Deutschland im Vergleich
: Warum ist die Bildung in Bremen so schlecht?

Das Schulsystem Bremens ist das schlechteste in ganz Deutschland. Doch warum ist das so? Wie kann die Bildung in Bremen verbessert werden?
Von
Theresa Thiem
Bremen
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Das neue Schuljahr beginnt in Rheinland-Pfalz: ARCHIV - 15.07.2021, Hessen, Wiesbaden: Schulranzen stehen in einer Grundschule vor einem Klassenzimmer.  (zu dpa: «Die Schule geht in Rheinland-Pfalz wieder los») Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Warum ist das Bildungssystem in Bremen so schlecht? Wo besteht Verbesserungspotenzial? Ein Überblick.

Arne Dedert/dpa
  • Bremen hat 2024 das schlechteste Bildungssystem in Deutschland.
  • Probleme: Hohe Bildungsarmut, schlechte Schulqualität, geringe Integration.
  • Stärke: Gute Leistungen in Hochschule/MINT und Digitalisierung.
  • Bremen hat den höchsten Anteil an MINT-Wissenschaftlern.
  • Verbesserungspotenzial bei Ganztagsbetreuung und Bildungsausgaben.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im aktuellen Bildungsmonitor für das Jahr 2024 zeigt sich, wie gut die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer abgeschnitten haben. Der Bildungsmonitor ist eine seit 2004 jährlich erstellte Vergleichsstudie des INSM - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die mithilfe von 98 Indikatoren in 13 verschiedenen Handlungsfeldern bewertet, inwiefern ein Bundesland die Bildungsarmut reduziert und zur Fachkräftesicherung beiträgt. Damit thematisiert der Bildungsmonitor den Beitrag zu Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft durch das Bildungssystem eines Bundeslandes. Bremen wurde 2024 mit der schlechtesten Bildung ausgezeichnet.

Doch warum hat Bremen das schlechteste Bildungssystem? Hier gibt es einen Überblick über die Ursachen und Faktoren für Bremens schlechte Bildung. Und auch darüber, wie die anderen Bundesländern abgeschnitten haben.

Was macht die Bildung in Bremen so schlecht?

Bremen schneidet in mehreren vom Bildungsmonitor geprüften Handlungsfeldern schlecht ab. Bei den Faktoren der Bildungsarmut, der Schulqualität, der Integration, der Ausgabenpriorisierung und der Förderinfrastruktur erhält Bremen jeweils den letzten Platz. Beispielhaft laufen folgende Aspekte im Bildungssystem Bremens nicht gut:

  • Der höchste Anteil der Schüler und Schülerinnen erreicht nicht die Mindeststandards
  • Die Schüler und Schülerinnen besitzen geringe Kompetenzen
  • Nur wenige der ausländischen Jugendlichen erreichen das Abitur
  • Die Bildungsausgaben sind relativ zu den Gesamtausgaben Bremens gering
  • Der Anteil der Ganztagsschüler und Ganztagsschülerinnen ist in allen Stufen unterdurchschnittlich

Welches Verbesserungspotenzial gibt es im Bremer Bildungssystem?

  • Bildungsarmut: Wie bereits erwähnt, erhält Bremen hier den 16. und damit letzten Platz. Zum einen ergaben sich bei den Schülern und Schülerinnen der vierten Klassen in den Bereichen Lesen, Hörverständnis und Mathematik schlechte Werte, wodurch die Bremer Kinder nicht die Mindeststandards erreichen. Auch die Bremer Neuntklässler und Neuntklässlerinnen erhalten im Lesen nicht die Mindeststandards. Außerdem liegt die Schulabbrecherquote in Bremen mit 9,2% im Jahr 2022 höher als der Bundesdurchschnitt.
  • Schulqualität: Auch hier belegt Bremens Bildungssystem den letzten Platz. Die IQB-Vergleichstests fielen sowohl bei den Schülern und Schülerinnen der vierten Klassen als auch bei denen der neunten Klassen im Bundeslandvergleich schlecht aus.
  • Integration: Bremen liegt erneut auf dem letzten Platz. Das liegt insbesondere daran, dass 2022 in Bremen 24,9% der ausländischen Schulabgänger und Schulabgängerinnen keinen Abschluss erreichten. Außerdem ist der Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft und Bildungserfolg im Lesen relativ groß.
  • Ausgabenpriorisierung: Hierbei befindet Bremen sich ebenfalls auf dem letzten Platz. So fallen die Bildungsausgaben pro Teilnehmer und Teilnehmerin von Teilzeit-Berufsschulen, Grundschulen und sonstigen allgemeinbildenden Schulen im Vergleich zu den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte pro Einwohner und Einwohnerin verhältnismäßig gering aus.
  • Förderinfrastruktur: Ein weiteres Mal erhält Bremen vom Bildungsmonitor 2024 den letzten Platz. Ursache dafür ist unter anderem der geringe Anteil von 38,6% an ganztags betreuten drei- bis sechs-Jährigen. Auch im Grundschulbereich weist Bremen mit 48,7% eine leicht unterdurchschnittliche Anzahl an Ganztagsschülern und Ganztagsschülerinnen auf. Der Anteil an Schülern und Schülerinnen an Ganztagsschulen im Sekundarbereich I liegt ebenfalls mit 32,4% unter dem Bundesdurchschnitt. Hinzu kommt, dass es in Bremen mit 5% den höchsten Anteil an ungelerntem Personal in den Kindertageseinrichtungen gibt.

