• Der Lockdown wird über den 31. Januar hinaus verlängert - bis zum 14. Februar.
  • Sorge bereitet Politikern und Wissenschaftlern die Mutationen des Corona-Virus.
Es entstehen immer mehr Mutationen des Coronavirus, die teils auch schon in Deutschland auftauchen. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden weltweit mehr als 12.000 kleine Veränderungen in den Sequenzen des Virus festgestellt. Einige davon sind größere Veränderungen und gefährlich - weil hochansteckend. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte nach dem Corona-Gipfel am Dienstagabend mit Blick auf die verlängerte Schließung von Schulen, es gebe ernsthafte Hinweise, dass die mutierte Form des Virus, die aus Großbritannien stammt und auch schon in Deutschland nachgewiesen wurde, sich stärker bei Kindern und Jugendlichen verbreite. "Und das müssen wir auch ernst nehmen."
Welche Mutationen fallen zurzeit besonders auf? Ein Überblick:

Mutationen aus England, Südafrika und Brasilien schon in Deutschland

  • In Großbritannien hat sich eine um 50 bis 70 Prozent stärker ansteckendere Mutation des Coronavirus stark verbreitet, inzwischen wurde „B.1.1.7“ auch in Deutschland nachgewiesen. Sie soll sechs bis acht mal mehr Fälle pro Monat verursachen als andere Virusvarianten.
Auch in Südafrika ist mit „B.1.351/501Y“ eine vergleichbar gefährliche Variante aufgetaucht, die ebenfalls hochansteckend ist, und die ebenfalls bereits nach Deutschland eingeschleppt wurde. Diese Mutationen haben sich mittlerweile in mindestens rund 50 Staaten weltweit verbreitet.
  • Zudem gab Japan am Sonntag die Entdeckung einer weiteren Mutation bekannt, die aus dem Amazonasgebiet in Brasilien stammen soll. Diese Variante wird derzeit untersucht.

Karl Lauterbach: Britische Mutation ist wie eine neue Corona-Pandemie

Die Furcht vor Mutationen ist groß, besonders vor der Variante aus Großbritannien. Ihr Wachstum müsse unbedingt verhindert werden, schrieb SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter. Ansonsten verbreite sich die Mutation „schneller, als wir impfen können“. Die Mutation ersetze auch nicht das bestehende Virus, sondern es komme hinzu. Dies passe in das Bild einer „quasi zusätzlichen Covid-Pandemie“. Die Mutation B.1.1.7 mache hierzulande zwar noch wohl weniger als ein Prozent der Fälle aus, sagt der Gesundheitspolitiker. Sie wachse aber so schnell, dass sie fast wie ein nächstes SarsCov-Virus sei und eine „Pandemie in der Pandemie“ drohe.

Virologin warnt: Corona-Pandemie 2021 wird schlimmer als 2020

Auch die Braunschweiger Professorin und Virologin Melanie Brinkmann warnte in „Bild“ eindringlich vor der schnellen Ausbreitung der Mutation: „Die neue Variante ist im Land und es ist ein Naturgesetz, dass sie sich durchsetzt.“ Sie sprach dem Portal zufolge sogar vom „kritischsten Moment in der Pandemie“. Und sie warnt - ähnlich wie Karl Lauterbach, davor, dass die Lage durch Mutationen eskalieren könnte: Je eher man handle, desto weniger Schaden werde entstehen: Wenn man jetzt nicht handle, bestehe die Gefahr, „dass 2021 schlimmer wird als 2020“.
Die Entwicklung geht weiter. Jetzt soll erneut eine Mutation in Deutschland aufgetaucht sein, diesmal in Bayern. Worum handelt es sich?

Video Lockdown verlängert und verschärft: Das sind die Beschlüsse

Schützen Impfstoffe gegen Mutationen des Coronavirus?

Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) in München hat nach eigenen Angaben bereits am 22. Dezember 2020 bei einem Reiserückkehrer aus Großbritannien durch die Sequenzierung des Genoms die neue SARS-CoV-2 Variante B.1.1.7 nachgewiesen. Aktuell untersucht das IMB mögliche Auswirkungen der Mutationen auf die Wirksamkeit der Impfung. „Derzeit werden die mutierten Viren weltweit in Laboren untersucht. Dabei wird auch Blutserum von Menschen eingesetzt, die geimpft wurden oder die Covid-19 bereits überwunden haben“, erklärt Privatdozent und Oberstabsarzt Dr. Roman Wölfel, Leiter des Instituts in München. Man beobachte dabei, ob die Antikörper im Blut dieser geheilten Menschen auch die mutierten Viren neutralisieren können. Nach ersten Ergebnissen scheinen die Antikörper trotz gewisser Unterschiede in der Abwehrreaktion auch vor den mutierten Varianten zu schützen, heißt es.

Neue Corona-Mutation an Klinikum in Garmisch in Bayern

Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen wurde eine weitere neue Variante des Coronavirus entdeckt. Derzeit würden Proben der Mutation an der Berliner Charité untersucht, teilte das Klinikum am Montag mit. Bei einem Ausbruch in dem Krankenhaus habe der Verdacht bestanden, dass bei den Infektionen eine veränderte Variante eine Rolle spielen könnte. „Dies hat sich in einer ersten Zwischenmeldung der Charité bestätigt.“ In dem Klinikum
  • waren 53 Patienten und
  • 24 Mitarbeiter
positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Bei 35 der Infizierten wurde die Virus-Variante festgestellt. Das Klinikum reagierte unter anderem mit Reihentests, um den Ausbruch in den Griff zu bekommen.

Neue Variante? Gefährlichkeit der Coronavirus-Mutation wird untersucht

Noch ist aber unklar, ob die Veränderung wirklich neu ist und ob sie Auswirkungen auf die Ansteckungsrate oder die Schwere der Erkrankung hat. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden weltweit etliche Veränderungen in den Erbgut-Sequenzen des Virus erfasst.
Bei dem am Klinikum Garmisch-Partenkirchen nachgewiesenen Erreger handele es sich nicht um eine der gefürchteten Varianten aus Großbritannien und Südafrika, erläuterte Clemens Stockklausner, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin an dem Klinikum. An der Position 501 gebe es keine Mutation - diese wäre typisch für die britische und die südafrikanische Mutation. Es fehle aber ein Stück im Spikeprotein an den Stellen 69 und 70. Dies sei bei der britischen Variante der Fall, komme aber auch bei mehreren anderen Varianten vor und sei auch in Deutschland schon mehrfach nachgewiesen.
„Nun kommt es darauf an, welche weiteren Veränderungen sich in dem Erbgut des Virus finden lassen, um eine fundierte Einordnung treffen zu können“, sagte Stockklausner. Das ganze Genom zu sequenzieren dauere rund zehn Tage. „Wir erwarten bis Ende Januar eine Rückmeldung mit weiteren und aussagekräftigen Details.“