Deutsche Urlauber können ab Mitte Juni mit deutlich weniger Grenzkontrollen in Europa rechnen. Ein Großteil der EU-Staaten wolle dann seine in der Corona-Krise eingeführten Einschränkungen an den europäischen Binnengrenzen am 15. Juni aufheben, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Freitag nach Beratungen mit seinen EU-Kollegen. Er selbst werde dem Bundeskabinett nächsten Mittwoch einen entsprechenden Vorschlag vorlegen. „Damit erfolgt auch die Beendigung der Quarantäne, so dass man beim Wechsel zwischen den Ländern in Europa nicht mehr in Quarantäne muss.“ Einreisen von außerhalb der EU dürften ab Juli schrittweise wieder möglich werden.
Die Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie hatten dafür gesorgt, dass der internationale Reiseverkehr fast zum Erliegen gekommen war – auch innerhalb der EU. Jetzt wagt Österreich wieder einen Schritt zur Reisefreiheit. Nachdem die Regierung am Mittwochabend mitteilte, die Grenzen zu fast allen Nachbarländern wieder zu öffnen, wurde der Beschluss noch in der Nacht zum Donnerstag umgesetzt. Auch die Grenzen zu Deutschland und der Schweiz sind wieder passierbar. In der Folge hat der Grenzverkehr schnell deutlich zugenommen.
Auf deutscher Seite gab es jedoch weiter Grenzkontrollen. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete, kam es deswegen an der Grenze zwischen Salzburg und Freilassing zu einem regen Verkehrsaufkommen. Mitunter seien Fahrer zurückgewiesen worden, die nicht die notwendige Bescheinigung für den Grenzübertritt, etwa aus beruflichen Gründen, dabei hatten.

Deutsches Innenministerium will die Grenzen weiterhin bis zum 15. Juni kontrollieren

Das deutsche Innenministerium lässt sich von der Grenzöffnung nicht beeindrucken, berichtet die Lindauer Zeitung. „Bisher sind die vorläufigen Kontrollen der Binnengrenzen verlängert bis 15. Juni“, bekräftigte Sprecher Björn Grünewälder. In der kommenden Woche werde darüber entschieden, ob die Kontrollen dann aufgehoben werden könnten.
Die Grenze zu Italien hält Österreich jedoch weiter geschlossen. Die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Für eine Öffnung der Grenze zu Italien ist es noch zu früh, das geben die Gesundheitsdaten noch nicht her."
Zugleich räumte die Ministerin ein, dass sich auch die Lage in Italien bereits deutlich verbessert habe und einzelne Regionen wie Südtirol bereits "gute Covid-19-Zahlen vorweisen" könnten. "Unser Ziel ist klar: Eine Öffnung zu Italien, sobald die Zahlen es zulassen", versicherte Köstinger.

Tschechien will Grenze zu Deutschland am 6. Juni öffnen

Auch Tschechien öffnet seine Grenze für Bürger aus Deutschland, Österreich und Ungarn früher als geplant – voraussichtlich bereits ab Samstag, 6. Juni. Das sagte Ministerpräsident Andrej Babis am Donnerstag der Nachrichtenagentur CTK. Er habe das Kabinett für Freitagmorgen zu einer Sondersitzung in Prag einberufen, um darüber formal zu entscheiden.
Ursprünglich sollte die Lockerung erst am 15. Juni in Kraft treten. Für Bürger der genannten Staaten sind dann weder ein negativer Corona-Test noch eine 14-tägige Quarantäne vorgeschrieben. Das Kabinett Babis hatte Mitte März einen weitgehenden Einreisestopp für Ausländer verhängt. Nun wird ein neues Ampel-Modell eingeführt, das Länder nach epidemiologischen Kriterien einteilt.

Darum ist die Grenzöffnung für Deutsche und Tschechen so wichtig

Deutsche stellten im vorigen Jahr mit mehr als zwei Millionen Übernachtungsgästen die größte Gruppe unter den ausländischen Touristen in Tschechien. In den Grenzregionen profitieren zudem viele Händler von Einkaufstouristen, die günstig Zigaretten und Spirituosen einkaufen.
Bei der Lockerungspolitik hat Tschechien eine erstaunliche Kehrtwende hingelegt. Noch Ende April hatte Präsident Milos Zeman gefordert, die Grenzen für ein Jahr geschlossen zu halten. Bis Donnerstag waren in dem EU-Mitgliedstaat 9441 bestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet. 324 Menschen starben.

Rückkehr zum Schengenraum

Sie glaube an eine vollständige Rückkehr zum Schengenraum bis Ende Juni, sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson am Freitag. Sowohl die gesundheitliche als auch die politische Situation erlaube das. Die Schwedin betonte jedoch, dass dies letztlich die Entscheidung der einzelnen EU-Staaten sei.
Einreisen von außerhalb der EU dürften hingegen noch mindestens bis Ende Juni verboten bleiben, wie Johansson am Freitag klarmachte. Sie nannte das weitere Vorgehen „die nächste wichtige Herausforderung“. Viele Länder seien für eine Verlängerung um zwei Wochen. Anschließend könnten die Einschränkungen schrittweise aufgehoben werden. Allerdings gebe es unter den EU-Staaten noch Unstimmigkeiten, welche Kriterien für die Lockerungen angesetzt werden sollten. Die EU-Kommission werde dafür Empfehlungen vorlegen.