Deutschland im Vergleich
: Was macht die Bildung in Baden-Württemberg so gut?

Baden-Württemberg gehört zu den Bundesländern mit den besten Bildungssystemen. Welche Faktoren machen die Bildung dort so gut? Und wo gibt es vielleicht noch Verbesserungspotenzial?
Von
Theresa Thiem
Stuttgart
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Studierende im Hörsaal

Welche Faktoren machen die Bildung und das Bildungssystem in Baden-Württemberg so gut? Ein Überblick.

Peter Kneffel/dpa
  • Baden-Württemberg hat eines der besten Bildungssysteme in Deutschland, belegt Platz 5.
  • Hohe Anzahl an Digitalisierungspatenten und niedrige Quote vorzeitig aufgelöster Verträge.
  • Erfolgsquote bei dualen Ausbildungen und gute Betreuungsbedingungen in Kindergärten.
  • Verbesserungsbedarf bei Ganztagsbetreuung und Ausgaben für Grundschulen.
  • Im Bildungsmonitor 2024 erreichen Bayern Platz 2 und Sachsen Platz 1.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im aktuellen Bildungsmonitor für das Jahr 2024 zeigt sich, wie gut die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer abgeschnitten haben. Der Bildungsmonitor ist eine seit 2004 jährlich erstellte Vergleichsstudie des INSM - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die mithilfe von 98 Indikatoren in 13 verschiedenen Handlungsfeldern bewertet, inwiefern ein Bundesland die Bildungsarmut reduziert und zur Fachkräftesicherung beiträgt. Damit thematisiert der Bildungsmonitor den Beitrag zu Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft durch das Bildungssystem eines Bundeslandes. Hierbei gehört Baden-Württemberg mit dem fünften Platz noch zu den Top 5 mit den besten Bildungssystemen.

Doch warum hat Baden-Württemberg ein so Bildungssystem? Hier gibt es einen Überblick über die Ursachen und Faktoren für Baden-Württembergs gute Bildung. Und auch darüber, wie die anderen Bundesländern abgeschnitten haben.

Was macht die Bildung in Baden-Württemberg so gut?

Die Bildung in Baden-Württemberg gehört zu den besten des Landes. Das liegt insbesondere an diesen Faktoren, in denen Baden-Württemberg gute Leistungen aufweist: Digitalisierung, Zeiteffizienz, berufliche Bildung, Betreuungsbedingungen und Hochschule/MINT. Beispielsweise setzt Baden-Württemberg folgende Aspekte gut um:

  • Es gibt die höchste Anzahl an Patenanmeldungen in Digitalisierungstechnologien pro 100.000 Beschäftigte
  • In Baden-Württemberg gibt es den geringsten Anteil an vorzeitig aufgelösten Arbeitsverträgen
  • Es gibt im Bundeslandvergleich die höchste Erfolgsquote bei dualen Ausbildungen
  • Die Betreuungsrelationen in Kindergärten sind sehr gut
  • Es gibt viele Hochschulabsolventen und Hochschulabsolventinnen sowie dual Studierende

Was sind die Stärken von Baden-Württembergs Bildungssystem?

