Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 vermeldet das Tübinger Biotechnologieunternehmen Curevac einen ersten Erfolg: In präklinischen Studien – das bedeutet an Tieren – habe ein Impfstoffkandidat vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Es habe eine ausgewogene Immunantwort gegeben, das Virus scheint also erfolgreich bekämpft zu werden. Zudem sei nur eine geringe Dosis des Impfstoffes notwendig gewesen, meldet das Unternehmen. Man habe bereits damit begonnen, große Wirkstoffmengen des Impfstoffkandidaten herzustellen.

Curevac hat mit der gleichen Technik bereits Grippe-Impfstoffe hergestellt

Optimistisch ist man von Seiten Curevacs auch daher, weil mit der gleichen Technologie bereits Erfolge mit einem Tollwut- und einem Grippe-Impfstoff gehabt hat - der Impfstoffkandidat basiert auf m-RNA. Das bedeutet, es werden nur Teile des Virus-Erbguts als Impfstoff verwendet, nicht das ganze, abgeschwächte Virus. Das menschliche Immunsystem reagiert dann auf diese Erbgut-Stücke und bildet Antikörper. Die Vorteile: Der Impfstoff ist vollkommen sicher und schneller herzustellen.
Selbst wenn CureV so erfolgreich ist, wie die Mitteilung des Unternehmens hoffen lässt – bis tatsächlich ein Impfstoff auf dem Markt ist, wird wohl dennoch noch einige Monate dauern.
Denn getestet wurde der Kandidat bislang nur im Tierversuch. Folgen müssen nun die klinischen Studien an gesunden, freiwilligen Probanden. Diese Studien erfolgen in mehreren Schritten, zunächst an nur wenigen Menschen, dann an einer größeren Gruppe und schließlich einer mit mehreren tausend Probanden – von Experten wird dieser Prozess als der zeitaufwendigste beschrieben.

Rennen um den Impfstoff: Ein anderes deutsches Unternehmen liegt vorn

Curevac gehört zu den knapp 100 Unternehmen, die bei der Weltgesundheitsorganisation Impfstoff-Projekte gegen das neue Coronavirus angemeldet haben. Derzeit hat in Deutschland ein Konkurrent die Nase vorn: Das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech bekam vor wenigen Tagen vom Paul-Ehrlich-Institut grünes Licht für eine Studie zu seinem Impfstoff BNT162. Gemeinsam mit dem US-Pharmariesen Pfizer soll es an 200 gesunden Freiwilligen getestet werden.

Frankreich sauer auf Pharmafirma Sanofi

Im Wettlauf um einen Impfstoff wird der Ton auch im Ausland aggressiver. Frankreich reagierte am Donnerstag empört auf Ankündigungen des Pharmariesen Sanofi, zunächst den US-Markt mit einem möglichen Impfstoff zu beliefern, weil die US-Regierung ein Forschungsprojekt finanziell unterstütze. Die EU forderte, der Zugang zu einem Impfstoff gegen Covid-19 müsse gerecht und universell sein.
Ein möglicher Impfstoff gegen Covid-19 dürfe nicht den "Gesetzen des Marktes" unterworfen werden, sondern müsse ein "weltweites öffentliches Gut sein", erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Nach Angaben seines Büros wird Macron Anfang nächster Woche mit führenden Sanofi-Vertretern sprechen. Es sei "wichtig, gemeinsam mit Sanofi voranzukommen".
Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson hatte zuvor gesagt, Sanofi werde "als erstes" die USA beliefern, da diese bei der Forschung "das Risiko teilen". Die US-Regierung habe "das Recht auf die größten Vorbestellungen", weil diese "investiert haben, um ihre Bevölkerung zu schützen", sagte der Brite Hudson der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Dieser Vorsprung könne mehrere Tage oder Wochen betragen.