Aktuelle Cannabis-Regeln: THC-Grenzwert und Strafen: Das ist beim Autofahren zu beachten

Bei den Auswirkungen des Freizeit-Konsums muss auf die Regeln des Verkehrsrechts geachtet werden. Die aktuellen Vorschriften im Überblick.
Karl-Josef Hildenbrand/dpaAlkohol am Steuer ist verboten. Beim Autofahren zu kiffen und fahruntauglich zu sein auch. Für beides gelten Grenzwerte, bei Cannabis gibt es aber lange Nachweiszeiten. Autofahrerinnen und Autofahrer könnten so auch noch belangt werden, wenn der Konsum schon einige Zeit zurückliegt. Die neuen Regelungen sorgen deswegen auch für Verunsicherungen darüber, was nun genau im Straßenverkehr erlaubt ist, und was nicht. Die von der Ampel-Koalition beschlossenen Änderungen im Verkehrsrecht sind nun in Kraft getreten. In dem Gesetz werden der Grenzwert für den Wirkstoff THC am Steuer und Geldbußen bei Verstößen festlegt. Die aktuellen Regelungen für das Autofahren im Zusammenhang mit Cannabis gibt es hier zusammengefasst.
THC-Grenzwert: Diese Regeln und Strafen gelten aktuell
Bisher war das Führen eines Kraftfahrzeugs unter Drogeneinfluss generell verboten. Gerichte hatten zuletzt eine Schwelle von einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut festgelegt. Ab jetzt gilt laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) jedoch eine neue Vorgabe: Wer vorsätzlich oder fahrlässig mit 3,5 Nanogramm THC oder mehr unterwegs ist, riskiert in der Regel 500 Euro Buße und einen Monat Fahrverbot. Für Fahranfänger und gemischten Konsum von Cannabis und Alkohol gelten strengere Regeln. Die Schwelle folgt Empfehlungen einer Expertenkommission des Verkehrsministeriums, wonach ab dann eine sicherheitsrelevante Wirkung „nicht fernliegend“ ist.
Was gilt für Fahranfänger?
Für Fahranfänger heißt es nach Angaben der dpa künftig wie schon bei Alkohol: In der zweijährigen Führerschein-Probezeit und für unter 21-Jährige gilt ein Cannabis-Verbot — der Grenzwert von 3,5 greift also nicht. Sanktion: in der Regel 250 Euro.
Kiffen und Autofahren: Wie wird getestet?
Bei THC am Steuer geht es laut dpa um Cannabiskonsum aller Art, wie im Entwurf erläutert wird — also Joints, aber auch THC-haltige Esswaren, Getränke, Öle und Extrakte. Ausdrücklich ausgenommen ist aber, wenn das THC „aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt“.
Bei Kontrollen sollten empfindliche Speicheltests „als Vorscreening zum Nachweis des aktuellen Konsums“ eingesetzt werden, heißt es in der Begründung des Entwurfs. Wenn jemand Anzeichen von Ausfallerscheinungen zeige, sei aber in jedem Fall auch bei negativem Speicheltest eine Blutprobe erforderlich.
Gras und Alkohol: Regeln und Geldbußen für Mischkonsum
Vergleichbar sei der neue Grenzwert laut dpa für THC mit 0,2 Promille Alkohol und liege klar unter der Schwelle von 7 Nanogramm, ab der eine Risikoerhöhung beginnt. Eingerechnet ist auch ein Zuschlag für Messfehler. Eine neue Ordnungswidrigkeit stellt es künftig dar, wenn zum Kiffen auch noch Alkohol dazukommt. Hat man die Schwelle von 3,5 Nanogramm THC oder mehr erreicht, gilt ein Verbot von Alkohol am Steuer — also, dass man dann noch ein alkoholisches Getränk zu sich nimmt oder die Fahrt antritt, obwohl man unter der Wirkung alkoholischer Getränke steht. Bei Verstößen droht ein höheres Bußgeld von in der Regel 1000 Euro.
Wie wirkt sich Cannabis am Steuer aus?
Dass Rauschmittel die Fahrtüchtigkeit beeinflussen, ist nach Angaben der dpa unbestritten. Bei Cannabis ist die Wirkungsweise aber nicht dieselbe wie bei Alkohol. So ist ein „Herantasten“ an den THC-Grenzwert nicht möglich, wie es im Entwurf heißt. Die Expertenkommission wies auf Studien zur Wirkung hin. Sicherheitsrelevante Effekte treten demnach am stärksten 20 bis 30 Minuten nach dem Konsum auf und klingen nach drei bis vier Stunden wieder ab. Dabei falle bei Konsumenten, die höchstens einmal in der Woche kiffen, die THC-Konzentration in einigen Stunden ab. Bei häufigem Konsum könne sich THC im Körper anreichern und noch Tage bis Wochen im Blut nachweisbar sein.
Cannabis-Gesetz: Konsum, Besitz, Weitergabe und Handel
Mehr Informationen zu den neuen Regelungen im Zuge des Cannabis-Gesetzes gibt es hier auf unserer Cannabis-Themenseite.
