Corona Quarantäne-Pflicht: Lauterbach rudert bei freiwilliger Isolation zurück

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will die zum 1. Mai geplante freiwillige Isolation von Corona-Infizierten nun doch zurücknehmen.
Sebastian Gollnow/dpaWer sich mit Corona infiziert, hätte künftig nicht mehr in Quarantäne gemusst. Das hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach dieser Tage (SPD) bekanntgegeben. Die Isolation bei einer Infektion wäre demnach ab 1. Mai 2022 nur noch freiwillig gewesen. Nun rudert der Gesundheitsminister zurück. Er hat sich nach scharfer Kritik doch gegen eine Freiwilligkeit bei der Isolation von Corona-Infizierten ausgesprochen.
- Gibt es nun doch keinen Wegfall der Quarantänepflicht?
- Ab wann ist die Quarantäne bei einer Corona-Infektion freiwillig in Deutschland?
- Wie lange muss man in Quarantäne?
Keine Quarantäne mehr ab 1. Mai 2022? Lauterbach doch gegen Freiwilligkeit
Corona-Infizierte müssen sich nun doch weiterhin in Isolation begeben. Es wird weiterhin eine Isolationspflicht für mindestens fünf Tage geben. Damit ruderte der Gesundheitsminister zurück, nachdem er am Montag ein Ende der Quarantänepflicht ab 1. Mai verkündet hatte. Die Gesundheitsämter werden die Quarantäne aber nicht mehr kontrollieren, so Lauterbach.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich zu seiner persönlichen Mitverantwortung für das Hin und Her bei der Neuregelung der Corona-Isolation bekannt. „Das war ein Fehler, für den ich auch persönlich verantwortlich bin„, sagte Lauterbach am Mittwoch in Berlin. Von dem zunächst geplanten Verzicht auf die Isolation von Corona-Infizierten sei „das falsche Signal“ ausgegangen - nämlich, dass eine Isolation Infizierter nicht mehr nötig sei. „Das wäre völlig falsch und würde die Pandemie verharmlosen“, sagte Lauterbach.
Karl Lauterbach: Weiter Pflicht zur Quarantäne bei Corona-Infektion
Lauterbach erklärte weiter: „Corona ist keine Erkältung. Daher muss es weiter eine Isolation nach Infektion geben. Angeordnet und kontrolliert durch die Gesundheitsämter.“ Für Mittwoch kündigte er weitere Informationen an. Er betonte: „Der Fehler lag bei mir und hat nichts mit der FDP oder Lockerung zu tun. Es ging um Entlastung der Gesundheitsämter“.
Zuvor hatte Lauterbach in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ die Kehrtwende angekündigt. Die Regelung werde er „wieder einkassieren“, sagte er. Zwar hätten die Gesundheitsämter die Freiwilligkeit gefordert - Lauterbach sehe nun jedoch ein, dass es ein „verheerendes Signal“ wäre, wenn ein Infizierter „selbst entscheidet, ob er zuhause bleibt oder nicth“.
Quarantäne wohl doch nicht abgeschafft: Diese Regeln gelten ab 1. Mai 2022
Die Gesundheitsämter sollen dem Gesundheitsminister zufolge auch nach dem 1. Mai 2022 weiter Isolationsbescheide ausstellen - obwohl „das nicht kontrolliert werden kann“ und die Gesundheitsämter ohne den bürokratischen Aufwand „mehr Zeit hätten, was anderes zu machen“, wie Lauterbach betonte.
Bei den Menschen sei jedoch angekommen, er halte Corona jetzt für „harmlos“. Dies „schadet mehr“, als an den in der Praxis obsoleten Isolationsbescheiden festzuhalten, erklärte der Minister. Bei der Quarantäne von Kontaktpersonen solle die Freiwilligkeit hingegen erhalten bleiben. Bleiben soll laut Lauterbach außerdem eine verkürzte Isolation von fünf Tagen.
Kritik an Wegfall von Quarantäne nach Corona-Infektion
Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag darauf geeinigt, dass sich Corona-Infizierte ab dem 1. Mai nicht mehr verpflichtend in Isolation begeben. Die neuen Quarantäne- und Isolationsregeln sollen dann auf „Freiwilligkeit“ beruhen. An der Neuregelung hatte es scharfe Kritik von der Opposition und Sozialverbänden gegeben.
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sieht dadurch eine große Gefahr für besonders gefährdete Menschen. „Für die Hochrisikogruppe wird es immer gefährlicher. Diese Menschen leben mitten unter uns“, sagte Brysch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). „Gleich den Corona-Leugnern wird die Infektion verharmlost“, kritisierte der Patientenschützer.Der Epidemiologe Hajo Zeeb forderte eine Beibehaltung der Pflicht zur Isolation von Infizierten. „Wenn eine Person Symptome aufweist, dann sollte sie zu Hause die Corona-Infektion aussitzen, anstatt noch mehr Menschen anzustecken“, sagte Zeeb dem RND. Gerade bei der Omikron-Variante bestehe die Gefahr einer sehr schnellen Weitergabe des Virus. Eine Isolationspflicht von fünf Tagen sollte daher unbedingt eingehalten werden. Dagegen hält Zeeb eine Quarantäne für Kontaktpersonen nicht mehr für notwendig.
