Debatte um Tarantino: „So etwas würde man nicht zu Tom Cruise sagen“

Quentin Tarantino
Charles Sykes/Invision via AP/dpaIn einer Folge des „Bret Easton Ellis Podcast“ war kürzlich Kult-Regisseur Quentin Tarantino „Pulp Fiction“, „Inglourious Basterds“) zu Gast. Er sprach über seine Lieblingsfilme des 21. Jahrhunderts, wozu unter anderem Black Hawk Down, Toy Story 3 und Lost in Translation gehören.
Auch Paul Thomas Andersons Film „There Will Be Blood“ steht auf der Liste - auf Platz 5. Der Streifen hätte jedoch in Tarantinos Rangliste weiter oben stehen können – gäbe es nicht einen „gigantischen Makel“: Paul Dano.
Der Regisseur bezeichnete Dano als „weak sauce“, „weak sister“, „uninteressant“ und sogar als „den schwächsten Schauspieler in der SAG“, also in der Schauspielergewerkschaft.
Für Tarantino mindert Danos Darstellung der Brüder Paul und Eli Sunday die Wucht des Films erheblich. Alternativ hätte er sich Austin Butler in der Rolle vorstellen können. Dano selbst äußerte sich bislang nicht.

Paul Danos Darstellung in „There will be blood“ kam bei Tarantino gar nicht gut an.
COLE BURSTON/AFPAuch Horror-Kultstar Matthew Lillard betroffen
Wenig Beachtung fand zunächst, dass Tarantino in derselben Podcastfolge zwei weitere Schauspieler brüsk abwertete: „Ich halte nichts von Paul Dano. Ich halte nichts von Owen Wilson. Ich halte nichts von Matthew Lillard.“ Besonders die Bemerkung über Lillard, bekannt aus „Scream“ und zuletzt aus „Five Nights at Freddy’s“, sorgte im Nachgang für Gesprächsstoff.

„Five Nights at Freddy's“-Star Matthew Lillard hat sich zu Tarantinos abfälligen Bemerkungen geäußert.
PATRICK T. FALLON/AFPLillard reagierte während eines Auftritts auf der GalaxyCon in Columbus. Zunächst versuchte er die Kritik herunterzuspielen: „Ach, egal. Wen interessiert das schon.“ Doch wenig später wurde er deutlich persönlicher: „Hört mal, der Punkt ist, dass es die Gefühle verletzt. Es ist verdammt beschissen. Und so etwas würde man nicht zu Tom Cruise sagen. So etwas würde man nicht zu jemandem sagen, der ein Top-Schauspieler in Hollywood ist.“
Der 55-Jährige erklärte offen, warum ihn die Aussage trifft: „Ich bin sehr beliebt in diesem Raum. Ich bin nicht sehr beliebt in Hollywood. Zwei völlig unterschiedliche Mikrokosmen, oder? Und deswegen macht es demütigend und es tut weh.“
Lillard erlebt derzeit einen starken Karriereaufschwung – „Five Nights at Freddy’s 2“ läuft am Box Office erneut überdurchschnittlich stark. Ironischerweise am selben Wochenende, an dem Tarantinos viereinhalbstündiges Martial-Arts-Projekt „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ nur solide Zahlen einfährt.
Auch Owen Wilsen auf der Abschussliste
Neben Paul Dano und Matthew Lillard kritisierte Tarantino auch Owen Wilson. Der Kommentar fällt besonders auf, weil Wilson in „Midnight in Paris“ die Hauptrolle spielt – einem der Filme, die Tarantino selbst in seine Top-10-Liste der besten Filme des 21. Jahrhunderts aufgenommen hat.
Hollywood ist fassungslos
Mehrere prominente Stimmen stellten sich nach Tarantinos scharfer Kritik demonstrativ hinter die angegriffenen Schauspieler.
Matt Reeves, Regisseur von „The Batman“, schrieb: „Paul Dano ist ein unglaublicher Schauspieler und ein unglaublicher Mensch.“
Ben Stiller, der „Escape at Dannemora“ inszenierte, lobte: „Paul Dano ist verdammt brillant.“
Alec Baldwin erklärte in einem Video: „Ich liebe Paul Dano. Und wer ihn nicht liebt, sollte einfach still sein.“
Regisseur James Gunn postete ein Bild mit „einem meiner liebsten Typen und Schauspieler“, das ihn mit Matthew Lillard zeigt.
Ace Lillard, eines von Matthew Lillards Kinder, schrieb auf Instagram: „Mein Vater ist nicht nur die Art von kreativer Person, die ich sein möchte, sondern auch die Art von aufrichtigem, bescheidenem Menschen, die ich werden möchte. Kreative Menschen sollten sich gegenseitig unterstützen.“
