Es ist, gerade in Zeiten der Corona-Krise, eine wirklich erstaunliche Studie: Die Ergebnisse von Umfragen haben einen direkten Einfluss auf die Rhetorik der Bundesregierung. Das hat eine am Montag veröffentlichte Studie des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin herausgefunden. Die Autoren werteten dafür rund 150 Umfragen aus, die zwischen 2009 und 2013 von der Bundesregierung in Auftrag gegeben worden waren. Ziel dieser Umfragen war es, mehr über die Stimmung innerhalb der Bevölkerung zu erfahren. Die Forscher setzten die Umfrageberichte dann in Bezug zu über 20.000 veröffentlichten Regierungsreden und stellten dabei sprachliche Ähnlichkeiten fest.

Ergebnis der Studie: Reden der Bundesregierung ähneln Umfrageberichten

Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass sich die Kommunikation der Bundesregierung der öffentlichen Meinung anpasst. Denn: Sobald das Bundespresseamt repräsentative Umfragen an das Bundeskabinett und die Bundeskanzlerin weitergeleitet hat, modifiziert sich die Rhetorik der Bundesregierung. Es änderten sich dabei allerdings nicht nur die Themen der Reden, sondern auch deren inhaltliche Position.

Auch in Corona-Krise: Bundesregierung hat gesellschaftliche Mitte im Blick

Die Forscher folgerten daraus weiter, dass die Bundesregierung nicht nur den jeweiligen Parteibasen folge, sondern die gesellschaftliche Mitte im Blick habe, die in den Umfragen abgebildet werde. "Angesichts der bewegten Diskussion zu Covid-19 ist es aufschlussreich zu sehen, dass die Bundesregierung die Meinung der Bevölkerung genau registriert und sprachlich reflektiert", erklärte der Wissenschaftler Hager.