Die Serie „Dahmer“ hält sich seit ihrer Veröffentlichung im September konstant in den Netflix-Charts und ist nach nur wenigen Wochen bereits eine der meistgesehenen Produktionen des Streamingdienstes. Sie erzählt die schockierende Geschichte von Jeffrey Dahmer, dem berüchtigtsten Serienmörder der USA. Zwischen 1978 und 1991 ermordete er 17 unschuldige Opfer auf grausamste Weise. Wie zuvor schon bei anderen Serien, wie etwa „Breaking Bad“, werfen die Praktiken des Mörders bei einigen Zuschauern Fragen nach der naturwissenschaftlichen Korrektheit des Dargestellten auf.
Kann man einen Menschen wirklich einfach so verschwinden lassen? Lösen sich Leichen in Säure restlos auf? Wie realistisch die Serien die mörderischen Handlungen wiedergeben, klären wir in diesem Artikel.

Kann man Leichen wirklich restlos in Säure auflösen?

Im Filmen oder Serien verschwinden Leichen oftmals komplett oder werden auf abartige Weise entsorgt. Sind das nur die Hirngespinste der Drehbuchautoren oder funktioniert das wirklich so? Diese Frage können mitunter Forensiker am besten beurteilen, die durch ihre Arbeit bei der Aufklärung von Verbrechen helfen. Lässt sich ein menschlicher Körper also tatsächlich spurlos beseitigen, indem man ihn in Säure auflöst?
„Theoretisch ja, wenn genügend Zeit und Säure zur Verfügung steht“, bestätigt der Forensiker Erwin Vermeij im Interview mit dem „Substanz Wissenschaftsmagazin“. „Ein 80 Kilogramm schwerer Mensch besteht neben rund 40 Kilo Wasser aus 24 Kilo Fett, 12 Kilo Proteinen und 4 Kilogramm Knochen – das ist alles löslich“, erklärt er. Anders sehe es allerdings mit Zahnersatz und Gallensteinen aus, von Implantaten aus Metall ganz zu schweigen. Außerdem ließen sich mikroskopische Spuren nicht vermeiden und führten auch schon mehrfach zur Verurteilung von Mördern.
Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke sieht die Säure-Praktik dagegen als eher unrealistisch an. Im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung betonte er: „Dazu bräuchte man […] auch chemische Kenntnisse über verschiedene Säuren. Denn je nach Säure zersetzt sich entweder das Weichgewebe oder die Knochen. Beides gleichzeitig mit derselben Säure funktioniert nicht.“ Denn beides werde je nach Säure angegriffen und verändere sich. „Meistens bleiben vom Gewebe und auch von den Knochen Teile oder große Teile übrig. Man hat dann einen riesigen Berg Gewebe übrig, der durch die Säure glitschig und nicht mehr sicher handhabbar ist.“ Dieses Verfahren sei auch für den Täter sehr gefährlich.