Eier-Engpass vor Ostern
: Warum viele Regale leer sind

Vor Ostern werden Eier in vielen Supermärkten knapp. Was steckt dahinter?
Von
David Hahn
Berlin
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Inflation: PRODUKTION - 05.01.2026, Hamburg: Eine Mitarbeitern stellt Eier in ein Regal in einem Supermarkt. Das Statistische Bundesamt gibt die Inflationsrate für Dezember und das Gesamtjahr 2025 bekannt. (zu dpa: «Eierverbrauch steigt weiter - 252 pro Kopf im Jahr») Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Werden zu Ostern die Eier knapp? Die aktuelle Lage und Hintergründe gibt es hier im Überblick.

Marcus Brandt/dpa

Kurz vor Ostern spitzt sich die Lage auf dem Eiermarkt zu. In vielen Supermärkten sind Regale zeitweise leer oder nur eingeschränkt gefüllt. Die Versorgung gilt allgemein allerdings als stabil, Engpässe würden hauptsächlich regional und kurzfristig auftreten. Was sind die Ursachen und worauf müssen sich Verbraucher einstellen?

Eier: Nachfrage steigt schneller als die Produktion

Eier sind in Deutschland so gefragt wie lange nicht. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2025 bei 252 Eiern pro Jahr, vier mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden rund 21 Milliarden Eier konsumiert. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Die Produktion kann mit diesem Wachstum nicht Schritt halten. Laut Statistischem Bundesamt stieg sie zuletzt nur um 0,5 Prozent. In größeren Betrieben wurden 13,7 Milliarden Eier erzeugt, insgesamt rund 15,3 Milliarden. Deutschland bleibt damit auf Importe angewiesen, primär aus den Niederlanden (69 Prozent der Importe) und Polen (knapp 16 Prozent der Importe). Der Selbstversorgungsgrad liegt bei etwa 72 Prozent und sinkt seit vier Jahren.

Der Konsum nimmt der Behörde zufolge bereits seit 2022 kontinuierlich zu. Damals lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei durchschnittlich 234 Eiern im Jahr. In den Zahlen sind auch verarbeitete Eier inbegriffen.

Warum Eier so begehrt sind

Der Leiter des BZL, Josef Goos, sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. „Eier stellen eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß dar.“ Ein weiterer Grund könne der Trend zu vegetarischer Ernährung oder Low Carb sein. Goos bezeichnet, Angaben der dpa zufolge, die aktuelle Marktlage als schwierig und angespannt. Zu Ostern wird ein knappes Eierangebot erwartet.

„Auf der einen Seite haben wir eine erneut gestiegene Nachfrage nach Eiern. Auf der anderen Seite sehen wir sinkende Tierbestände“, sagte der Experte. Als Ursachen nannte er die Vogelgrippe, die neu aufgetretene Krankheit Newcastle Disease sowie den Rückbau der Kleingruppenhaltung. Der Lebensmitteleinzelhandel werde den Bedarf dennoch so gut wie möglich bedienen, so Goos.

Vogelgrippe und Newcastle-Krankheit: Tierseuchen verschärfen die Lage

Zusätzlichen Druck auf das Angebot üben laut der dpa Tierseuchen aus. Neben der anhaltenden Vogelgrippe ist erstmals seit rund 30 Jahren in Deutschland zuletzt auch die Newcastle-Krankheit wieder aufgetreten. „Die Infektionen kamen aus heiterem Himmel“, sagte Brandenburgs Landesbauernpräsident Henrik Wendorff der Deutschen Presse-Agentur.

Allein in Brandenburg mussten seit Ende Februar etwa 1,2 Millionen Tiere getötet werden, wie das Agrarministerium mitteilte. Besonders betroffen sind Legehennenbetriebe, allein in zwei Betrieben im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald mussten 510.000 sowie 375.000 Tiere getötet werden. Dazu kommen Ausbrüche in Bayern. In anderen Bundesländern wächst die Sorge. Fälle gab es laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zudem in Polen, Tschechien und der Slowakei.

Beim Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) hieß es: „Das Angebot an Eiern im Handel ist zwar knapp, aber stabil.“ Eier seien in den letzten Jahren immer beliebter geworden. „Diese hohe Nachfrage trifft auf ein geschwächtes Angebot durch das Seuchengeschehen“, sagte der Präsident des ZDG, Hans-Peter Goldnick.