Was läuft in Bremens Bildungssystem gut?

Obwohl Bremen das aktuell schlechteste Bildungssystem und damit die schlechteste Bildung hat, gibt es dennoch einige Stärken, die Bremens Bildungssystem aufweist. Vor allem in den Handlungsfeldern Hochschule/MINT, Digitalisierung, Betreuungsbedingungen und Inputeffizienz hat Bremen verhältnismäßig gut abgeschnitten.

So hat Bremen beispielsweise beim wissenschaftlichen Personal der Hochschulen den höchsten Anteil an MINT-Wissenschaftlern und -Wissenschaftlerinnen. Zudem befinden sich viele Informatiker und Informatikerinnen in einer Ausbildung an der Hochschule oder in beruflichen Ausbildungen. Hinzu kommt, dass Bremen gute Betreuungsrelationen in der Sekundarstufe I aufweist und dass der Anteil des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen relativ zum Gesamtpersonal hoch ist.

  • Hochschule und MINT: Hier erhält Bremen den ersten Platz aller Bundesländer. Ganze 96.000 Akademiker und Akademikerinnen im erwerbsfähigen Alter lebten 2022 in Bremen. Im gleichen Jahr erhielten etwa 6.500 Studierende einen Hochschulabschluss, wodurch eine überdurchschnittlich hohe Ersatzrate von 6,8% entstand. Auch beim Anteil der MINT-Wissenschaftler und -Wissenschaftlerinnen an wissenschaftlichem Personal erzielte Bremen mit 41,5% den Bestwert.
  • Digitalisierung: In diesem Handlungsfeld steht Bremen auf dem zweiten Platz. So belegt Bremen mit 104,3 neuen betrieblichen Ausbildungsverträgen im IT-Bereich pro 100.000 Erwerbstätige Bremen den bundesweiten Bestwert. Zudem ist auch die Anzahl an IT-Hochschulabsolventen und -Hochschulabsolventinnen pro 100.000 Erwerbstätige mit 150 überdurchschnittlich hoch.
  • Betreuungsbedingungen: Bremen erhält vom Bildungsmonitor 2024 hierfür den dritten Platz. Insbesondere die Klassen der Sekundarstufe I (abzüglich Gymnasien) sind in Bremen kleiner als im Bundesdurchschnitt. So beinhaltet eine Bremer Klasse der Sekundarstufe I im Schnitt 20,8 Schüler und Schülerinnen, während es im Bundesdurchschnitt 23,2 sind. Auch die Grundschulklassen sind kleiner als in vielen anderen Bundesländern. Zudem betrug 2022 die Schüler-Lehrer-Relation in den Grundschulen 14,6 Kinder auf einen Lehrer oder eine Lehrerin.
  • Inputeffizienz: In dieser Kategorie befindet Bremen sich auf dem vierten Platz. Das liegt mitunter daran, dass die Relation der Sachausgaben zu den Personalausgaben an den allgemeinbildenden Schulen 2022 bei 23% und damit über dem Bundesdurchschnitt von 17,9% lag. Außerdem verließen verhältnismäßig weniger Lehrkräfte die Schulen vorzeitig aufgrund von Dienstunfähigkeit. Beim Anteil des wissenschaftlichen Personals relativ zum Gesamtpersonal erreicht Bremen mit 68,4% sogar den bundesweiten Bestwert.

Wie schneiden die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer ab?

  • Baden-Württemberg: Platz 5
  • Bayern: Platz 2
  • Berlin: Platz 12
  • Brandenburg: Platz 15
  • Bremen: Platz 16
  • Hamburg: Platz 3
  • Hessen: Platz 7
  • Mecklenburg-Vorpommern: Platz 13
  • Niedersachsen: Platz 8
  • Nordrhein-Westfalen: Platz 14
  • Rheinland-Pfalz: Platz 9
  • Saarland: Platz 6
  • Sachsen: Platz 1
  • Sachsen-Anhalt: Platz 11
  • Schleswig-Holstein: Platz 10
  • Thüringen: Platz 4