Österreich ist eines der ersten Länder, das seine Beschränkungen in der Corona-Krise lockert. Mit seiner Politik erreicht Österreichs Kanzler Sebastian Kurz Spitzenwerte in Sachen Wählergunst. Für die neue Regierung aus ÖVP und Grünen läuft es in der Alpenrepublik gut. 100 Tage nach Amtsantritt (15.4) erweist sich die Corona-Krise als Chance.

Rekord-Umfragewerte dank vielen Pressekonferenzen und gutem Krisenmanagement

Das Krisenmanagement und die forcierte Öffentlichkeitsarbeit – die Wiener Zeitung „Der Standard“ zählte zwischen dem 27. Februar und dem Karfreitag 48 Pressekonferenzen der Regierung – wird mit Rekord-Umfragewerten honoriert.

Sebastian Kurz erzielt den bisher höchsten Wert seiner Karriere

„Der aktuelle Vertrauensindex erbringt die höchsten Vertrauenswerte, die jemals gemessen wurden“, stellte das Meinungsforschungsinstitut OGM jüngst fest. Kurz erzielte in der aktuellen Erhebung mit 74 Prozent (plus 32 Prozentpunkte) den bisher höchsten Wert seiner politischen Karriere. Gleich hinter ihm landete Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Kurz punktet mit schrittweiser Rückkehr zur Normalität

Mit der nun anstehenden langsamen und schrittweisen Rückkehr zur Normalität dürfte die Koalition ebenfalls punkten: Am 14. April öffnen kleine Geschäfte bis 400 Quadratmeter Verkaufsfläche und die Bau- und Gartenmärkte wieder – das sind im Land rund 80 Prozent der Einzelhändler. Europaweit ist Österreich mit diesem Schritt weit vorn.

Corona in Österreich: Frühe und rigorose Politik zeigt Wirkung

Weshalb Österreich vergleichsweise gut dasteht, etwa mit niedrigen Infizierten- und Totenzahlen, liegt an der frühen und rigorosen Politik. Österreich hat auf die Krise sehr früh sehr restriktiv reagiert. Bereits am 13. März kündigte Kurz an, dass ein Großteil der Geschäfte in Österreich schließen müsse. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal 504 Personen in Österreich an Covid-19 erkrankt. Stand heute, 14. April, sind es knapp 14.000. Zum Vergleich: In Deutschland sind es über 130.000.

Dennoch ist das Umfrage-Hoch im Krisenmanagement kein Garant für eine reibungslose Zukunft der Zweckehe zwischen Konservativen und Grünen. „Es funktioniert im Dissens“, erklärt der Politikberater Thomas Hofer und weist darauf hin, dass beide Parteien im Grundsatz einen völlig anderen Zugang zu vielen Themen haben.

Österreichs Vizekanzler fordert in Corona-Zeiten hohe Erbschafts- und Schenkungssteuer

Werner Kogler, Österreichs Vizekanzler und Grünen-Chef machte mit markigen Forderungen von sich Reden. Zur „gerechten Krisenfinanzierung“ forderte er eine Erbschafts- und Schenkungssteuer. „Ich bin für einen rigorosen Beitrag von Millionen- und Milliardenerben“, verkündete der gelernte Ökonom jüngst in der „Tiroler Tageszeitung“. Er hoffe, dass der Schock der Corona-Pandemie in Österreich zu einem Umdenken führe, meinte Kogler an die Adresse des konservativen Koalitionspartners ÖVP. Damit schlagen Österreichs Grüne Töne an, die in den nächsten Monaten zu einer Belastungsprobe für das Bündnis werden können. Denn ÖVP-Chef und Kanzler Sebastian Kurz gilt als Gegner neuer Lasten im Hochsteuerland Österreich.