Wie groß ist die Gefahr der Ausbreitung und der Schaden?

„Das passiert zur Unzeit“, meinte Bauernpräsident Wendorff auch mit Blick auf die Osterzeit. Für Legehennen-Betriebe sei es ein besonders herber Verlust. Es dauere längere Zeit, bis die Zuchttiere ersetzt werden könnten. „Das Loch, das dadurch entsteht, ist größer als beim reinen Mastbetrieb“, so Wendorff gegenüber der dpa.

Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, konnte der Geflügelwirtschaft-Verband bislang nicht sagen. „Für die betroffenen Betriebe und deren Mitarbeiter sind das immer auch persönliche Schocksituationen“, so Goldnick.

Das Friedrich-Loeffler-Institut sieht derzeit eine erhöhte Gefährdungslage für Geflügelhaltungen sowie andere Vogelhaltungen, beispielsweise in Zoos und Tierparks, weil auch immer noch die klassische Geflügelpest grassiert. Eine Entspannung der Lage in Brandenburg und Bayern sei momentan nicht erkennbar. Eine Infektion des Menschen gilt als sehr selten, aber möglich. Meist beschränken sich gesundheitliche Folgen laut Experten auf eine Bindehautentzündung.

Ostern 2026: Handel sieht stabile, aber angespannte Versorgung

Der Lebensmitteleinzelhandel sieht die Lage trotz regionaler Engpässe insgesamt unter Kontrolle. Rewe spricht auf SWP-Anfrage von einer „herausfordernden“ Situation durch die Vogelgrippe und Newcastle-Krankheit, betont aber die enge Abstimmung mit Lieferanten. Auch Edeka und Lidl erklären uns gegenüber, die Versorgung sei „grundsätzlich sichergestellt“, eine flächendeckende Knappheit werde derzeit nicht erwartet. Kaufland berichtet uns von gestiegener Nachfrage, sieht die Versorgung dank breitem Sortiment und täglicher Belieferung aber ebenfalls gewährleistet. Deutlich kritischer äußert sich Aldi Nord: Man beobachte europaweit „spürbare Lieferengpässe und Preissteigerungen“, verursacht vor allem durch Tierseuchen und eine stark gestiegene Nachfrage. Insgesamt zeichnet sich damit ein einheitliches Bild ab: Die Versorgung gilt als stabil, kann aber regional und kurzfristig unter Druck geraten.

Haltungsform: Bodenhaltung dominiert

Mit einem Anteil von 56,7 Prozent blieb die Bodenhaltung laut dpa 2025 in den größeren Betrieben die dominierende Haltungsform für die Tiere, wie das Statistikamt in Wiesbaden berichtet. Die Zahl der Hennen in diesem Bereich ging aber 0,9 Prozent auf durchschnittlich 25,9 Millionen zurück. Zulegen konnten Freilandhaltung (+5,0 Prozent auf 11,2 Mio. Tiere) und die ökologische Haltung (+3,3 Prozent auf 6,7 Mio. Tiere).

Kaum noch eine Rolle spielte die zum Jahresende auslaufende Haltung in Käfigen, die Altbetrieben noch für eine Übergangszeit erlaubt worden war. Hier gab es noch 1,4 Millionen Hennen oder knapp 29 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Anteil der Käfigeier an der Gesamtproduktion ging auf 3,1 Prozent zurück.“

PETA: Kritik am Eierkonsum

Tierschützer sehen die Entwicklung kritisch. Julia Weibel von der Organisation PETA spricht von einem „fragilen und krisenanfälligen System“ und kritisiert die Bedingungen in der Eierproduktion grundsätzlich als ausbeuterisch: „Diese Branche lebt davon, Hühner durch Qualzucht in Hochleistungsmaschinen zu deformieren [...] und sie zu töten, sobald ihre ‚Leistung‘ nachlässt. Entzündete Legeorgane, brüchige Knochen, Verhaltensstörungen und tödliche Viren sind dort ebenfalls Alltag.“ PETA fordert daher einen stärkeren Umstieg auf pflanzliche Alternativen.

Mit Material der dpa