Stuttgart / Claudia Reicherter  Uhr
Von „Dirrty“ bis „Beautiful“: Popstar Christina Aguilera spielte am Samstag bei den Jazzopen ihre Hits auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Eine aufwändige Show inklusive.

Der Akzent liegt am vorletzten Abend des Festivals ganz klar auf dem zweiten Teil seines Namens: Christina Aguilera bietet viel „open“, kaum „Jazz“ – auch wenn die gebürtige New Yorkerin den durchaus in ihrer vier Oktaven umspannenden Stimme hätte. Offen zeigt sie sich auf der Bühne der zweiten Station ihrer „The X Tour“ vor allem obenrum.

Die Kostümierung wechselt zwar rund ein halbes dutzend Mal, jeweils passend zum sechs Akte à zwei bis fünf Songs umfassenden Programm. Die grundlegende Betonung bleibt jedoch gleich, sei die 38-Jährige mit der Mother-of-Dragons-Frisur nun in silberne Glanzfolie, goldenen Pomp mit Lichterkette, blauen Madonnen-Umhang oder roten Satin in schwarzer Bondage-Verschnürung verpackt: Brust, Beine, Po. Sprich tiefer-V- und hoher Beinausschnitt, enges Korsett und hochhackiges Schuhwerk, dessen Schaft meist bis zur Mitte der Oberschenkel reicht.

Christina Aguilera in Stuttgart: Opulenz und Optik

Bei aller Opulenz und Optik kommt die Musik bei „Xtina“ nicht zu kurz. Auch wenn die tänzerische Entourage dieser als Kinderstar gestarteten Pop-Prinzessin die Zahl ihrer Bandmitglieder bei weitem übertrifft. Drums, Gitarre, Bass tragen die rockigen Teile von „Dirrty“ oder „Sick of Sittin’“ und dürfen bisweilen die Kostümwechsel durch Soli überbrücken. Bis hin zum zornigen „Fighter“ kurz vor Schluss des etwas hektisch durchgehauenen 90-minütigen Sets, das mit „Maria“, „What A Girl Wants“, „Ain’t No Other Man“, „Candyman“ und dem finalen „Let There Be Love“ alle wichtigen Stationen ihrer mehr als 25 Jahre umfassenden Karriere aufbietet. Mit Schwerpunkten auf den Studioalben „Stripped“ (2002) und „Liberation“ (2018).

Das E-Piano untermalt die Balladen – „Say Something“ und „Reflection“ von Disneys „Mulan“-Soundtrack sowie natürlich ihren Über-Hit „Beautiful“, auf den die rund 7000 Zuschauer an diesem letztlich doch noch etwas regnerischen Abend euphorisch gewartet zu haben scheinen.

Die Diva hatte ihre Fans zunächst lange warten lassen. Auch als Background-Chor und Band schon startklar auf der Bühne standen, dauert es noch über eine Viertelstunde, bis die Protagonistin auf ihrem Glitzerthron am oberen Ende der Vegas-Showtreppe erschien.

Christina-Aguilera-Show nicht mit Pink zu vergleichen

Es sei so gut, als nunmehr reife Frau und Mutter wieder dorthin zurückzukommen, wo alles irgendwie losging, sagt sie zur Begrüßung. Sie habe hier einst viel Promotion gemacht – in Deutschland, Stuttgart? Das bleibt in der Schwebe. „Oh my God, is it starting to rain?“, ruft sie dann begeistert aus. „I love the rain!“ – zumindest solange sie in den Pfützen nicht ausrutsche. „Lasst uns mit dem Flow gehen und im Moment leben“, ermuntert sie ihr sich eilig in Ponchos und Jacken hüllendes Publikum. Dann fegt erstmal ein Tänzer mit Laubbläser das nass gewordene Konfetti von der Bühne. Die Show ist aufwändig und gut – obgleich sie sich mit jener von Pink, die erst drei Tage zuvor in Stuttgart war, naturgemäß nicht messen kann. Trotzdem bleibt die Stimmung eher verhalten.

Da war bei Aloe Blacc, der den vorletzten Stuttgarter Jazzopen-Abend – vor dem Finale mit DJ und Elektro-Swing-König Parov Stelar am Sonntag – für Christina Aguilera eröffnet hatte, schon deutlich mehr Bewegung vor der Bühne. Der „Dollar-Bill“-Sänger sorgte, nachdem er dort schon am Donnerstag zusammen mit der Schottin Emeli Sandé für den erkrankten Sting eingesprungen war, ganz ohne Pomp, nur mit Stimme, launigem Tänzeln und großartiger Begleitband, für den Jazz bei diesem Schlossplatz-Open-Air-Konzert.

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45 000 zahlende Besucher

Festival Die Stuttgarter Jazzopen fanden heuer zum 26. Mal statt. Musiker aus aller Herren Länder waren bei mehr als 50 Konzerten des von der Stadt, dem Land und zahlreichen Sponsoren bezuschussten Festivals an elf Tagen zwischen 4. und 14. Juli auf dem Schlossplatz, im Alten Schloss, im Jazzclub Bix und an anderen Veranstaltungsorten zu Gast – vor rund 45 000 zahlenden Besuchern. Dazu gab es zum zweiten Mal auch „Open Stages“-Konzerte, die keinen Eintritt kosteten.