In Bayern sind drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden. Sie stünden in Zusammenhang mit dem ersten bestätigten Fall der neuen Lungenkrankheit in Deutschland, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am Dienstagabend mit. Erst am Montagabend war die erste Coronavirus-Infektion in Deutschland bekannt gegeben worden. Ein 33-Jähriger aus dem Kreis Starnberg in Bayern hat sich mit dem Erreger infiziert hat.

Coronavirus in Stuttgart? Offenbar zwei Verdachtsfälle

Am Mittwoch berichteten Medien, dass es auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart zwei Verdachtsfälle des Coronavirus geben solle. Am Dienstag noch hatte die Deutsche Presse-Agentur mitgeteilt, dass es in Stuttgart keine Verdachtsfälle gebe.

Stuttgart

Die Zahl der Infektionen und Todesopfer durch die Lungenkrankheit aus China ist erneut gestiegen. Wie die chinesische Gesundheitsbehörde am Donnerstag mitteilte, stieg die Gesamtzahl der Todesfälle um 38 auf nun 170. Die Zahl der bestätigten Erkrankten stieg auf 7711 Fälle in China. Nachdem auch Tibet die erste Erkrankung mit dem neuen Coronavirus gemeldet hatte, sind nun in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Während der Sars-Epidemie waren in Festlandchina laut der offiziellen Bilanz 5327 Menschen erkrankt.

Coronaviren in China: USA und Japan fliegen Menschen aus

Insgesamt wurden am Mittwoch außerhalb von China bislang insgesamt etwa 50 Fälle von Infektionen mit dem Virus verzeichnet, sie verteilen sich auf rund 15 Länder. Zuletzt wurde ein erster Fall aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet.

Japan und die USA flogen unterdessen als erste Länder eigene Staatsbürger aus der weitgehend von der Außenwelt abgeriegelten zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan aus, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte. Am Mittwochmorgen landete in Tokio eine aus Wuhan kommende Maschine mit rund 200 Japanern an Bord.

Frankreich plant Ausreise - Deutschland spricht Reisewarnung aus

Auch ein Flugzeug mit rund 200 US-Bürgern war am Dienstag bereits aus Wuhan abgeflogen, wie das Außenministerium in Washington mitteilte. Darunter befanden sich Mitarbeiter des dortigen US-Konsulats. In einer ersten europäischen Rückholaktion sollen am Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden.

Frankreich meldete am frühen Donnerstag eine weitere Infektion. Bei der mittlerweile fünften Erkrankung im Land handele sich dabei um die Tochter des ebenfalls erkrankten 80-jährigen Touristen aus China, teilte das französische Gesundheitsministerium mit. Der Zustand des 80-Jährigen sei ernst, der Mann werde weiter in einem Pariser Krankenhaus behandelt. Außerdem habe sich der Zustand eines weiteren infizierten etwa 30-Jährigen verschlechtert, der seit Ende vergangener Woche behandelt wird. Derzeit sind rund 50 Infektionen mit dem Coronavirus außerhalb Chinas bestätigt.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Montag gesagt, auch die Bundesregierung ziehe "eine mögliche Evakuierung aller ausreisewilligen Deutschen" in Betracht. Das Auswärtige Amt erließ am Dienstag eine Reisewarnung für die am stärksten von dem Virus betroffene Provinz Hubei, in der Wuhan liegt. Für den Rest des Landes empfahl das Ministerium, nach Möglichkeit nicht unbedingt notwendige Reisen zu verschieben.

Coronavirus in Bayern: Infizierter bei Schulung angesteckt

In einer Pressekonferenz am Dienstag informierten das bayrische Gesundheitsministerium und das Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die Öffentlichkeit über den Fall. Bei dem mit dem Coronavirus infizierten Mann in Bayern handelt es sich um einen 33-Jährigen. „Es geht im recht gut, gestern Vormittag hat er noch gearbeitet“, sagte der Präsident des LGL, Andreas Zapf, am Dienstag in München.

Demnach habe der Mann an einer Schulung des bayrischen Automobilzulieferers Webasto teilgenommen, an der auch eine Kollegin aus dem Werk des Unternehmens in Shanghai teilgenommen habe. Die Frau habe vor ihrer Reise nach Deutschland Besuch von ihren Eltern gehabt, die aus der besonders betroffenen Region Wuhan stammen. Bei ihrer Rückkehr nach China fühlte sich die Frau krank und ließ sich untersuchen. Das Virus wurde bei ihr festgestellt.

Das Unternehmen wurde informiert, ebenso die Mitarbeiter. Daraufhin melde sich der 33-Jährige, da er sich kurz zuvor „grippig“ gefühlt habe.

Coronavirus-Infektion: Patient geht es gut

„Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr“, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt im Klinikum Schwabing in München, wo der Mann behandelt wird. Der 33-Jährige werde nicht auf der Sonderisolierstation des Krankenhauses behandelt, sondern auf der normalen Isolierstation in einem Zimmer mit Schleuse. „Die Sonderisolierstation ist nicht aktiviert und wird für diesen Patienten auch nicht aktiviert“, sagte Wendtner. Er betonte: „Es besteht keinerlei Gefahr für Mitpatienten.“

Nach Angaben des LGL hat es zunächst keine weiteren Verdachtsfälle gegeben. „Wir haben bislang keinen finden können, der noch weitere Symptome hat“, sagte Zapf. Das sei aber „Stand jetzt, 10.30 Uhr“. Die Behörden seien derzeit damit beschäftigt, herauszufinden, mit wem die beiden Mitarbeiter der Firma Webasto Kontakt hatten. Das müsse jetzt „ganz rasch“ gehen. Die bayerischen Behörden überprüfen 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie.

