammelt. Diese enthalten das Nervengift Grayanotoxin, das im Honig hochkonzentriert vorkommt. Schon kleine Mengen können einen LSD-ähnlichen Rausch auslösen.

Bemerkenswert ist, dass die Wirkstoffe in der Pflanze für die meisten Tiere toxisch, für die dort heimische Kliffhonigbienen jedoch völlig harmlos sind.

Wirkung zwischen Trance und Kollaps

Touristen reisen extra in die Himalaya-Region, um Mad Honey zu probieren. Die Folge: Halluzinationen, Wärmegefühle, Trance. Doch die Gefahr ist real – Schwindel, Übelkeit, Kreislaufprobleme sind keine Seltenheit. Sogar bis hin zum Herzstillstand gibt es bekannte Fälle. Die Tücke: Die Konzentration von dem gesammelten Grayanotoxin schwankt stark und ist kaum vorhersehbar.

Jahrtausendealte Tradition

Bereits vor über 2.000 Jahren setzten Krieger in Kleinasien den psychedelischen Honig als Waffe ein, indem sie Feinde mit damit kampfunfähig machten. Bei den Gurung (nepalesische Volksgruppe) gilt er bis heute auch als Heilmittel – gegen Gelenkschmerzen, zur Stärkung des Immunsystems und für ein langes Leben.

Heute erlebt die Substanz durch Social Media und Lifestyle-Magazine ein Comeback und ist sogar im Internet verfügbar.

Mad Honey: Gefährliche Ernte im Himalaya

Traditionell wird Mad Honey in den Bergregionen Nepals und der Türkei gewonnen. Die Ernte ist lebensgefährlich und erfolgt oft noch mit Bambusleitern und Seilen, weil die Bienen sich die steilsten Hänge für Ihre Waben aussuchen. Genau das macht den Honig so selten, begehrt und teuer. Im Onlinehandel gilt der Honig als Luxusdroge und kann mehrere hundert Euro pro Kilo kosten – trotz oder gerade wegen seines riskanten Rufs.

So wird der wilde Honig an steilen Berghängen in Nepal geerntet.

So wird der wilde Honig an steilen Berghängen in Nepal geerntet.

imago images / ZUMA Press

Exotik, Natur-Image und Rauschwirkung – die Mischung macht Mad Honey für viele so faszinierend. Doch Experten warnen: Schon ein Löffel kann den Körper überlasten.