Deutschland im Vergleich
: Warum ist Thüringens Bildung so gut?

Im Bundesland Thüringen ist das Bildungssystem deutschlandweit mit am besten. Welche Ursachen gibt es für die gute Bildung in Thüringen?
Von
Theresa Thiem
Erfurt
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Digitalassistenten schulen Lehrkräfte: PRODUKTION - 26.08.2024, Sachsen-Anhalt, Zörbig: Die Digitalassistenten Antje Wachsmuth und Max Horn vor einer neuen digitalen Tafel in der Sekundarschule Zörbig.. Sie schulen die Lehkräfte im Umgang mit der digitalen Tafel. (zu dpa: «Schule wird digital - von Chancen, Störenfrieden und dicken Fingern») Foto: Heiko Rebsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Welche Faktoren machen das Bildungssystem in Thüringen so gut? Ein Überblick.

Heiko Rebsch/dpa
  • Thüringen hat 2024 im Bildungsmonitor den vierten Platz erreicht.
  • Hohe Bildungsausgaben und viele Hochschulabsolventen sind Gründe für Thüringens Erfolg.
  • Ganztagsbetreuung und gute Lesekompetenzen tragen ebenfalls zur hohen Bildungsqualität bei.
  • Schwächen gibt es in Internationalisierung, Digitalisierung, Integration und Forschungsorientierung.
  • Beste Bundesländer: Sachsen, Bayern, Hamburg. Thüringen auf Platz 4.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im aktuellen Bildungsmonitor für das Jahr 2024 zeigt sich, wie gut die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer abgeschnitten haben. Der Bildungsmonitor ist eine seit 2004 jährlich erstellte Vergleichsstudie des INSM - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die mithilfe von 98 Indikatoren in 13 verschiedenen Handlungsfeldern bewertet, inwiefern ein Bundesland die Bildungsarmut reduziert und zur Fachkräftesicherung beiträgt. Damit thematisiert der Bildungsmonitor den Beitrag zu Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft durch das Bildungssystem eines Bundeslandes. Mit der viertbesten Bildung konnte Thüringen ausgezeichnet werden.

Doch warum hat Thüringen ein so gutes Bildungssystem? Hier gibt es einen Überblick über die Ursachen und Faktoren für Thüringens gute Bildung. Und auch darüber, wie die anderen Bundesländern abgeschnitten haben.

Welche Faktoren führen zu Thüringens guter Bildung?

Thüringen gehört deshalb zu den Top 5 der Bundesländer mit den besten Bildungssystemen, weil es vor allem in den Handlungsfeldern: Ausgabenpriorisierung, Hochschule/MINT, Förderinfrastruktur, Bildungsarmut, Schulqualität und Berufliche Bildung gute oder sehr gute Werte aufweist. Um einige Beispiele zu nennen, ist es in Thüringen so, dass...

  • die Bildungsausgaben pro Berufsschüler und Berufsschülerin höher sind als im Bundesdurchschnitt;
  • es gemessen an der akademischen Bevölkerung viele Hochschulabsolventen und Hochschulabsolventinnen gibt;
  • viele Kinder Ganztagsangebote von Kitas und Grundschulen besuchen;
  • vergleichsweise viele Jugendliche die Mindeststandards im Lesen erreichen;
  • die Neuntklässler und Neuntklässlerinnen im Durchschnitt hohe Kompetenzen im Lesen erreichen;
  • der Anteil der Jugendlichen ohne Ausbildungsangebot der niedrigste in Deutschland ist.

Welche Stärken hat das Bildungssystem Thüringens?

