Kommt sie? Kommt sie nicht? Und wenn ja, wann? Experten aus Medizin, Wissenschaft und Politik sind sich weitgehend einig, dass die Einführung einer Corona App bei der Bekämpfung des Virus wichtige Dienste leisten wird.

Eine spezielle App für Smartphones soll helfen, Ansteckungen nachzuverfolgen, wenn die Ausgehbeschränkungen weiter gelockert werden. Sie sollen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind - und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten hatten. So lassen sich Infektionsketten nachverfolgen - automatisiert und viel schnell, als es bisher der Fall ist.

Warum ist eine Corona App so wichtig?

Sollen die derzeit geltenden Kontaktbeschränkungen weiter gelockert, der Gesundheitsschutz aber aufrecht erhalten werden, führt laut Experten kaum ein Weg an einer Corona App vorbei. „Wir brauchen einen zuverlässigen Gesundheitsschutz ohne das wirtschaftliche und soziale Leben so einzuschränken, wie es bisher der Fall ist“, sagt etwa die Wirtschaftsweise Veronika Grimm in einem Bericht auf der Nachrichtenseite welt.de. Mit einer entsprechenden App sei genau dies möglich. Ganz ähnlich argumentiert Stephanie Jacobs, Leiterin des größten kommunalen Gesundheitsamts in Deutschland, des Referats für Gesundheit und Umwelt in München, in einem Interview auf sueddeutsche.de: „Infektionsketten zu durchbrechen wird wichtiger werden, je mehr Lockerungsmaßnahmen wir zulassen.“ Mit jeder Lockerung werde es wieder zu mehr Kontakten kommen. Damit wachse die Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung von Covid-19. Umso notwendiger werde es, über entstandene Kontakte Bescheid zu wissen, um neue Infektketten schnellstmöglich durchbrechen zu können.

So funktioniert die Corona App

Die Funktionsweise einer Corona App ist einfach: Ist auf Smartphones eine entsprechende App installiert, kommunizieren die Geräte automatisch über Bluetooth miteinander, sobald sie sich bis auf einige Meter nähern. Anhand der Bluetooth-Signalstärke kann die App erkennen, wie nah sich beide Geräte gekommen sind. Codiert wird ein ID-Schlüssel der beiden Nutzer auf das jeweils andere Gerät übertragen. Infiziert sich jetzt einer der Nutzer mit dem Coronavirus, können mit Hilfe eines Abgleichs der verschlüsselten Daten die Menschen gewarnt werden, die sich in seiner Nähe aufgehalten hatten.

Wie steht es um den Datenschutz in der Corona App?

Bei der bisherigen Diskussion um eine Corona App war vor allem das Thema Datenschutz heiß diskutiert worden. Drängende Frage: Wo werden die Daten der Nutzer gespeichert? Inzwischen herrscht Einigkeit darüber, dass die Daten nicht in einer Datenbank sondern dezentral gespeichert werden. Ausschließlich auf dem Smartphone des Nutzers.

Welche Corona App ist die richtige?

Ursprünglich war geplant gewesen, dass die Bundesregierung bereits Mitte April eine Corona App auf den Markt bringen wollte. Doch daraus wurde nichts. Ein konkretes Datum gibt es bisher nicht.

Inzwischen sind auch die Anbieter der beiden relevanten Smartphone-Systeme - Android und die iOS-Software - Google und Apple auf den Zug aufgesprungen. Sie sind damit als einzige in der Lage, die Basis für eine effiziente Einbindung der Corona Apps in die Telefone zu schaffen. Am Montag präsentierten Google und Apple zudem erste Konzepte für die Bedienung der Apps. Darunter ist auch ein Mechanismus für die Verifizierung einer Infektionsmeldung mit Hilfe von Codes der Gesundheitsämter.

Beim Konzept von Apple und Google soll die Entfernung zwischen Smartphones anhand der Bluetooth-Signalstärke gemessen werden. Die Smartphones sollen zugleich per Bluetooth Krypto-Schlüssel austauschen, die sich alle 10 bis 20 Minuten ändern. Damit soll man Begegnungen nachvollziehen können, ohne dass ein Einzelner nachverfolgbar wäre.

Daten werden verschlüsselt übertragen

Wenn ein Nutzer seine Infektion meldet, werden andere Nutzer benachrichtigt, die in den vergangenen Tagen seinen Schlüssel empfangen haben. Dieser Abgleich findet ausschließlich auf einzelnen Smartphones und nicht zentral auf einem Server statt. Dafür werden alle Schlüssel von Infizierten aus der Region auf die Telefone geladen. Eine Warnung enthält den Tag der Begegnung, aber nicht die Uhrzeit.

Die Benachrichtigung über das Infektionsrisiko kann es dabei erst geben, wenn die Telefone mehr als fünf Minuten auf kurzem Abstand verbrachten. Dass soll Situationen herausfiltern, in denen zum Beispiel jemand an einem Auto vorbeigeht, in dem eine infizierte Person sitzt.

Die Unternehmen bekräftigten, dass die Apps keinen Zugang zu den GPS-Positionsdaten der Smartphones bekommen und keine Daten für Werbung verwenden dürfen. Die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer muss nicht nur zur Verwendung der App, sondern gesondert auch vor der Infektionsmeldung eingeholt werden. Apple und Google wollen die Schnittstellen wieder schließen, sobald sie nicht mehr benötigt werden.

Apple und Google wollen ihre Smartphone-Schnittstellen für Corona-Warn-Apps grundsätzlich für jeweils eine Anwendung pro Land verfügbar machen.

Für welche Corona App entscheidet sich Deutschland?

In Deutschland könnte die Grundregel einer App pro Land relevant werden. Die Bundesregierung beauftragte erst vergangene Woche den Software-Konzern SAP und die Deutsche Telekom mit der Entwicklung ihrer Corona-App - sie stehen daher erst ganz am Anfang. Zugleich gibt es unter anderem eine Firmengruppe rund um das Beratungsunternehmen PwC Deutschland und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, die nach eigenen Angaben schon in wenigen Tagen eine funktionsfähige App präsentieren können.