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Funchal / SWP  Uhr
Bei einem Unfall auf der Insel Madeira sind mindestens 29 Menschen gestorben – viele der Opfer sollen Deutsche sein. Sie sollen aus ganz Deutschland stammen.

Nach dem schweren Busunglück auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira mit 29 Toten sind noch zahlreiche Fragen offen.Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa erklärte portugiesischen Medienberichten zufolge am späten Mittwochabend, dass nach seinen Informationen alle Todesopfer aus Deutschland stammen. Auch von deutscher Seite geht man von vielen deutschen Opfern aus. Hier erfahren Sie die aktuellen Entwicklungen zur Katastrophe auf Madeira.

Busunglück auf Madeira – das ist passiert

Bei einem schweren Busunglück auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira sind am frühen Mittwochabend mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen, laut dem Nachrichtensender TVI24 zwölf Männern und 17 Frauen. Unter den Opfern sind nach bisherigen Erkenntnissen wahrscheinlich viele deutsche Urlauber. Der Reisebus war am Mittwoch in der Gemeinde Caniço in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und eine Böschung hinunter auf ein Wohnhaus gestürzt. Auf Bildern war zu sehen, wie der zerstörte Reisebus auf der Seite und teilweise auf einem roten Ziegeldach liegt.

Busunglück auf Madeira Tödliche Busunglücke weltweit

Der Busunfall in Madeira reiht sich in eine ganze Serie schwerer Busunglücke ein. Eine Auswahl:

„Ein Schrei aus Stille“: Eine Augenzeugin berichtet vom Busunglück

Eine Augenzeugin hat laut Deutscher Presseagentur dem portugiesischen Fernsehen ein Interview gegeben und darin von dem Unfall berichtet. Demnach habe der Fahrer alles getan, um den Unfall zu verhindern. Ihre weiteren Schilderungen des Unfalls auf Madeira findet ihr hier.

Bus verunglückt: Merkel reagiert „mit Trauer und Bestürzung“

Bei den Opfern soll es sich um deutsche Touristen handeln. Das sagte der zuständige Bürgermeister Filipe Sousa dem portugiesischen Sender RTP3.

Ein Vertreter der portugiesischen Regierung soll dem deutschen Botschafter in Portugal kondoliert haben. Damit verdichteten sich die Hinweise, wonach es sich bei den 29 Opfern um Deutsche handelt. Der Vertreter Portugals für die Autonome Region Madeira, Ireneu Cabral Barreto, bedauere „den schweren Verkehrsunfall zutiefst“ und spreche den Angehörigen der Opfer „aufrichtiges Beileid“ aus, zitierte ihn die Zeitung „Observador“.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Donnerstag mit Entsetzen auf das Busunglück reagiert. „Mit Trauer und Bestürzung denke ich an unsere Landsleute und alle anderen Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind“, erklärte Merkel am Donnerstag. „Meine aufrichtige Anteilnahme gilt vor allem all den Familien, die in diesem Unglück ihre Liebsten verloren haben.“ Sie hoffe mit den Verletzten und ihren Angehörigen, die um sie bangten, dass sie die körperlichen wie seelischen Folgen überwinden könnten.

Auf dieser Karte der Ferieninsel ist im Südosten der Ort des schweren Busunglücks eingezeichnet.
© Foto: DPA/Infografik

Maas rechnet mit vielen deutschen Opfern bei Busunglück auf Madeira

Die Bundesregierung rechnete bereits am Mittwochabend damit, dass Deutsche unter den Todesopfern des Busunglücks auf Madeira sind. „Mit großer Erschütterung haben wir von dem tragischen Busunglück auf Madeira erfahren. Wir müssen leider davon ausgehen, dass Opfer aus Deutschland sind“, twitterte das Auswärtige Amt am Mittwochabend.

Am Donnerstag bestätigte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), er gehe davon aus, dass etliche Opfer aus Deutschland sein. „Wir müssen davon ausgehen, dass unter den Opfern viele Deutsche sind“, schrieb er am Donnerstagmorgen auf Twitter. „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten, wir hoffen mit den Verletzten.“

Zunächst hatte es am Mittwochabend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur geheißen, dass „möglicherweise“ auch Deutsche unter den Opfern seien und Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Lissabon mit den örtlichen Behörden in Kontakt stünden.

