Die Corona-Krise hat skandalöse Zustände in der Fleischindustrie offenbart, vor allem seit dem Ausbruch des Coronavirus in den Fleischfabriken Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Dort haben sich in den vergangenen Tagen hunderte Mitarbeiter infiziert. Rund 1500 von etwa 6650 Mitarbeitern wurden mittlerweile positiv auf das Coronavirus getestet, die Grenzwerte für Neuinfektionen im Kreis Gütersloh und dem benachbarten Kreis Warendorf wurden überschritten, im Kreis Gütersloh steht sogar der Lockdown an.

Fragen und Antworten zu Tonnies-Fleisch in Supermärkten

Der massenhafte Corona-Ausbruch bei Tönnies verunsichert viele Verbraucher, da die Fleischfabriken von Tönnies Supermärkte in ganz Deutschland beliefern - auch Discounter im Südwesten. Viele fragen sich, ob von Tönnies-Fleisch die Gefahr einer Corona-Infektion ausgeht, und wie man die Produkte des Unternehmens erkennt.

Kann man sich durch Tönnies-Fleisch mit dem Coronavirus infizieren?

Wegen der Verbreitung des Virus unter Mitarbeitern in der Tönnies-Fleischfabrik ist davon auszugehen, dass das von ihnen bearbeitete Fleisch durch das Virus kontaminiert sein könnte. Doch die Gefahr einer Übertragung des im Supermarkt gekauften Fleischs auf Kunden ist unwahrscheinlich, sagt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Es gebe bisher keine nachgewiesenen Fälle, dass sich Menschen durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen mit dem Coronavirus infiziert hätten, erklärt Bernhard Burdick, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale NRW. Zwar seien Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren verunreinigt worden waren, durch so genannte Schmierinfektionen möglich. Da die Viren in der Umwelt aber nur eine geringe Stabilität hätten, sei eine Infektion nur für einen relativ kurzen Zeitraum wahrscheinlich.
Das Fazit der Verbraucherschützer: „Nach derzeitigem Wissensstand ist es daher unwahrscheinlich, dass Lebensmittel Quelle einer Infektion mit dem Virus sein könnten.“

Woran erkenne ich die Herkunft von Fleisch?

Wer beim Kauf im Supermarkt oder Discounter wissen möchte, aus welchem Schlachthof das entsprechende Fleisch stammt, kann versuchen, dies anhand des ovalen Identitätskennzeichens auf der Verpackung herauszufinden. Diese Zeichen gibt an, in welchem EU-Staat und gegebenenfalls Bundesland das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt wurde.
Zum Beispiel steht
  • DE für Deutschland
  • NW für Nordrhein-Westfalen
  • BW für Baden-Württemberg.
Mit Hilfe der fünfstelligen Zulassungsnummer lässt sich der Betrieb über eine Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ermitteln. Diese Datenbank dient eigentlich dazu, Waren zurückverfolgen zu können, aber sie ist für jeden nutzbar.
Die Nummern für den Fleischriesen Tönnies, das auch unter Tillman’s firmiert, lauten demnach:
  • DE NW 20202 EG
  • DE NW 20045 EG
  • DE NW 20028 EG
Ganz zuverlässig ist diese Suche aber nicht, da die Nummern nur den letzten Verarbeiter nennen. Ein unternehmen wie Tönnies hat eine große Bandbreite von Waren.

Kann Fleisch von Tönnies auch beim Metzger verkauft werden?

Der Ausbruch bei Tönnies oder Hygiene-Skandale wie beim Wursthersteller Wilke in Hessen 2019 lösen immer wieder Diskussionen über Billigfleisch aus. Viele raten deshalb, auch zum Wohle der Tiere und der Qualität wegen, lieber etwas mehr auszugeben und beim Metzger des Vertrauens zu kaufen. Doch kann es passieren, das man auch in der Metzgerei Fleisch aus Fabriken wie Tönnies angeboten bekommt?
Im Grunde ja. Sabine Holzäpfel, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart erklärt dazu: „Der Metzger muss die genaue Herkunft seiner Waren nicht nennen. Viele Metzger schlachten nicht mehr selbst, sondern kaufen die Rohstoffe oder auch fertige Wurstwaren zu. Hier hilft nur direktes Nachfragen an der Theke.“
Viele Metzger weisen aber mittlerweile, zum Beispiel mit Schildern, ausdrücklich darauf hin, dass sie entweder selber schlachten, oder von welchem regionalen Hof ihre Tiere kommen.

Muss ich beim Fleisch besonders auf Hygieneregeln beachten?

Ja. Die Verbraucherzentrale NRW rät trotz der Entwarnung bei der Frage nach einer möglichen Corona-Infektion durch Lebensmittel dazu, die allgemeinen Hygiene-Regeln im Umgang mit Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen zu beachten. Unter anderem sind das:
  • Gründlichem Händewaschen
  • Hygiene in der Küche
  • Richtige Lagerung, also nicht wärmer als 4 Grad Celsius
  • Richtige Zubereitung: Ein Erhitzen der Lebensmittel verringert das Infektionsrisiko zusätzlich, da die Coronaviren hitzeempfindlich sind.
Diese Regeln gelten - unabhängig von Corona - vor allem für Geflügel und anderes Fleisch, um Kreuzkontaminationen, also die Übertragung von einem Lebensmittel auf ein anderes, etwa über Schneidebretter oder Messer, zu vermeiden.