Schwedens Chef-Virologe hat Verbesserungspotenzial beim vergleichsweise lockeren Corona-Kurs der Regierung eingeräumt. "Würden wir auf die gleiche Krankheit treffen, mit dem heutigen Kenntnisstand, denke ich, wir würden irgendwo in der Mitte landen zwischen dem, was Schweden getan hat und was der Rest der Welt gemacht hat", sagte Anders Tegnell am Mittwoch im Sender Sveriges Radio. Er habe jedoch nach wie vor Vertrauen in die Strategie der Regierung. Er sei immer noch nicht sicher, welche zusätzlichen Maßnahmen einen Unterschied gemacht hätten, sagte Tegnell in dem Interview. "Es wäre gut, genauer zu wissen, was man schließen sollte, um die Infektionsausbreitung besser zu verhindern." Später verteidigte Tegnell die Strategie der Regierung auch noch vor Journalisten. Seine Äußerungen in dem Radiointerview sollten nicht als Zweifel am Regierungskurs verstanden werden. "Wir sind immer noch der Meinung, dass die Strategie vernünftig ist. Aber Raum für Verbesserungen gibt es immer, insbesondere im Nachhinein", sagte Tegnell.

Schwedischer Sonderweg steht in Kritik

Der schwedischen Nachrichtenagentur TT sagte er: "Nichts deutet darauf hin, dass wir ein völlig anderes Ergebnis erzielt hätten, wenn wir drastischere Maßnahmen ergriffen hätten." Großbritannien habe strenge Auflagen verhängt und damit "kein gutes Ergebnis" erreicht. Schweden war in der Pandemie einen Sonderweg ohne Ausgangsbeschränkungen gegangen. Die Schulen für Kinder unter 16 Jahren blieben offen ebenso wie Cafés, Bars, Restaurants und Geschäfte. Die Menschen waren lediglich aufgefordert, in Eigenverantwortung die Abstandsregelungen zu respektieren. Der schwedische Sonderweg steht jedoch in der Kritik.

Kreis Göppingen

Das nordeuropäische Land verzeichnet mittlerweile eine wesentlich höhere Sterberate als seine skandinavischen Nachbarländer. Der Regierung wurde vorgeworfen, durch den Verzicht auf konsequente Maßnahmen mit dem Leben ihrer Bürger zu spielen. In Schweden haben sich bisher nach offiziellen Angaben 40.803 Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert, 4542 Menschen starben an den Folgen der Infektion.