Jogi Löw beendet im Sommer seine Karriere als Bundestrainer beim DFB. Wer wird sein Nachfolger? Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten ist schwierig - und nach der 15-jährigen Amtszeit Löws auch ein Stück weit Neuland für Manager Oliver Bierhoff und den DFB.

Nachfolger von Jogi Löw als Bundestrainer gesucht: DFB will keinen Schnellschuss

Schnellschuss ausgeschlossen: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die Suche nach einem deutschen Nachfolger für Bundestrainer Joachim Löw mit Ruhe und Akribie angehen. "Wir haben alle Zeit der Welt. Wir werden in aller Sorgfalt die Nachfolge sondieren", sagte Präsident Fritz Keller am Donnerstag während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Löw und Oliver Bierhoff. Der DFB-Direktor habe den Auftrag zur Nachfolgersuche erhalten.
"Ich war nicht vom Blitz getroffen, aber das sitzt tief", sagte Bierhoff. "Ich wäre auch überzeugt davon, dass Löw den Weg gut weitergeführt hätte." Er werde die Sondierung gewissenhaft leiten: "Im Hinterkopf hatten wir so einen Fall immer. Jetzt geht es ans Eingemachte. Wir haben absolut keine Zeitnot. Die Entscheidung ist wichtig, aber nicht dringend. Wir haben gute deutsche Trainer hier, im Ausland und im DFB."
Bereits kurz nach der Ankündigung von Löws Rückzug am Dienstag sagte Jürgen Klopp, aktuell Trainer des FC Liverpool und ein über Jahre heiß gehandelter Kandidat für die Nachfolge Löws, für das Amt ab.

Nachfolger für Jogi Löw gesucht: Nach Klopps Absage stehen Flick und Kuntz im Fokus

Seither stehen vor allem zwei Kandidaten im Fokus: Hansi Flick und Stefan Kuntz. Während zweiterer bereits beim DFB in der U21 arbeitet, ist der anderen noch mit einem Vertrag beim FC Bayern München bis 2023 ausgestattet. Dennoch soll er, so berichtet Bild, nicht wunschlos glücklich sein - insbesondere mit der Transferpolitik und diesbezüglichen Reibereien mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic.
Wie das Nachrichtenportal am Donnerstag berichtet, könnte der Weg für Flick frei werden, wenn die Bayern einen Nachfolger hätten: Salihamidzic soll in dieser Frage dem Bild-Bericht zufolge Leipzigs Coach Julian Nagelsmann im Blick haben. Könnte sich also eine Art Domino-Effekt zwischen DFB und Bundesliga ergeben?

DFB-Pressekonferenz heute: Eine „Lahme Ente“? Löw erklärt seine Entscheidung

Von wegen Lahme Ente (aus dem englischen Sprachgebrauch übersetzt „lame duck“): Der persönliche Befreiungsschlag von „Ich-entscheide“-Bundestrainer Joachim Löw hat rund um die angeschlagene deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Windeseile für völlig neue Konstellationen gesorgt. Nicht mehr die Rolle und die Zukunft des „ewigen Jogi“ stehen plötzlich im Brennglas der Öffentlichkeit, sondern: Kann das Team um Kapitän Manuel Neuer nach 15 Jahren unter Löw seinem Chef bei der Europameisterschaft im Sommer einen glänzenden Abgang verschaffen? Und vor allem: Wer übernimmt den Posten als wichtigster Fußballlehrer des Landes?

