Beinahe überall auf Welt sind deutsche Urlauber in Folge der Corona-Epidemie gestrandet. Die Bundesregierung startet jetzt eine Rückholaktion und warnt auch vor Reisen im Inland.

Kann ich eigentlich noch irgendwohin Urlaubsreisen machen?

Nein. Im Handlungskatalog der Bundesregierung steht klipp und klar, dass es Urlaubsreisen ins In- und Ausland bis auf Weiteres nicht mehr gibt. Auch Busreisen werden eingestellt. Übernachtungsangebote im Inland dürfen nur noch zu „notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken“ genutzt werden. Die Bundesregierung hat eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Ein solcher Schritt erfolgt nur bei einer Gefahr für Leib und Leben.

Um zu verhindern, dass weitere Touristen im Ausland stranden, „haben wir uns entschlossen, ab jetzt vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland zu warnen“, erklärte Außenminister Heiko Maas am Dienstag. „Bitte bleiben Sie zu Hause. Das hilft Ihnen und anderen. Diese Reisewarnung für touristische Reisen gilt weltweit.“

Können alle Reisenden, die derzeit im Ausland sind, nach Deutschland zurück?

Ja. Zumindest, wenn sie deutsche Staatsbürger sind beziehungsweise in Deutschland ihren Wohnsitz haben. Allerdings sitzen Tausende deutsche Reisende in verschiedenen Ländern derzeit fest, allein in Marokko sind es bis zu 5000. Viele müssen bereits an ihren Urlaubsorten die Hotels verlassen und kommen wegen zahlreicher gestrichener Flüge und Reisebeschränkungen nicht zurück aus diesen Ländern.

Wie hilft die Bundesregierung gestrandeten Urlaubern?

Außenminister Maas kündigte am Dienstag eine Rückholaktion für deutsche Pauschalurlauber an. 50 Millionen Euro stellt die Bundesregierung dafür zur Verfügung. Zusammen mit privaten Fluggesellschaften, vor allem der Lufthansa, werden zunächst Reisende aus besonders betroffenen Gebieten heimgeholt, an erster Stelle Marokko, die Dominikanische Republik, die Philippinen, Ägypten und die Malediven.

Kommt man aus dem Ausland anders nicht mehr zurück?

Kaum. Der internationale Flugverkehr bricht gerade zusammen. Viele Länder haben Flughäfen geschlossen, Landerechte ausgesetzt und Reisebeschränkungen verhängt. Zahlreiche Airlines haben Flüge gestrichen oder den Flugverkehr nach Deutschland eingestellt. Für viele Touristen sind die von Deutschland gecharterten Flüge die letzte Chance, auf absehbare Zeit nach Hause zu kommen.

Wie viele Touristen sind betroffen?

Nach Schätzungen des Auswärtigen Amtes befinden sich weit mehr als 100.000 deutsche Touristen in aller Welt. Die meisten halten sich gegenwärtig in Ägypten (30.000), der Dominikanischen Republik (10.000), Marokko (bis zu 6000), Malta (5000), Argentinien (1000), Philippinen (1000). Die meisten davon sind Pauschalurlauber.

Wer darf mit den gecharterten Maschinen zurück nach Deutschland fliegen?

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Touristen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Aber auch deren Angehörige, die einen dauerhaften Wohnsitz in Deutschland haben, werden mit zurückgeholt.

Auch Studenten, Schüler und Au-Pairs können die Flüge nutzen

Deutsche Studenten, Schüler im Auslandsjahr, Work-and-Travel-Reisende oder Au-Pairs können sich ebenfalls kurzfristig entscheiden, die Rückreisemöglichkeit mit den gecharterten Maschinen wahrzunehmen. Es könne sein, dass es auf absehbare Zeit keine andere Möglichkeit geben wird, per Flugzeug wieder nach Deutschland zu kommen, warnt das Auswärtige Amt. Es werde daher unbürokratisch entschieden.

Wie lange gilt das Angebot der Bundesregierung?

Bis Ende kommender Woche soll der Großteil der Rückholung abgeschlossen sein. Wer also mitfliegen will, sollte sich schnell melden.