  • Digitalisierung: Hier belegt Baden-Württemberg mit ganzen 77 Anmeldungen von Digitalisierungspatenten pro 100.000 Beschäftigte im Jahr 2021 sogar den ersten Platz. Zudem fällt auch die Ausbildungsleistung im IT-Bereich überdurchschnittlich hoch aus. Sowohl die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge pro 100.000 Erwerbstätige als auch die Anzahl an IT-Hochschulabsolventen und -absolventinnen pro 100.000 Erwerbstätige fällt höher aus als im Bundesdurchschnitt
  • Zeiteffizienz: Erneut belegt Baden-Württemberg einen ersten Platz. Das liegt insbesondere daran, dass die Quote der vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträge bei nur 29,2% liegt. Außerdem liegt das Durchschnittsalter der Erstabsolventen und Erstabsolventinnen eines Hochschulstudiums in Baden-Württemberg bei 25 Jahren. Auch fiel die Wiederholerquote in der Sekundarstufe I mit 1,9% geringer aus als im Bundesdurchschnitt.
  • Berufliche Bildung: Hierbei hat Baden-Württemberg den dritten Platz belegt. Zum einen aufgrund des Bestwertes von 92,4% in der Erfolgsquote bei den Abschlussprüfungen von dualen Ausbildungen, zum anderen wegen des hohen Stellenangebots (71,9%) an betrieblichen Ausbildungsplätzen in Relation zur Größe der jungen Bevölkerung. Hinzu kommt, dass die Quote der Bewerber und Bewerberinnen, die keine Stelle gefunden haben, mit 5,4% geringer ist als der Bundesdurchschnitt.
  • Betreuungsbedingungen: Mit dem vierten Platz bei den Betreuungsbedingungen, ist Baden-Württemberg erneut in den Top 5 gelandet. So kamen beispielsweise im Jahr 2023 nur 4,5 Kindergartenkinder auf einen Betreuer oder eine Betreuerin, während es im Bundesdurchschnitt 5,5 Kinder pro Betreuer oder Betreuerin waren. Außerdem weisen die Klassen an den Grundschulen mit 19,9 Schülern und Schülerinnen eine verhältnismäßig kleine Klassengröße und damit ebenfalls gute Betreuungsrelationen auf. Auch die Betreuungsrelation an den Hochschulen ist sehr gut.
  • Hochschule und MINT: Mit 1,66 Millionen Akademikern und Akademikerinnen im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2022, erreicht Baden-Württemberg hier den vierten Platz. Etwa 78.700 Studierenden erreichten im gleichen Jahr einen Hochschulabschluss - eine Quote, die mit 4,7% etwas über dem Bundesdurchschnitt liegt. Gemessen an der 18- bis 20-jährigen Bevölkerung weist Baden-Württemberg zudem relativ viele Studienanfänger und Studienanfängerinnen in dualen Studiengängen auf. Allerdings bildete Baden-Württemberg 2022 relativ wenige MINT-Akademiker und -Akademikerinnen aus.

Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial am baden-württembergischen Bildungssystem?

Trotz vieler guter Aspekte von Baden-Württembergs Bildung gibt es noch verbesserungsfähige Handlungsfelder. Dazu gehören insbesondere die Förderinfrastruktur sowie die Ausgabenpriorisierung. So besuchen beispielsweise nur wenige Kinder eine Kita-Ganztagseinrichtung und die Ausgaben pro Grundschulkind liegen unter dem Bundesdurchschnitt.

  • Förderinfrastruktur: Hierbei belegt Baden-Württemberg nur den 12. Platz. Das liegt mitunter daran, dass der Anteil der drei- bis sechs-jährigen Kinder in Ganztagsbetreuung mit nur 23,5% den bundesweit niedrigsten Wert darstellt. Auch der Anteil von Schülern und Schülerinnen in Sekundarstufe I an Ganztagsschulen fiel mit 43,4% unterdurchschnittlich aus. Auch im Grundschulbereich befinden sich nur 48,5% der Kinder in Ganztagsschulen.
  • Ausgabenpriorisierung: Insbesondere wegen der relativ geringen Ausgaben, vor allem an Grundschulen, belegt Baden-Württemberg hier im Bildungsmonitor 2024 den 11. Platz. So gibt Baden-Württemberg mit 7.400 Euro pro Grundschulkind verhältnismäßig wenig Geld pro Schüler und Schülerin aus. Auch für die sonstigen allgemeinbildenden Schulen sowie die Berufsschulen im dualen System werden unterdurchschnittliche Werte erzielt.

Wie schneiden die Bildungssysteme der anderen Bundesländer ab?

  • Baden-Württemberg: Platz 5
  • Bayern: Platz 2
  • Berlin: Platz 12
  • Brandenburg: Platz 15
  • Bremen: Platz 16
  • Hamburg: Platz 3
  • Hessen: Platz 7
  • Mecklenburg-Vorpommern: Platz 13
  • Niedersachsen: Platz 8
  • Nordrhein-Westfalen: Platz 14
  • Rheinland-Pfalz: Platz 9
  • Saarland: Platz 6
  • Sachsen: Platz 1
  • Sachsen-Anhalt: Platz 11
  • Schleswig-Holstein: Platz 10
  • Thüringen: Platz 4