Wenn am Donnerstag in den USA das wichtigste Familienfest des Jahres gefeiert wird, steht das gemeinsame Essen im Mittelpunkt45 Millionen Truthähne  – so die offizielle Zahl des US-Landwirtschaftsministeriums – kommen zum Thanksgiving Day auf den Tisch. Und außer, dass jedes Jahr zwei Glückliche unter ihnen traditionell vom US-Präsidenten begnadigt werden, wissen wir hierzulande wenig über dieses seltsame Tier. Ein paar Fakten über den Truthahn.

Woher kommt dieser komische Vogel? Ursprünglich stammt der Truthahn aus Nord- und Mittelamerika, wo bereits die indianischen Urvölker und Azteken sein Fleisch und das Gefieder zu nutzen wussten. Spanische Seefahrer brachten die Tiere im 16. Jahrhundert nach Europa. Schnell wurden die schwerfälligen Riesenvögel hier domestiziert; aus dem ursprünglichen Wild-Truthuhn wurde das Haus-Truthuhn (Pute), aus dem Wild-Truthahn der Puter.  Seinen Namen hat der Vogel übrigens von seinem eigenen Lockruf, der ein bisschen wie „trut-trut“ oder „put-put“ klingt.

Was hat der Vogel verbrochen, damit er zum Thanksgiving Day sein Leben lassen muss? Angestellt hat der Truthahn  – im Gegensatz zur hiesigen Martinsgans – kulturhistorisch gar nichts. Außer,  dass er schmeckt, ziemlich schnell ziemlich groß wird und den Menschen in Nordamerika früher durch die kargen Wintermonate geholfen hat. Seit den ersten Erntedank-Festen Mitte des 16. Jahrhunderts kommt der Vogel dort gebraten und traditionell mit gehackten Möhren, Zwiebeln und  Sellerie gefüllt und mit Cranberry-Soße verfeinert auf den Tisch. Typische Beilagen sind Süßkartoffeln, Kürbisgemüse, Erbsen, Möhren, grüne Bohnen oder Mais

Was ist begehrter: Huhn oder Hahn? Beides kommt laut Landwirtschaftsministerium in Deutschland als Geflügel in den Handel und wird manchmal als „Pute“ und manchmal als „Truthahn“ verkauft. Das heißt: Was als „Putenfleisch“ verkauft wird, kann auch von einem männlichen Tier stammen. Umgekehrt kann Fleisch mit der Handelsbezeichnung „Truthahn“ weiblichen Ursprungs sein. Einen wahrnehmbaren, geschmacklichen oder qualitativen Unterschied zwischen Pute und Truthahn gibt es demnach nicht.

Was macht den Vogel als Nutztier so besonders? Vor allem seine schiere Körpermasse. Nach Angaben des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft werden Puter in Deutschland innerhalb von knapp fünf Monaten auf ein Gewicht von etwa 20 Kilogramm gemästet; Puten erreichen ihr Schlachtgewicht von rund 10 Kilo in vier Monaten. Bei den Thanksgiving-Truthähnen in den USA wird das Schlachtgewicht mit etwa sieben Kilogramm angegeben (der offizielle Durchschnitt liegt bei 6,8 Kilo). Dann kann ein Vogel zehn bis zwölf Personen satt machen.

Warum gilt Putenfleisch als hochwertig? Es ist fett-, cholesterin- und kalorienarm, dafür reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Die Tiere liefern neben weißem Brustfleisch auch rotes, saftiges Fleisch an den Keulen. Wer als Festtagsbraten also Truthahn statt Gans oder Ente auftischt (wie es zu Weihnachten in England verbreitet ist), kann seinen Gästen also Auswahl bieten. Grundsätzlich begehrter ist aber das helle, trockene und magere Brustfleisch, weshalb die Tiere auf schnelles Wachstum ihrer Brustmuskeln gezüchtet sind. Das allerdings macht den Vögeln häufig Probleme, die von Tierschützern seit Jahrzehnten angeprangert werden. Übrigens: Lässt man sie, können Truthähne bis zu zehn Jahre alt werden.

Was zeichnet den Truthahn als Vogel aus? Er wird auch in seiner Wildform vergleichsweise groß (bis zu einen Meter hoch) und entsprechend schwer (Hähne bis zu zehn, Hennen etwa vier Kilogramm). Auffallend ist aber besonders sein merkwürdiges Äußeres: das meist dunkle Gefieder metallisch-grün schimmernd, Hals und Kopf nackt, die Haut dort blau-rot gefärbt. Dazu der bis zu acht Zentimeter lange Hautlappen, der den männlichen Tieren zwischen den Augen entspringt und quer über den Schnabel hängt (Karunkel genannt).  Dieser – wie auch die wulstigen, aufblasbaren Kehl- und Hautlappen an den Hälsen und der Federbüschel, der Hähnen häufig bis zu 25 Zentimeter aus der Brust hängt – dienen ausschließlich dazu, die Hennen zu beeindrucken.

Welche Eigenschaften werden dem Truthahn nachgesagt? Viele positive, wenn man Tierschützer fragt: Peta zum Beispiel beschreibt Truthahn und -huhn als hochsoziale und verspielte Tiere, die in Freiheit ausgiebig balzen, Nester bauen, gerne Staub- oder Sandbäder nehmen, stundenlang nach Futter (Insekten, Pflanzen, Samen und Früchte) scharren und dabei laufend kommunizieren. Leben sie in Auffangstationen, lassen sie sich Truthähne laut Peta auch gerne streicheln; sie zwitschern, gackern und singen zu Musik und lernen sogar, menschliche Gesichter zu unterscheiden. Truthühner  können sehr gut sehen und hören, was sich allein schon daran festmachen lässt, was Männchen so alles alles anstellen, um Weibchen zu gefallen.

Das könnte dich auch interessieren:

Schwimmrinnen zwischen Baumwipfeln Eine verrückte Idee nimmt Gestalt an

Langenburg

Wie ein Drogensüchtiger auf Entzug


Ein balzender oder rivalisierender Puter ist extrem reizbar, wiegt und wälzt sich umher, zittert aufgeregt und plustert sich auf. Weil Drogenabhängige beim kalten Entzug – also dem Entzug ohne Methadon oder andere Ersatzstoffe – ähnliche Verhaltensweisen zeigen, häufig auch frieren und dabei Gänsehaut bekommen, nennt man diesen auch „Cold Turkey“; der Drogensüchtige ist „auf Turkey“.

Übrigens –  der englische Name des Truthahns „turkey“ geht nicht auf ihn, sondern offenbar auf eine Verwechslung mit dem Perlhuhn zurück: Dieses kam über die Türkei nach Mitteleuropa. sok