Ulm / Christian Ebner  Uhr
Erneut hat eine Drohne den Betrieb am Frankfurter Flughafen lahmgelegt. Zur Sperrung gibt es aktuell kaum Alternativen.

Nach der Sichtung des Flugobjekts wurde am Donnerstagmorgen der Betrieb am größten deutschen Luftdrehkreuz für fast eine Stunde aus Sicherheitsgründen eingestellt. Wegen fehlender Abwehrsysteme gibt es dazu meist keine Alternative.

Laut  Deutscher Flugsicherung wurden in Frankfurt 143 Starts und Landungen annulliert, 48 bereits gestartete Flugzeuge seien zu anderen Flughäfen umgeleitet worden. Von der Drohne wie von ihrem Lenker fehlte zunächst jede Spur.

Die Bundespolizei hatte den Flugbetrieb in Absprache mit der Flugsicherung um 8.18 Uhr wieder freigegeben, nachdem das Gerät nicht mehr zu sehen war. Wie bei einem vorangegangenen Drohnenalarm Ende März stieg erneut ein Hubschrauber auf, um nach dem Flugkörper zu suchen.

Die aktuelle Drohne sei von mehreren Piloten im Süden des Geländes gesichtet worden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung. Es habe sich um ein größeres, rot lackiertes Gerät mit einem Durchmesser von etwa 1,50 Meter gehandelt. Möglicherweise sei es eine Profi-Drohne, die auch Lasten tragen könnte und für die auch außerhalb von Flughäfen eine Aufstiegserlaubnis hätte eingeholt werden müssen. Allein bei der Lufthansa waren rund 15.000 Passagiere von dem Vorfall betroffen.

FDP will ein Konzept zur Drohnen-Abwehr

FDP-Politiker verlangten ein schlüssiges Konzept zur Drohnenabwehr an den Flughäfen. „Die jüngsten Vorfälle belegen, dass wir eine eindeutige Kompetenzzuweisung zur Drohnenabwehr benötigen“, erklärte der Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther.

Der Kasseler Hersteller Dedrone verwies auf zwölf bereits an europäischen Flughäfen installierte Detektionssysteme. Es sei schwer nachvollziehbar, dass erneut ein Hubschrauber losgeschickt worden sei, kritisierte Geschäftsführer Jörg Lamprecht. „Dabei gibt es Systeme, die in der Lage sind, Drohnen zuverlässig zu erkennen und zu orten.“

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit äußerte sich vorsichtig zu möglichen Abwehr-Konzepten. So könnten Funk-Störsender auch die Systeme der Luftfahrt beeinträchtigen und fest installierte Abwehrwaffen zusätzliche Risiken schaffen, gab Sprecher Jannis Schmitt zu bedenken. Er forderte eine bessere Sichtbarkeit der Drohnen über Positionslichter, Funk-Transponder oder eine Signallackierung.

Fluggäste waren genervt

In den Frankfurter Terminals beklagten Fluggäste die Kommunikation des Flughafenbetreibers. „Wir haben uns in drei verschiedenen Schlangen eingereiht und mehr als drei Stunden gewartet. Es gab kaum Durchsagen, was zu tun ist. Ich bin genervt“, sagte eine 46-Jährige Amerikanerin auf der Durchreise nach Amsterdam. Auch andere Passagiere sagten, sie hätten Probleme gehabt den richtigen Schalter zu finden, um ihren Flug umzubuchen.

Ein Großeinsatz der Polizei am Kreisgymnasium in Riedlingen hat am Donnerstagmittag für Aufregung gesorgt. Ein Schüler hatte falschen Amokalarm ausgelöst.

In Deutschland sind Drohnenflüge über Flughäfen verboten – genauso wie über Menschenmengen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Behörden, Bundesstraßen oder Bahnanlagen. Dort, wo es erlaubt ist, müssen die Geräte während des Fluges grundsätzlich in Sichtweite bleiben und dürfen nicht höher fliegen als hundert Meter. Ausnahmen gibt es auf Modellflugplätzen.

Strafrechtlich handelt es sich laut Bundespolizei um einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr, der mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren bestraft wird. Wird eine große Zahl von Menschen gefährdet, darf die Strafe nicht unter einem Jahr betragen. „So ein Drohnenflug ist keine Kleinigkeit“, warnte Sprecher Reza Ahmari mögliche Nachahmer. „Schließlich bestehen konkrete Gefahren für Leib und Leben vieler Menschen.“

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„Diese Zahlen sind alarmierend“

Wie problematisch sind Drohnen im Flughafenbereich? Kristina Kelek, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie gefährlich ist ein Zusammenstoß eines Passagierflugzeugs mit einer Drohne?
Wir hatten zum Glück noch keinen gefährlichen Vorfall mit einer Drohne und einem Flugzeug im deutschen Luftraum. Deshalb können wir das nur schätzen. Wir vergleichen das mit einem Vogelschlag: Vögel können einen Schaden im Triebwerk des Flugzeugs anrichten. Der Schaden beim Zusammenstoß mit einer Drohne wäre wohl mindestens genauso groß. Das hängt natürlich auch von der Größe der Drohne und von der Geschwindigkeit des Flugzeugs ab.

Wie groß ist das Drohnenproblem an Flughäfen?
In Frankfurt musste eine dreiviertel Stunde der Flugbetrieb eingestellt werden, etliche Flüge wurden gestrichen oder umgeleitet. Drohnen stören massiv den Luftverkehr. Und die Zahl der Drohnensichtungen rund um Flughäfen nimmt zu: 2017 waren es 88, 2018 bereits 158. Allein in diesem Jahr haben wir bis Ende April bereits 34 Sichtungen gezählt. Diese Zahlen sind alarmierend.

Was kann der Gesetzgeber dagegen tun?
Es gibt seit zwei Jahren die Drohnenverordnung des Bundesverkehrsministeriums. Ab einer bestimmten Drohnengröße muss man einen Führerschein machen und die Drohne muss gekennzeichnet werden. Das ist ein guter erster Schritt. Wir appellieren für eine amtliche Registrierung von Drohnen. Das heißt, dass eine Drohne zugelassen werden muss, wie ein Fahrzeug.

Und was kann die Flugsicherung tun?
Wir haben ein gemeinsames Projekt mit der Telekom. Da geht es darum, Drohnen mithilfe des Mobilfunknetzes zu orten. Die Drohnen wären dann mit einer Technologie ausgestattet. Und die Flugsicherung hat ein System entwickelt, das diese Daten empfangen könnte. Dann könnten wir auf einem Bildschirm sehen, wo sich die Drohnen befinden. Moritz Clauß