• Der Impfstart in Arztpraxen verspätet sich
  • KBV-Chef Andreas Gassen rechnet mit einem Start im Mai
  • Ursprünglich war Mitte April vorgesehen
Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, erwartet den Impfstart in Arztpraxen frühestens im Mai - und nicht wie von der Bundesregierung geplant spätestens ab dem 19. April.

Gassen: Es bleibt beim bisherigen Impftempo

Bei der Gesundheitsministerkonferenz am Mittwoch sei entschieden worden, dass der Impfstoff zunächst weiter an die Impfzentren gehe, „sodass ich die Haus- und Fachärzte im April eher nicht im Impfgeschehen sehe, weil sie schlicht und ergreifend nicht genug Impfstoff bekommen werden“, sagte Gassen am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Er gehe davon aus, dass „wir auf diese Ressourcen wohl dann erst im Mai zurückgreifen können und es bei dem bisherigen Impftempo bleiben dürfte“.

Fünf Millionen Impfungen pro Woche geplant

Gassen zufolge habe die KBV angesichts des schleppenden Impfstarts damit gerechnet, dass die Ärzte schon „sehr viel früher“ in die Impfstrategie eingebunden würden. Fünf Millionen Impfungen könnten in den Praxen „ohne größere Anstrengungen“ pro Woche geleistet werden. Die Arztpraxen könnten „das Impfen in hoher Frequenz und in großer Menge leisten - wenn sie den Impfstoff bekommen“, so Gassen.

Eigentlich war der Start für April vorgesehen

Der Impfstart in den Hausarztpraxen war am Montag zunächst noch für Anfang April vorgesehen gewesen. Nach dreistündigen Beratungen einigten sich die Gesundheitsminister am Mittwoch auf die 16. Kalenderwoche oder früher - „sollten es die noch zu konkretisierenden Liefermengen der Hersteller für April zulassen“. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte mitgeteilt, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder zeitnah über die Empfehlungen der Gesundheitsministerkonferenz entscheiden wollen.

Hausärzteverband kritisiert Impfstrategie

Der Deutsche Hausärzteverband macht Druck, das Impfen in den Praxen deutlich zu beschleunigen. Jeder Tag zähle, auch weil im Sommer die Impfbereitschaft abflauen könne, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt. „Warum bis zum April warten? Wir stehen bereit“, sagte der Repräsentant von mehr als 30.000 Hausärztinnen und -ärzten.
Dass Bund und Länder die Hausärzte bei ihrer Impfstrategie gegen Corona über Monate nicht auf dem Schirm gehabt hätten, bezeichnete Weigeldt als „ein Versäumnis allererster Ordnung“. Jetzt steuere die Politik zwar um, aber noch längst nicht schnell genug, rügte er: „Wir müssen endlich Fahrt aufnehmen beim Impfen, anstatt immer neue bürokratische Hürden aufzubauen.“