  • Ausgabenpriorisierung: Hier erhält Thüringen den zweiten Platz aller Bundesländer. Das liegt daran, dass Thüringen dem Ausgabeverhalten für Bildung eine hohe Priorität zuweist. Dies zeigt sich auch in der Praxis anhand von Ausgaben pro Schüler und Schülerin an Teilzeit-Berufsschulen in Höhe von 5.200 Euro. Der Bundesdurchschnitt liegt dabei bei 4.100 Euro pro Schüler und Schülerin.
  • Hochschule und MINT: Auch dabei erhält Thüringen den zweiten Platz vom Bildungsmonitor. So war die Relation der Studienabsolventen und Studienabsolventinnen zur akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2022 überdurchschnittlich. Die sogenannte Akademikersatzquote betrug in Thüringen 5,9%. Außerdem gibt es in Thüringen verhältnismäßig viele Studierende.
  • Förderinfrastruktur: Mit einem Anteil von ganztags betreuten Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren in Höhe von 91% (im Bundesdurchschnitt sind es nur 46,6%) verdient sich Thüringen bei der Förderinfrastruktur den dritten Platz. Zudem gab es in Thüringen im Jahr 2022 mit einer Quote von 88,9% Grundschulkindern in Ganztagsschulen den bundesweit dritthöchsten Anteil. Bei den Ganztagsschülern und -schülerinnen der Sekundarstufe I gab es dagegen sogar einen unterdurchschnittlichen Wert von nur 21,1%.
  • Bildungsarmut: Erneut sichert sich Thüringen hier den dritten Platz. Insbesondere bei der IQB-Kompetenzerhebung für die neunten Klassen gehörte im Lesen eine unterdurchschnittlich kleine Anzahl an Schülern und Schülerinnen zu der Risikogruppe, den Mindeststandard nicht zu erreichen. Allerdings fiel der Anteil an Schulabgängern und Schulabgängerinnen ohne Abschluss mit 9,3% höher aus als im Bundesdurchschnitt.
  • Schulqualität: Hier erreicht Thüringen aufgrund der vorwiegend guten Ergebnisse bei den letzten IQB-Schulleistungstests für die Schüler und Schülerinnen der neunten sowie vierten Klasse den vierten Platz. So erzielten die thüringischen Neuntklässler und Neuntklässlerinnen im Bereich der Lesekompetenzen überdurchschnittliche Leistungen.
  • Berufliche Bildung: Auch hier erhält Thüringen den vierten Platz. Das liegt daran, dass der Übergang von der Schule in den Beruf in Thüringen verhältnismäßig gut gelingt. Bei der Quote der Bewerber und Bewerberinnen, die keine Stelle erhalten haben, erzielt Thüringen zudem mit 3,8% den Bestwert aller Bundesländer. Allerdings ist die Ausbildungsquote mit 62,9% im Jahr 2023 etwas unter dem Bundesdurchschnitt.

Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial im Thüringer Bildungssystem?

Obwohl das Thüringer Bildungssystem viele Stärken und Qualitäten aufweist, gibt es einige Faktoren, die noch verbessert werden könnten. So vor allem in den Handlungsfeldern Internationalisierung, Digitalisierung, Integration und Forschungsorientierung. In Thüringen fehlt es nämlich unter anderem an Fremdsprachenunterricht für Berufsschüler und Berufsschülerinnen, an IT-Ausbildungen an Berufs- und Hochschulen sowie an Einwerbung von Drittmitteln pro Professor oder Professorin. Außerdem bleibt ein hoher Anteil der ausländischen Schulabgänger und Schulabgängerinnen ohne Abschluss.

  • Internationalisierung: Hier erhält Thüringen mit den 14. Platz, da der Anteil der Berufsschüler und Berufsschülerinnen mit Fremdsprachenunterricht mit 38,9% einen unterdurchschnittlichen Wert erzielte. Dazu kommt, dass die Englisch-Kompetenzen bei der IQB-Erhebung aus dem Jahr 2022 in der neunten Klasse sowohl im Lesen als auch im Hörverständnis unterdurchschnittlich ausfielen.
  • Digitalisierung: Auch in diesem Handlungsfeld erhält Thüringen den 14. Platz. Ein Grund dafür ist der, dass die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge im IT-Bereich pro 100.000 Erwerbstätige mit 25,6 wesentlich geringer ist als im Bundesdurchschnitt. Zudem fällt auch die Anzahl der IT-Hochschulabsolventen und -absolventinnen pro 100.000 Erwerbstätige mit 54,3 unterdurchschnittlich aus.
  • Integration: Erneut liegt Thüringen hinten auf dem 14. Platz. Zwar gab es bei den Neuntklässlern und Neuntklässlerinnen im Jahr 2022 in Thüringen einen positiv zu bewertenden geringen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg im Lesen. Jedoch ist der Anteil ausländischer Schulabgänger und Schulabgängerinnen ohne Abschluss in Thüringen mit 26,7% wesentlich höher als der Bundesdurchschnitt, der bei 16% liegt.
  • Forschungsorientierung: Hierbei hat Thüringen es auf den 13. Platz geschafft. Einen der letzten Plätze erhält Thüringen unter anderem deshalb, weil die Zahl der Habilitationen pro 100 Professoren und Professorinnen in Thüringen nur 2,2 beträgt. Auch bei den eingeworbenen Drittmitteln pro Professor und Professorin besteht noch Verbesserungspotenzial.

Wie schneiden die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer ab?