Infektionsrisiko mit Coronavirus für Bevölkerung gering

Bei dem Coronavirus-Fall in Bayern handelt es sich offenbar um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Ansteckung außerhalb Asiens. Bislang sei außerhalb des Ursprungslands China nur eine Übertragung von Mensch zu Mensch in Vietnam nachgewiesen worden, sagte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Bisher handelte es sich bei fast allen der rund 50 erfassten Infektionen in Frankreich, den USA, Thailand und anderen asiatischen Ländern um importierte Fälle. Die Betroffenen hatten sich bei einer Reise nach China infiziert. Lediglich ganz vereinzelte Fälle von Ansteckungen zwischen engen Familienangehörigen wurden bekannt, aber keine Übertragungen etwa auf Klinikpersonal, Arbeitskollegen oder Zufallskontakte.

Ein Ministeriumssprecher betonte: „Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der „Task Force Infektiologie“ des LGL und vom RKI derzeit als gering erachtet.“ Menschen, die engen Kontakt mit dem Patienten hatten, würden ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege informiert.

In Europa waren zuvor drei Infektionen mit dem neuartigen Virus nachgewiesen worden. Alle drei betrafen Menschen in Frankreich, die zuvor in China gewesen waren.

Zahl der Infektionen mit Coronaviren auf über 4500 gestiegen

Allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei habe es nach Informationen vom Dienstag 24 weitere Todesopfer gegeben, so dass landesweit mindestens 106 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben seien.

Das neue Coronavirus 2019-nCoV
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Das neue Virus 2019-nCoV stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung gibt es nicht. Die Symptome - darunter trockener Husten, Fieber und Atemnot - können aber mit Medikamenten abgemildert werden.

Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, möglicherweise sogar ohne Symptome. Von den in China registrierten Todesfällen gehen die meisten nach bisherigen Erkenntnissen auf ältere und ohnehin schon stark geschwächte Patienten zurück.

China ergreift drastische Maßnahmen gegen Coronavirus

China hat im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung drastische Maßnahmen ergriffen: In Hubei wurden mehr als 45 Millionen Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Fern- und Nahverkehr wurden gestoppt.

Wegen der Lungenkrankheit wollen immer mehr Länder ihre Staatsangehörigen aus den besonders betroffenen Regionen zurückholen, so etwa Großbritannien und Belgien, Japan, Frankreich und die USA. Auch die Bundesregierung erwägt, ausreisewillige Deutsche aus China auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung werde in Betracht gezogen, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Montag, bevor der bestätigte Fall aus Bayern bekannt wurde.

Bislang hatte es in Deutschland lediglich Verdachtsfälle gegeben. Einige Bundesländer haben ergänzende Sicherheitsvorkehrungen getroffen, beispielsweise an Flughäfen. Pandemie- und Umgangspläne sorgten für Klarheit, was im Fall der Fälle an den Flughäfen und an den Kliniken zu tun sei, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Autozulieferer Webasto schließt wegen Coronavirus Standort

Wegen vier mit dem neuen Coronavirus infizierten Mitarbeitern schließt der Automobilzulieferer Webasto seinen Stammsitz im oberbayerischen Gauting bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Für China gelte sogar eine Sperre für zwei Wochen.

Webasto hatte schon nach Bekanntwerden des ersten Falls alle Dienstreisen nach und von China für mindestens zwei Wochen abgesagt und den Mitarbeitern am Standort Stockdorf freigestellt, diese Woche im Homeoffice zu arbeiten. Von diesem Mittwoch an soll ein Ärzte-Team des Gesundheitsamts systematisch alle Kontakte der betroffenen Personen testen.

In Stockdorf seien 1000, an den anderen sieben Standorten in Deutschland rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt. In Stockdorf „läuft das Tagesgeschäft - soweit unter den aktuellen Bedingungen möglich - wie gewohnt weiter“, sagte die Sprecherin: „Die meisten Kolleginnen und Kollegen können von zuhause arbeiten.“

Lufthansa und British Airways stoppen China-Flüge

Wegen der weiter global grassierenden Coronaviren hat die Lufthansa am Mittwoch alle Flüge von und nach China gestrichen. Die britische Fluggesellschaft war diesen Schritt bereits vorher gegangen. Wie das Unternehmen mitteilt, gelte dies ab sofort. British Airways folgt damit einer Reisewarnung die das Außenministerium in London herausgegeben hat. British Airways fliegt täglich von London-Heathrow nach Peking und Shanghai.

Messe: Besucher aus China hat abgesagt

Auch ein Aussteller aus der betroffenen Stadt Wuhan hatte sich zur Spielwarenmesse angesagt. Er hat aber zwischenzeitlich seinen Besuch abgesagt. Insgesamt rechnet der Messechef mit weniger Besuchern aus China. Auch Virologin Prof. Dr. Ulrike Protzer vom Helmholtz-Zentrum an der TU München äußerte sich dem Bayrischen Rundfunk: Natürlich bestehe auch auf der Spielwarenmesse in Nürnberg die Möglichkeit, Infizierten zu begegnen.