Jogi Löw: Seine Karriere in Stationen

  • 30. Juli 2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung von dessen Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer.
  • 12. Juli 2006: Nach dem Rücktritt des „ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert.
  • 16. August 2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden.
  • 6. September 2006: Der bis heute höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle.
  • 28. März 2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg.
  • 29. Juni 2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0.
  • 10. Oktober 2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérôme Boateng gewinnt die DFB-Elf in Moskau gegen Russland. Das WM-Ticket ist gelöst.
  • 17. Dezember 2009: DFB-Chef Zwanziger verkündet einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur EM 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht.
  • 4. Februar 2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Es kommt zum öffentlichen Streit zwischen Löw und Bierhoff mit der DFB-Spitze.
  • 9. Februar 2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. einen WM-Frieden.
  • 28. Mai 2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1.
  • 7. Juli 2010: Löw ist „traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel.
  • 20. Juli 2010: Knapp zwei Wochen nach dem WM-Aus verlängert Löw seinen Vertrag.
  • 15. März 2011: Still und heimlich einigen sich Löw und der DFB auf eine Vertragsverlängerung bis 2014.
  • 26. Mai 2012: In der „zerrütteten“ EM-Vorbereitung gibt es einen 3:5-Dämpfer gegen die Schweiz. Die meisten Gegentore unter Löw.
  • 28. Juni 2012: Der Schock von Warschau. Löw vercoacht sich, der EM-Traum ist mit einem 1:2 gegen Italien im Halbfinale beendet.
  • 15. August 2012: Der erstmals heftig kritisierte Löw braucht lange, um sich wieder zu finden. Vor dem 1:3 gegen Argentinien hält er eine Wutrede: „Unser Weg stimmt.“
  • 11. Oktober 2013: Mit einem 3:0 gegen Irland wird das Ticket zur WM in Brasilien gebucht. Sein Team sei in der Quali das „Maß aller Dinge“ gewesen, meinte der Bundestrainer.
  • 18. Oktober 2013: Löw und sein Stab verlängern bis zur EM 2016.
  • 13. Juli 2014: Die Krönung. Durch das 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien wird Deutschland zum vierten Mal Fußball-Weltmeister. Löw ist auf dem Gipfel angekommen.
  • 11. Oktober 2015: Nach einer holprigen Quali-Runde wird mit einem 2:1 gegen Georgien das EM-Ticket gelöst.
  • 7. Juli 2016: Der Traum vom EM-Titel platzt. Gastgeber Frankreich ist beim 0:2 in Marseille nicht besser, aber viel effizienter.
  • 5. Oktober 2017: Mit dem 3:1 gegen Nordirland wird das Ticket für Russland gelöst. Vier Tage später wird die perfekte Qualirunde beim 5:1 gegen Aserbaidschan abgeschlossen.
  • 27. März 2018: Das 0:1 gegen Brasilien ist die erste Niederlage nach zuvor 22 Partien ohne Pleite.
  • 15. Mai 2018: Löw bekommt kurz vor der WM einen neuen Vertrag bis zum Turnier 2022 in Katar.
  • 27. Juni 2018: Die historische Pleite ist perfekt. Das 0:2 gegen Südkorea besiegelt das erste deutsche Aus in einer WM-Gruppenphase.
  • 28. Juni 2018: Löw braucht Bedenkzeit. Erst nach eingehender Analyse will er entscheiden. „Tiefgreifende Maßnahmen“ müssen her.
  • 29. Juni 2018: Alle Präsidiumsmitglieder sprechen sich nach auf einer Telefonkonferenz dafür aus, dass Löw seinen Vertrag erfüllen soll.
  • 03. Juli 2018: Joachim Löw hat entschieden: Er will weitermachen und „mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten“.
  • 6. September 2018: Das erste Spiel in der neuen Nations League endet in München 0:0 gegen Frankreich. Es folgen in der Gruppe mit den Franzosen und den Niederlanden zwei Niederlagen und ein Unentschieden - Deutschland steigt scheinbar aus der A-Liga ab.
  • 5. März 2019: Löw teilt mit, künftig nicht mehr auf die Rio-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng zu setzten. Das Thema wird ihn in den kommenden zwei Jahren stetig begleiten.
  • 24. September 2019: Die Europäische Fußball-Union reformiert die Nations League leicht, dem DFB bleibt durch die Aufstockung der A-Liga der Abstieg erspart.
  • 16. November 2019: Die Nationalmannschaft sichert sich durch ein 4:0 gegen Weißrussland vorzeitig das EM-Ticket. Am Ende der Qualifikation ist die DFB-Auswahl mit einer Niederlage aus acht Spielen Gruppenerster.
  • 30. November 2019: Deutschland bekommt für die EM Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal als Gruppengegner zugelost. Später kommt noch Ungarn über die Playoffs hinzu.
  • 17. März 2020: Die EM wird wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben. Im Zuge der Krise werden auf weitere Länderspiele verschoben.
  • 3. September 2020: Im ersten Spiel nach der Corona-Zwangspause spielt die DFB-Auswahl in der Nations League gegen Spanien 1:1.
  • 17. November 2020: Deutschland geht im Rückspiel in Spanien unter. Nach dem 0:6 hagelt es Kritik, die Rufe nach einem Rücktritt von Löw werden lauter. Der Verbleib in der A-Liga der Nations League ist nur ein Randaspekt.
  • 30. November 2020: Nach zähen Tagen des Wartens teilt der DFB mit, mit Löw ins EM-Jahr 2021 zu gehen.
  • 7. Dezember 2020: Löw erklärt sich zur Spanien-Pleite und zur Zukunft. Er bekräftigt, nach dem Spiel nicht an einen Rücktritt gedacht zu haben.
  • 8. März 2021: Löw erklärt in einer DFB-Pressemitteilung seine Rücktritt nach der EM 2021.