In den USA leiden immer mehr Raucher von E-Zigaretten an einer mysteriösen Lungenkrankheit. Die meisten von ihnen haben THC oder THC zusammen mit Nikotin geraucht. Auch wenn das Phänomen bislang hierzulande nicht auftritt, lohnt ein Blick auf die Situation in Deutschland. Antworten auf grundsätzliche Fragen.

Wie funktionieren E-Zigaretten?

Bei einer E-Zigarette wird eine aromatisierte Flüssigkeit, die auch „Liquid“ genannt wird – erhitzt. Der Nutzer inhaliert das Aerosol, das aus winzigen Partikeln besteht. Gängige E-Zigaretten arbeiten mit einem akkubetriebenen Verdampfer. Dessen Design unterscheidet sich je nach Hersteller. Das Liquid wird ebenfalls auf verschiedene Weise zugeführt: Manche Modelle haben etwa aufsteckbare Behälter, andere funktionieren mit nachfüllbaren Tanks.

Woraus bestehen die Liquids?

Die meisten in Deutschland konsumierten Liquids enthalten Nikotin und fallen unter die Tabakerzeugnisverordnung. Danach müssen alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils auf der Packung aufgelistet werden. Die Haupt-Bestandteile der nikotinhaltigen Liquids sind: das wasserbindende Propylenglykol und/oder der Zucker-Alkohol Glyzerin sowie Aromen und eben Nikotin. In Deutschland dürfen nicht mehr als 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter Liquid enthalten sein. Und der Nachfüllbehälter für das Liquid darf ein Volumen von höchstens zehn Millilitern haben.

Wie gesundheitsschädlich sind E-Zigaretten?

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) schreibt in einem Faktenblatt Ende 2018: „Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich deutlich weniger schädlich, dennoch sind sie keine harmlosen Life-Style-Pro­dukte.“ Wegen der unbekannten langfristigen Auswirkungen sollten Nichtraucher E-Zigaretten nicht verwenden, wie das DKFZ schreibt.

   

Welche Inhaltsstoffe sind in Deutschland verboten?

Die Tabakzeugnisverordnung listet eine Reihe von verbotenen Stoffen auf, etwa solche mit aufputschender Wirkung wie Koffein oder Taurin. Unter den verbotenen pflanzlichen Stoffen sind beispielsweise Bittermandelöl und Extrakte der Poleyminze zu finden. Das ätherische Öl dieser Minz-Art besteht zu einem hohen Anteil aus dem Stoff Pulegon. Diesen möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff haben Forscher in E-Zigaretten in den USA „in besorgniserregend hoher Konzentration“ entdeckt. Er ist für E-Zigaretten und Kautabak in den USA nicht reguliert.

Wo werden die Liquids hergestellt?

Rund die Hälfte der in Deutschland erhältlichen Liquids werde auch in Deutschland produziert, teilt der Verband des E-Zigarettenhandels mit. Von den restlichen 50 Prozent stamme ein großer Teil aus europäischen Ländern – und aus den USA. „Die amerikanischen Firmen sind recht aktiv hier in Europa, um ihre Produkte zu vermarkten“, sagt der Vorsitzende des Verbands, Michal Dobrajc. Alle angebotenen Produkte müssten jedoch den hier geltenden Vorschriften entsprechen.

Was sind die Unterschiede zu den USA?

E-Zigaretten sind in den USA deutlich weniger beschränkt als in Deutschland. Einige Bereiche sind kaum reguliert, andere wiederum von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Zum einen gibt es keine einheitliche Obergrenze für den Nikotingehalt. In den USA kann man Produkte mit doppelt bis dreimal so viel Nikotin wie in Deutschland kaufen. In den US-Bundesstaaten, in denen Cannabis freigegeben ist, dürfen THC-hal­tige Liquids vertrieben werden. THC (Tetrahydrocannabinol) ist die psychoaktive Substanz, der die berauschende Wirkung von Cannabis hauptsächlich zugeschrieben wird. In Deutschland sind THC-haltige Liquids verboten, da THC unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Inwieweit trotz des Verbotes solche Liquids in Verkehr gebracht werden, ist nicht klar. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) teilt auf Anfrage mit, ihm lägen keine Informationen darüber vor.

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In den USA mehr als 500 Krankheitsfälle


Die Welle von Lungenerkrankungen nach dem Konsum von E-Zigaretten in den USA setzt sich fort: Mittlerweile stieg die Zahl der Fälle auf 530, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC mitteilt. Die Hälfte davon sei jünger als 25. Sieben Patienten starben. Laut der Aufsichtsbehörde FDA ist weiter unklar, welche Substanzen für die Lungenerkrankungen verantwortlich sind. Viele der Betroffenen hatten Produkte inhaliert, die den Cannabis-Inhaltsstoff THC enthielten und die über das Internet oder auf dem Schwarzmarkt erworben wurden. afp