In Belgien sind angesichts eines starken Anstiegs der Neuinfektionen mit dem Coronavirus die Beschränkungen des öffentlichen Lebens nochmals verschärft worden. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP am Dienstagmorgen.

Corona in Belgien: Diese Regeln gelten ab Mittwoch

Ab Mittwoch dürfen die Menschen im Land:
  • privat nur noch maximal fünf Menschen auf einmal treffen, mit denen sie nicht zusammen wohnen, wie Ministerpräsidentin Sophie Wilmès am Montag ankündigte.
  • Bisher waren Treffen mit bis zu 15 Menschen erlaubt.
Wilmès zeigte sich „sehr besorgt“ über den jüngsten Anstieg der Infektionsraten. Die neuen Regeln gelten nach ihren Angaben für zunächst vier Wochen und zielen darauf ab, landesweite Ausgangssperren möglichst zu verhindern. Die Regierungschefin appellierte an die „Geduld“ und den „Mut“ der Bürger.

Coronavirus in Belgien: Private Treffen deutlich eingeschränkt

Durch die neuen Maßnahmen werden die Möglichkeiten zu privaten Treffen deutlich eingeschränkt: Bislang waren solche Begegnungen mit bis zu 15 Menschen erlaubt. Für öffentliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen gilt eine Besuchergrenze von 100 Menschen statt wie zuvor 200. Bei Veranstaltungen unter freiem Himmel sind maximal 200 Menschen erlaubt, zuvor waren es 400.
Die Menschen in Belgien müssen zudem ihre Einkäufe allein erledigen. Außerdem müssen sie ihre Zeit für Einkäufe auf eine halbe Stunde beschränken. Außerdem rät die Regierung "stark" zu Homeoffice.
Corona in Antwerpen: Ausgangssperren in der Nacht
In der Metropole Antwerpen sind die Maßnahmen noch drastischer. Zwischen 23.30 Uhr und 06.00 Uhr dürfen die Bürger nicht mehr ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Alle Bars und Restaurants in der Hafenstadt müssen um 23.00 Uhr schließen. Kontaktsport ist verboten, ebenso jeglicher Teamsport für Erwachsene. Homoffice in Antwerpen ist Pflicht, sofern der Arbeitgeber dies erlaubt und ermöglicht.

In Antwerpen ist die Corona-Lage deutlich angespannter als im Rest Belgiens. Entsprechend sind die Maßnahmen auch deutlich schärfer.
In Antwerpen ist die Corona-Lage deutlich angespannter als im Rest Belgiens. Entsprechend sind die Maßnahmen auch deutlich schärfer.
© Foto: AFP

Corona in Antwerpen: „Bleiben Sie so viel zu Hause wie möglich!“

„Bleiben Sie so viel zu Hause wie möglich!“ appellierte die Gouverneurin der Provinz Antwerpen, Cathy Berx, an die Einwohner. Junge Menschen sollten keine Partys feiern, um nicht sich selbst und Andere zu gefährden, warnte sie.
Menschen von außerhalb ihrer Provinz forderte Berx auf, nicht absolut notwendige Reisen nach Antwerpen zu vermeiden. In der Provinz Antwerpen konzentrierten sich in der vergangenen Woche 47 Prozent der neuen belgischen Coronavirus-Infektionsfälle.
Die Provinz Antwerpen war zuletzt zum Corona-Hotspot Belgiens geworden. Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever sprach mit Blick auf die neuen Maßnahmen nach Angaben des flämischen Senders VRT von einem „Lockdown light“. Dem Sender RTBF zufolge führt er die steigenden Zahlen auf Hochzeiten, Shisha-Bars und Fitnessstudios zurück.

Corona in Antwerpen: 711 neue Infektionen täglich

Allerdings steigen die Zahlen im gesamten Land. Deshalb hatte der Nationale Sicherheitsrat am Montag bereits unter anderem entschieden, dass Belgierinnen und Belgier in den kommenden vier Wochen nur noch mit fünf Personen - abgesehen vom eigenen Haushalt - engeren Kontakt haben dürfen. Zuvor lag die Zahl bei 15 Personen pro Woche. Zwischen dem 18. und dem 24. Juli gab es in Belgien täglich durchschnittlich 311 Coronavirus-Infektionen. Dies ist ein Anstieg um 69 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Für die Stadt Antwerpen liegt der Wert sogar bei 711 Fällen.

Corona-Maßnahmen in Belgien: Verschärfung seit Wochen

Die Corona-Maßnahmen waren in Belgien bereits seit einigen Wochen wieder verschärft worden. Unter anderem gilt bereits eine Maskenpflicht in Geschäften, Kinos, Museen, Bibliotheken und Gotteshäusern sowie in Bussen und Bahnen. Seit Samstag muss auch an stark frequentierten öffentlichen Orten wie Märkten, Einkaufsstraßen oder Hotels ein Atemschutz getragen werden.
In Belgien wurden bis Montag mehr als 66.000 Corona-Fälle und 9821 Todesopfer verzeichnet.

Corona in Belgien und dem Hotspot Antwerpen: Das sagt das Auswärtige Amt

Sind Belgien und seine Metropole Antwerpen Risikogebiet? Das Auswärtige Amt schreibt auf seiner Homepage aktuell: „Belgien war von COVID-19 im europäischen Vergleich eher stark betroffen. Die Tendenz der Zahl der Neu-Erkrankten und der neuen Todesfälle steigt seit Ende Juli an, insbesondere im Raum Antwerpen. Daher sahen sich die Behörden zu einer Aussetzung der geplanten Erleichterungen und teils drastischen neuen Kontaktbeschränkungen ab dem 29. Juli 2020 gezwungen.“