In einem landwirtschaftlichen Betrieb in Bayern ist nach einem Ausbruch des Virus SARS-CoV-2 ein neuer Corona-Hotspot entstanden: Mindestens 174 Erntheelfer haben sich auf dem Groß-Bauernhof im Landkreis Dingolfing-Landau mit dem Corona-Virus infiziert. Der Betrieb und die Wohnstätten der Arbeiter wurden mit einem Bauzaun und Wachen komplett abgeriegelt. Am Montag will die Staatsregierung eine Covid-Teststation in der niederbayerischen Gemeinde aufbauen.

Corona in Mamming: Erste Infektionen mit dem Virus am Freitag nachgewiesen

Bereits am Freitag, 24. Juli, waren 7 Menschen in dem landwirtschaftlichen Betrieb mit 480 Mitarbeitern positiv auf das Coronavirus getestet worden. Deswegen wurde am selben Tag eine Reihenuntersuchung eingeleitet.
Die Testung, die mobile Teams auf dem Betriebsgelände durchgeführt haben, war binnen weniger Stunden abgeschlossen, hieß es beim Landkreis Dingolfing-Landau.
Am Samstag dann stand laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) fest: „Neben den bereits bekannten 7 Fällen sind 167 weitere Erntehelfer Träger des Virus.“ Insgesamt haben sich also bisher - Stand Samstagabend - 174 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. Nun gelte es, die Infektionsketten zu analysieren und zu unterbrechen, hieß es bereits am Freitag.

Kritik an Mamminger Betrieb - Hygieneregeln nicht umgesetzt?

Die Erntehelfer in dem betroffenen Gemüsehof stammen aus
  • Ungarn
  • Rumänien
  • Bulgarien
  • und der Ukraine.
Die Fortsetzung der Ernte wurde verboten. Der Betrieb hatte nach Angaben von Landrat Landrat Werner Bumeder das vereinbarte Hygienekonzept nicht vollständig umgesetzt. Die Erntehelfer sind in Containern untergebracht, pro Container zu dritt.

Corona in Bayern: 480 Menschen in Quarantäne - Gesamter Betrieb abgeriegelt

Der gesamte Betrieb mit allen Mitarbeitern wurde abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt. Das bedeutet, dass momentan auch die negativ getesteten Kontaktpersonen isoliert wurden. „Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, müssen wir zum Schutz der Bevölkerung leider diesen Schritt gehen“, erklärte Landrat Werner Bumeder am Samstagabend. Die infizierten Mitarbeiter seien zudem von den nicht Infizierten getrennt, heißt es im Landratsamt Dingolfing-Landau. Einsatzkräfte in Schutzanzügen sollen bereits damit begonnen haben, den Betrieb zu desinfizieren.
Bei dem Betrieb handelt es sich um einen großen Gemüsehof, der
  • Erdbeeren
  • Gurken
  • Kohl
  • und Rote Bete
anbaut - die Gurken aber nur für Einlegegläser. Mamming ist eine ländliche Gemeinde mit gut 3300 Einwohnern.

Sicherheitsdienst überwacht den Hof in Mamming

Ein Sicherheitsdienst sorgt derweil dafür, dass keiner der unter Quarantäne stehenden Mitarbeiter das Gelände verlassen könne und somit Menschen aus der Bevölkerung Mammings mit Infizierten in Kontakt kommen könnten. Die Menschen in Mamming seien verunsichert, hieß es beim Sender n-TV.

Kostenlose Corona-Tests für Bevölkerung von Mamming

Doch Landrat Werner Bumeder hat die Bevölkerung nach Vorliegen der Testergebnisse am Samstag gebeten, Ruhe zu bewahren: „Nach unseren Informationen handelt es sich um einen in sich geschlossenen Personenkreis.“ Der Landkreis Dingolfing-Landau sei auf derartige Situationen vorbereitet und könne deshalb rasch und effektiv reagieren. Außerdem wurde der Bevölkerung der 3300-Seelen-Gemeinde am Sonntag angeboten, sich kostenlos auf eine Corona-Infektion testen zu lassen. Da die Erntehelfer wenig Kontakt zur ortsansässigen Bevölkerung hatten, geht das Landratsamt bisher davon aus, dass sich die Infektionen nicht über den Hof hinaus verbreitet haben.

Ministerpräsident Söder äußert sich am Montag zur Lage

Nach der Coronavirus-Masseninfektion will sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag zur aktuellen Lage auf dem Gemüsehof äußern. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat am Sonntag bereits eine Testoffensive für große Bauernhöfe angekündigt. „Wir nehmen die Situation sehr ernst“, sagte Huml (CSU). „Bisher scheint es lokal eingrenzbar zu sein.“

Hohe Infektionszahlen im Kreis

Abgesehen von Mamming ist die Corona-Infektionsrate im Landkreis Hof vergleichsweise hoch. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz lag am Sonntag bei 37,8 Infizierten pro 100.000 Einwohner - höher als der „Signalwert“ von 35 pro 100.000, den die Staatsregierung in ihrem Corona-Frühwarnsystem festgelegt hat. „Wir beobachten jeden Anstieg des Infektionsgeschehens selbstverständlich mit großer Ernsthaftigkeit“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) dazu.