Was passiert mit Touristen, die im Landesinneren oder in Inselrepubliken unterwegs sind und nicht so schnell nicht in die Nähe eines der Rücktransport-Flughäfen kommen? Auch ihnen wird die deutsche Botschaft des jeweiligen Landes helfen, eine individuelle Lösung zu finden. Es kann wegen der internationalen Reisebeschränkungen allerdings passieren, dass dies nicht innerhalb der nächsten Wochen möglich sein wird.

Wohin können sich deutsche Touristen im Ausland wenden, um ihre Rückkehr zu klären? Reisenden im Ausland rät Außenminister Maas, sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes zu informieren www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/covid-19/2296762 und Kontakt zu ihrem Reiseveranstalter aufzunehmen. Individualreisende sollten ihre Fluggesellschaft kontaktieren. Allen Deutschen im Ausland wird dringend empfohlen, sich in die sogenannte Krisenvorsorgeliste (www.diplo.de/elefand) des Auswärtigen Amtes einzutragen. Mit den dort hinterlegten Daten können die Betroffenen direkt von der jeweiligen Botschaft kontaktiert werden, etwa um Rückflugtermine bekannt zu geben. Die deutschen Botschaften und Konsulate täten „bereits jetzt ihr Möglichstes, um individuell und schnell zu helfen“ und stünden für Anfragen zur Verfügung, so Maas.

Was kostet die Rückholung? Gratis ist der Aufwand nicht. Auch die Touristen, die nach Hause geholt werden, sollen an den Kosten beteiligt werden. Nach einer ersten Schätzung des Auswärtigen Amtes wird sich die Eigenbeteiligung am Preis eines Tickets für die Economy Class orientieren oder etwas darunter liegen.

Welche Reisebeschränkungen gibt es innerhalb Deutschlands?

Das Reiseverbot gilt auch für das Inland.  In den vergangenen Tagen haben die norddeutschen Küstenländer die Nord- und Ostseeinseln für den Tourismus gesperrt. Urlauber, die schon ihre Quartiere bezogen hatten, mussten abreisen. Jetzt gilt der Tourismusstopp überall.

Und wenn ich schon gebucht habe?

Dann empfiehlt es sich unbedingt, Kontakt zum Reiseveranstalter oder zur Fluggesellschaft aufzunehmen. Die TUI etwa lässt wissen: „Nachdem das Auswärtige Amt jetzt von allen nicht notwendigen Auslandsreisen abrät, hat TUI Deutschland entschieden, ihr weltweites Reiseprogramm bis einschließlich 27. März 2020 auszusetzen. Wir werden daher bis einschließlich 27. März alle Reisen absagen und informieren Sie schnellstmöglich darüber.“  Für bestimmte Länder hatte das Unternehmen Reisen ohnehin schon bis in den April hinein abgesagt.

Voraussetzungen für eine kostenfreie Stornierung aller Pauschalreisen bis 14. Juni

Wie die Verbraucherzentrale mitteilt, können wegen der weltweiten Reisewarnung wegen des Coronavirus Pauschalreisen die bis zum 14. Juni ins Ausland geplant wurden, können kostenlos storniert werden. Außenminister Heiko Maas hat bewusst klar gestellt, dass die weltweite Reisewarnung Sicherheit für eine Stornierung gibt.

Was wird aus Reisen im Sommerurlaub?

Die Wahrheit ist, dass das niemand voraussagen kann. Experten empfehlen, bei Buchungen die Stornierungsbedingungen unbedingt zu beachten beziehungsweise solche Bedingungen klar auszuhandeln. Letztlich hängt alles davon ab, wie schnell die Corona-Eindämmung gelingt.

Fernbusunternehmen stellen Betrieb ein


Die von der Bundesregierung angeordneten Reisebeschränkungen schlagen auch auf die Fernbusanbieter durch. Flixbus kündigte am Dienstag an, alle nationalen wie internationalen Verbindungen von und nach Deutschland mit Wirkung 24 Uhr einzustellen. Die Ticketpreise würden ohne Stornierungsgebühren erstattet. Konkurrent Blablabus wollte den Betrieb am heutigen MIttwoch um 7 Uhr einstellen; „bis auf weiteres“, wie das Unternehmen mitteilte.   dpa