Die sogenannte „Doomsday Clock“ ist eine symbolische Uhr, die die Wahrscheinlichkeit einer menschengemachten, globalen Katastrophe darstellen soll. Mitternacht repräsentiert diese mögliche Katastrophe. Und nun sind wir Mitternacht so nah wie noch nie: Nur noch 90 Sekunden trennen den Zeiger von der Zwölf. Das teilte die Organisation „Bulletin of the Atomic Scientists“ am Dienstag, 24. Januar, mit.
Die Organisation gibt den Stand der Uhr jeweils im Januar eines Jahres bekannt. Allerdings veränderte sich dieser zuletzt im Jahr 2020: In den beiden darauffolgenden Jahren entschied man sich, die Uhrzeit nicht zu verändern.

Ukraine-Krieg und Klimawandel beeinflussen die Uhr

Nun aber, im Jahr 2023, rückt der Zeiger Mitternacht wieder näher. Auch wenn die Veränderung gering scheinen mag – es sind nur 10 Sekunden Unterschied zum letzten Stand – so nah war die Uhr Mitternacht noch nie. „Wir leben in einer Zeit beispielloser Gefahr und die Doomsday Clock spiegelt diese Realität wider“, erklärt Dr. Rachel Bronson, die Chefin der Organisation. Die Experten hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, die Uhrzeiger so nah an Mitternacht heranzurücken wie nie zuvor.
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Einer der Gründe der Wissenschaftler, die Uhr nach vorne zu rücken, ist der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende nukleare Bedrohung. Aber auch die Bedrohung durch den Klimawandel und der von der Organisation befürchtete „Zusammenbruch globaler Normen und Institutionen, die benötigt werden, um Risiken im Zusammenhang mit voranschreitenden Technologien und biologischen Bedrohungen wie Covid-19 zu minimieren“ beeinflussten die Wissenschaftler in ihrer Entscheidung.

Die Uhr kann zurückgedreht werden

Seit die Uhr 1947 zum ersten Mal gestellt wurde – damals auf sieben Minuten vor Zwölf – hat sie viele Uhrzeiten angezeigt. 1953 und 2018 stand die Uhr bereits auf zwei Minuten vor Mitternacht. 1991 rückte der Zeiger auf 17 Minuten vor Zwölf, nachdem die USA und die ehemalige Sowjetunion den Vertrag zur Verringerung strategischer Waffen unterschrieben hatten.
Mary Robinson, Vorsitzende der Gruppe „The Elders“ und frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, sieht in der gen Mitternacht rückenden Uhr einen Weckruf für die Menschheit: „Wir stehen am Rand des Abgrunds. Aber die Staatsoberhäupter handeln nicht schnell genug oder in ausreichendem Umfang, um einen friedlichen und lebenswerten Planeten sicherzustellen.“
Mit Blick auf den Ukraine-Krieg sagte Bronson, die US-Regierung, ihre Nato-Verbündeten und die Ukraine hätten "zahlreiche Kanäle für Dialog". Die Verantwortlichen müssten all diese Kanäle nutzen, "um die Uhr wieder zurückzudrehen". Denn auch eine Rückwärtsbewegung ist möglich.