Anfangs sah man sie nur in China und Asien, mittlerweile tragen die Menschen weltweit einen Mundschutz im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. In Jena werden die Masken Pflicht, ebenso in Österreich und in einigen anderen Ländern.

In Deutschland gibt es derzeit keine allgemeine Pflicht. Unter anderem deswegen, weil die Schutzwirkung vor allem der einfachen Masken etwa beim Robert-Koch-Institut bezweifelt wird. Dort heißt es: „Es gibt keine hinreichenden Belege dafür, dass ein MNS oder eine Behelfsmaske einen selbst vor einer Ansteckung durch andere schützt.“ In einer neueren Einschätzung des RKI hieß es am Donnerstag, allenfalls der Schutz anderer könne unterstützt werden.

Dem Zweifel daran, dass einfache Masken auch die Träger selbst schützen, widerspricht der Verband der deutschen Hygieniker. Sie gehen davon aus, dass auch einfache, sogar selbst genähte Schutzmasken das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus verringern können.

Hygiene-Experten: Mundschutz hilft gegen Tröpfchen

„Wer angehustet wird und einen Mund-Nase-Schutz (MNS) trägt, schützt sich vor dem größten Teil der Tröpfchen, die im Tuch oder Stoff hängen bleiben“, sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Peter Walger, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch Privathaushalte sollten sich durchaus Masken aus Stoff nähen.

Feuchter Mundschutz: Coronavirus stirbt in Ofen ab

„Auch eingenähte Damenbinden können sinnvoll sein, sie erhöhen den Schutz und fangen zusätzlich Feuchtigkeit auf“, sagte Walger. Durchfeuchtete Masken ließen sich rasch trocknen. Viren würden bei 70 Grad im Ofen absterben.

Auch Tuch oder Schal bietet Schutz

Walger sagte, wer etwa aus einem Meter von einem Infizierten angehustet werde, sei durch ein Tuch oder selbst einen Schal in einem hohen Maße davor geschützt, die Tröpfchen einzuatmen, denn sie blieben im Schal hängen. Nur ein kleiner Teil würde durch die Poren hindurchkommen, und das auch nur bei großer Nähe zum Hustenden.

Masken auf der Straße nicht dringend nötig

Auf der Straße sei das Tragen von MNS nicht unbedingt notwendig, sagte der DGKH-Sprecher weiter. An der frischen Luft oder in gut gelüfteten Räumen verteile sich die Tröpfchen-Wolke sofort in eine Verdünnung hinein, die das Risiko deutlich verringere. In nicht gelüfteten Räumen sei die Ansteckungsgefahr höher, werde aber auch dort durch einen einfachen MNS „erheblich“ verringert. „Daher: Jede Maske schützt! Und je häufiger gelüftet wird, umso effektiver kann sie schützen.“

Stuttgart

Es sei „absolut ausreichend“, bei Kontakten unter Nicht-Risikogruppen und im normalen sozialen Leben einen einfachen Mund-Nase-Schutz zu tragen. „Deswegen sollten jede Firma und jede Institution, die kann, Stoffmasken herstellen.“

RKI: Masken können für Fremdschutz Tröpfchen abfangen

Das Robert-Koch-Institut hat aber seine bisher strikte Ablehnung von Masken relativiert. In einer neueren Einschätzung vom 15. April 2002 heißt es: „Für die Bevölkerung empfiehlt das RKI das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (textile Barriere im Sinne eines MNS) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum. Das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung kann ein zusätzlicher Baustein sein, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit von COVID-19 in der Bevölkerung zu reduzieren – allerdings nur, wenn weiterhin Abstand (mind. 1,5 Meter) von anderen Personen, Husten- und Niesregeln und eine gute Händehygiene eingehalten werden.“

Das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, könne so verringert werden. Das gelte besonders in Situationen, in denen sich mehrere Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten oder der Abstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, beispielsweise in Supermärkten.

Voraussetzung hierfür sei „dass genügend Menschen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und richtig mit der Mund-Nasen-Bedeckung umgehen.“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte weißt ebenfalls daraufhin, dass Träger von „Do-it-yourself“-MNS sich nicht auf einen Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion verlassen dürfen (eine entsprechende Schutzwirkung konnte nicht nachgewiesen werden), dennoch kann das richtige Tragen eine gewisse Schutzfunktion bieten.

Bad Boll

Das sagt die WHO

Die WHO hingegen empfiehlt das Tragen von Schutzmasken für Personen, die entweder Symptome einer Coronavirus-Erkrankung zeigen, mit Menschen in Kontakt sind, die sich infiziert haben (beispielsweise Angehörige) oder im medizinischen Bereich tätig sind.

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Warnung für Hersteller von Mundschutz-Masken

Der Sender n-tv berichtet, dass es immer mehr Firmen oder Privatpersonen Stoffmasken herstellen, um sie zu verschenken oder auch zu verkaufen. Dabei müssten sie Anwälten zufolge auf die Bezeichnung der selbst genähten Masken achten. Wer die Masken als Mundschutz oder Atemschutz bezeichne, dem drohe eine Abmahnung. Denn diese Bezeichnungen seien geprüften Medizinprodukten mit einer CE-Kennzeichnung vorbehalten. Das Wort „Schutz“ sollte vermieden werden. Unproblematisch sind n-tv zufolge sind Begriffe wie

  • Mundbedeckung
  • Mund- und Nasen-Maske
  • Behelfsmaske
  • Gesichtsmaske.