Touristenbus war mit 51 Passagieren besetzt

Die Nachrichtenagentur Lusa berichtete von insgesamt 51 Passagieren an Bord. 22 von ihnen seien unterschiedlich schwer verletzt worden und entweder vor Ort behandelt oder in ein Krankenhaus in der Hauptstadt Funchal gebracht worden. Der Busfahrer und der Reiseleiter – beides Portugiesen – hätten verletzt überlebt, so der Bürgermeister.

Erste Angaben zur Herkunft der Opfer des Busunglücks

Am Donnerstagvormittag wurden erste Details zur möglichen Herkunft der Opfer bekannt: Nach Angaben des Hotels, in dem die Touristen untergebracht waren, handele es sich um Deutsche aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik. Es habe sich um keine gemeinsame Gruppe gehandelt, sondern um Reisende, die zu verschiedenen Zeitpunkten auf Madeira angekommen seien und über einen deutschen Reiseveranstalter und dessen portugiesischen Partner Ausflüge gebucht hätten, sagte eine Mitarbeiterin des Hotels „Quinta Splendida“ in dem Ort Caniço am Donnerstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Gäste des Veranstalters reisten normalerweise immer donnerstags und dienstags an, hieß es weiter.

Am Donnerstag sind zwei Lkw auf der A8 bei Gruibingen kollidiert. Ein 52-Jähriger erlitt leichte Verletzungen. Die mittlere und rechte Fahrspur waren lange blockiert. Es staute sich auf einer Länge von bis zu acht Kilometern.

Mechanisches Problem als Ursache für den Unfall?

Das Unglück ereignete sich dem örtlichen Zivilschutz zufolge gegen 18.30 Uhr in der östlich von Funchal gelegenen Gemeinde Caniço. Der Fahrer hatte offenbar in einer Kurve die Kontrolle über den Bus verloren, der daraufhin einen Abhang hinunter in ein Wohnviertel stürzte. Zahlreiche Rettungswagen waren im Einsatz.

Die Unfallursache war zunächst noch unklar. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Der Inhaber des Unglücksfahrzeugs sagte den Ermittlungsbehörden seine uneingeschränkte Kooperation zu. „Es ist unser Wille und unser Bestreben, dass alle Fakten, Gründe und Verantwortlichkeiten des Unfalls ermittelt werden“, zitierte die Nachrichtenagentur Lusa am Donnerstag aus einer Mitteilung des Verkehrsunternehmens SAM.

Laut Medienberichten könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein - entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache „verfrüht“.

Bus auf Madeira war relativ neu

Der auf Madeira verunglückte Reisebus war einer Mitteilung der Deutschen Presseagentur zufolge offenbar relativ neu. Das Fahrzeug sei im Februar 2013 zugelassen worden und damit nur rund sechs Jahre alt gewesen, berichtete die Zeitung „Diário de Notícias“ am Donnerstag ohne Nennung von Quellen.

Bei dem Fahrer, der bei dem Unfall verletzt wurde, handele es sich um einen 55-Jährigen mit viel Berufserfahrung, hieß es weiter. Er habe einen von insgesamt drei Bussen gefahren, die die Urlauber vom Hotel „Quinta Splendida“ in der Gemeinde Caniço zu einem Abendessen in der Hauptstadt Funchal bringen sollten.

Deutscher Botschafter unterwegs zum Unglücksort auf Madeira

Der deutsche Botschafter in Portugal, Christof Weil, ist unterwegs auf die Urlaubsinsel Madeira, um sich nach dem schweren Busunglück mit 29 Toten ein Bild von der Lage zu machen. Weil werde zusammen mit einem Team noch im Laufe des Donnerstagvormittags auf Madeira erwartet, sagte eine Mitarbeiterin der Botschaft in Lissabon der Deutschen Presse-Agentur. Portugiesischen Medienberichten zufolge will sich der Diplomat die Unfallstelle ansehen und ein Hotel besuchen, in dem die deutschen Urlauber in der Gemeinde Caniço wohnten.

Das Bundeskanzleramt kündigte derweil für 12 Uhr am Donnerstag eine Pressekonferenz an. Kanzleramtsminister Helge Braun soll da ein Statement zu dem schweren Busunglück auf Madeira verlesen.

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