Captain America, Stranger Things und Co.
: Welche Folgen hat der Hollywood-Streik für Film- und Serien-Fans?

Die meisten Schauspieler sind keine schwerreichen Stars, sondern betrachten ihre Arbeit vor der Kamera als ein Geschäft, das zunehmend bedroht ist. Die Auswirkungen des nun begonnenen Streiks dürften weltweit zu spüren sein.
Von
Philipp Staedele
Los Angeles
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USA, Los Angeles: Schauspielerinnen und Schauspieler in den USA treten in den Streik.

Mark J. Terrill/dpa

Nach über 60 Jahren streiken Schauspieler und Drehbuchautoren in den USA zum ersten Mal gemeinsam und werden voraussichtlich den Betrieb in Hollywood auf unbestimmte Zeit zum Stillstand bringen. Der Arbeitsausstand begann um 00:01 Uhr Ortszeit Los Angeles (09:01 MESZ) am Freitagmorgen, wie die Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA mitteilte. Die Streikmaßnahmen werden im Kampf um verbesserte Vergütung und Regelungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz ergriffen. Die Gewerkschaft verkündete den Beginn des Streiks auf Twitter mit einem schwarzen Bild. Der letzte vergleichbare Doppelstreik in den USA fand im Jahr 1960 statt.

Verhandlungen mit TV- und Filmstudios gescheitert

In Hollywood herrscht ein Schauspiel-Streik, da es bei den Verhandlungen mit dem Verband der TV- und Filmstudios AMPTP nicht zu einer Einigung innerhalb der gesetzten Frist gekommen ist. Die Mitglieder der Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA haben nun offiziell ihre Arbeit niedergelegt. Der Streik begann gemäß SAG-AFTRA am Freitag um 00:01 Uhr Ortszeit in Los Angeles (09:01 MESZ).

Dieser Streik ist ein doppelter Schlag für die US-Unterhaltungsbranche, da sich die Schauspielgewerkschaft nun den bereits seit dem 2. Mai streikenden Drehbuchautoren anschließt. Praktisch bedeutet dies, dass in den USA keine Filme und Serien mehr produziert werden können.

Welche Folgen hat der Streik für Film- und Serien-Fans weltweit?

Laut Berichten der US-Medien ist es jetzt nahezu unmöglich, Filme und Serien zu drehen. Die SAG-AFTRA gab bekannt, dass bis auf wenige Ausnahmen alle Dreharbeiten mit Schauspielerinnen und Schauspielern vor der Kamera eingestellt werden müssen. Darüber hinaus ist es den Mitgliedern der Gewerkschaft untersagt, Arbeiten hinter der Kamera wie Synchronsprecherrollen zu übernehmen oder ihre Filme und Serien durch Werbeauftritte und Interviews zu bewerben. Die Gewerkschaft hat angekündigt, diese Bedingungen streng zu kontrollieren.

SAG-AFTRA-Präsidentin Fran Drescher (M, l) und SAG-AFTRA National Executive Director und Chief Negotiator Duncan Crabtree-Ireland (M, r) stehen mit SAG-AFTRA-Mitgliedern während einer Pressekonferenz zur Ankündigung eines Streiks der Screen Actors Guild-American Federation of Television and Radio Artists zusammen.

Chris Pizzello/dpa

TV-Serien: „Stranger Things“ und „Yellowjackets“ werden aktuell nicht produziert

Die Auswirkungen des Streiks werden sich voraussichtlich im TV-Bereich schneller bemerkbar machen. Aufgrund des Streiks der Drehbuchautoren liegt das Schreiben und Drehen von Fernsehserien größtenteils ohnehin schon weitgehend auf Eis. Die Gewerkschaft der Drehbuchautoren (WGA) hat auch die Unterstützung der Set-Mitarbeiter erhalten, wodurch der Drehbetrieb nicht aufrechterhalten werden konnte. Dadurch werden Serien wie „Stranger Things“ oder „Yellowjackets“ derzeit nicht produziert. Zusätzlich sind beliebte Late-Night-Shows von Moderatoren wie Jimmy Kimmel oder John Oliver seit Anfang Mai aufgrund des Streiks komplett ausgefallen.

Sollte sich der Doppelstreik gegebenenfalls Monate hinzieht, könnten sich neue Staffeln populärer Sendungen verzögern.

Captain America und Avatar: Firmen haben Filmstarts bereits nach hinten verlegt

Laut „Entertainment Weekly“ wird der neue Streik voraussichtlich aber größere Auswirkungen auf die Filmbranche als auf TV-Produktionen haben. Aufgrund der anhaltenden Verhandlungen haben einige große Unternehmen bereits geplante Filmstarts verschoben. Darunter fallen Marvel mit neuen Superheldenfilmen wie „Captain America“ oder „Blade“, Disneys Realverfilmung des Animationshits „Moana“ (deutscher Titel: „Vaiana") und die geplanten Fortsetzungen von „Avatar“.

Da Filme jedoch einen langen Produktions- und Marketingvorlauf haben, werden die Auswirkungen eines Streiks wahrscheinlich erst in einigen Monaten spürbar sein.

Wer genau streikt jetzt eigentlich?

Die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA vertritt über 160.000 Mitglieder, darunter Schauspieler für Film und Fernsehen, Stuntleute, TV-Journalistinnen und Moderatoren. Der aktuelle Streik betrifft jedoch ausschließlich Schauspielerinnen und Schauspieler in Serien und Filmen. Für sie ist eine Mitgliedschaft in SAG-AFTRA oft eine unverzichtbare Voraussetzung, um überhaupt Schauspieljobs in der US-Unterhaltungsbranche zu erhalten. Viele Produktionen verlangen sogar ausdrücklich eine Mitgliedschaft. Darüber hinaus bietet SAG-AFTRA diesen Mitgliedern Zugang zu Krankenversicherung und Altersvorsorge, zwei Aspekte, die in einer unsicheren Branche für viele von ihnen äußerst wichtig sind.

Was wollen die Schauspieler mit dem Streik erreichen?

Die Mitglieder der SAG-AFTRA verfolgen im Wesentlichen die gleichen Ziele wie die Drehbuchautoren. Beide Kreativbranchen sind von der Situation betroffen, dass trotz der erhöhten Produktion von Filmen und Serien die Budgets sinken und bei Serien oft weniger Episoden pro Staffel gedreht werden. Zudem führen Wiederholungen bei Streamingdiensten im Gegensatz zum herkömmlichen Fernsehen zu geringeren Tantiemen, die nicht von der Zuschauerzahl abhängig sind. Zudem hatte SAG-AFTRA mitgeteilt, dass es eine „reale und unmittelbare Bedrohung“ darstelle, wie animierte AI-Charaktere die Schauspielerei von Mitgliedern täuschend echt nachbilden könnten.

(mit Material von dpa)