Künftig soll es beim Arzt keine Rezepte mehr auf Papier geben. Seit September soll in den Apotheken in Deutschland auch das sogenannte E-Rezept eingelöst werden - ganz ohne den rosa Zettel.
  • Wie funktioniert das E-Rezept genau?
  • Wie kann ich es ohne Smartphone nutzen?
  • Gilt das E-Rezept auch für Privatpatienten?
  • Wo gibt es das E-Rezept bislang und wann soll es in ganz Deutschland ausgegeben werden?
Hier gibt es alle Infos zum Thema E-Rezept:

Was ist das E-Rezept?

E-Rezept steht für elektronisches Rezept. Dahinter verbirgt sich ein digitaler Rezeptcode, über den Kassenpatienten in Apotheken ihr verschreibungspflichtiges Medikament bekommen. Den rosa Zettel gibt es dann nicht mehr.

Wie funktioniert das mit dem E-Rezept auf dem Smartphone?

Um E-Rezepte per Smartphone empfangen und einlösen zu können, benötigen gesetzlich Versicherte die App „Das E-Rezept“ der Gematik. Die Gematik ist die nationale Agentur für digitale Medizin. Die App gibt es kostenlos in den App-Stores von Google, Apple und Huawei.
Um die App „Das E-Rezept“ nutzen zu können, muss das Smartphone mindestens iOS 14 oder Android 7 als Betriebssystem haben und NFC-fähig sein. Die meisten neueren Geräte haben diese Funktion für Nahfeldkommunikation. Bei Android-Geräten kann man sie etwa über die Einstellungen ein- und ausschalten.
„Wichtig ist aber über das Handy hinaus, dass Sie eine NFC-fähige Gesundheitskarte haben“, sagt Sabine Wolter von der Verbraucherzentrale NRW. Die meisten Krankenkassen hätten diese neuen elektronischen Gesundheitskarten schon vielfach verschickt. Erkennen kann man sie an einer sechsstelligen CAN-Nummer im oberen rechten Eck der Gesundheitskarte. Wer noch keine Gesundheitskarte mit NFC-Funktion hat, kann sie bei seiner Krankenkasse bestellen.
Außerdem notwendig, um die App zu nutzen: eine PIN. Sie bekommt man ebenfalls bei der Krankenkasse. Versicherte müssen sich dafür aber ausweisen, etwa in einer Geschäftsstelle ihrer Krankenkasse. Wer schließlich Karte und PIN griffbereit hat, wird in der App durch den Anmeldeprozess geführt.

Wie kann ich das E-Rezept ohne Smartphone nutzen?

Wer kein oder kein geeignetes Smartphone hat oder auf die App verzichten möchten, muss sich keine Sorgen machen: An die Medikamente kommt man auch weiterhin. Für diese Patienten gibt es vom Arzt einen Ausdruck über dieses E-Rezept. Der Ausdruck enthält alle wichtigen Informationen zur Verordnung und einen Rezeptcode. Er ist auch ohne händische Unterschrift gültig und wird in der Apotheke gescannt. Ab 2023 sollen E-Rezepte laut Gematik zudem über die Gesundheitskarte in der Apotheke eingelöst werden können - ganz ohne Smartphone und Zettelwirtschaft.
Für Medikamente, die nicht rezeptpflichtig sind, stellen Ärzte weiter das grüne Papierrezept aus. Auch Rezepte für Betäubungsmittel werden derzeit noch nicht als E-Rezept ausgestellt.

Bekommen auch Privatpatienten das E-Rezept?

Nein, Privatversicherte bekommen erstmal weiterhin das gewohnte Papier-Rezept. Die Einführung des E-Rezepts ist aber auch hier angedacht.

Wo gibt es das E-Rezept bislang und wann soll es in ganz Deutschland ausgegeben werden?

Derzeit sieht ein mehrstufiger Plan vor, dass zunächst Arztpraxen und Krankenhäuser in Westfalen-Lippe das E-Rezept flächendeckend einführen. Das heißt: Noch nicht alle Ärzte werden das E-Rezept ab dem 1. September ausstellen. Alle anderen gesetzlich Krankenversicherten bekommen vorerst weiter das rosa Rezept. Bis zum Frühjahr 2023 soll die Einführung des E-Rezepts laut Plan bundesweit abgeschlossen sein.

Welche Vorteile bietet das E-Rezept?

Das E-Rezept kann bei richtiger Anwendung Wege und damit Zeit sparen. Wer die E-Rezept-App nutzt, kann beispielsweise vorab per Smartphone anfragen, ob die Wunsch-Apotheke das Medikament vorrätig hat.
Bietet die Apotheke einen Botendienst an, kann das Rezept auch ohne Apothekenbesuch über die App bestellt werden. Bei Online-Apotheken muss zudem kein Originalrezept mehr verschickt werden. Das E-Rezept kann digital an die Versandapotheke übermittelt werden und kommt dann bequem per Post nach Hause.
Ein weiterer Vorteil von E-Rezepten ist, dass sie fälschungssicher sind und das Missbrauchspotenzial geringer ist als bei den bisherigen Rezepten.

Müssen Patienten mit E-Rezept-App für jedes neue Rezept zum Arzt?

Nicht in allen Fällen. Wer schon ein Vorrezept hatte und ein Folgerezept im gleichen Quartal braucht, kann dieses über die E-Rezept App auch übertragen bekommen.
Digitalisierung Gesundheitswesen Wieder hakt es beim elektronischen Rezept

Berlin

Kann ich mit der E-Rezept-App auch Medikamente für Angehörige abholen?

Auch mit der App kann man Rezepte für Familienangehörige, Kinder oder etwa Nachbarn einlösen, denen der Weg zur Apotheke zu beschwerlich ist. Dafür sind die Gesundheitskarte und die PIN der jeweiligen Person notwendig. Die entsprechenden Daten fügt man in der App hinzu.
Bekommen Angehörige ein ausgedrucktes E-Rezept, kann der Rezeptcode in der eigenen App eingescannt und anschließend in der Apotheke vorzeigt werden.
Ein E-Rezept lässt sich nicht mehrfach einlösen. Wenn eine Verordnung versorgt wurde, ist sie auch gesperrt.
(mit Material von dpa und KNA)