Kolumne Bucks heile Welt: Alles am Stiel, oder was?

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Autorenfoto © Foto: Christian Käsmayr
Ulm / Gerlinde Buck 15.07.2017

„Eis am Stiel ist die fortschrittliche Methode, gefrorene Süßware in attraktiver Form und angebrachter Weise verzehren zu können, ohne sie dabei durch Kontakt mit Hand, Teller oder Gabel zu beschmutzen.“ Es gibt Sätze, die kann man hundertmal lesen, und sie verlieren nicht an Reiz. Im Gegenteil, sie werden von Mal zu Mal schöner.  Satzglied für Satzglied, Wort für Wort. Gefrorene Süßware! In  angebrachter Weise verzehren! Ohne die Ware durch Kontakt mit Hand, Teller oder Gabel zu beschmutzen!

Schade, dass das Abi 2017 schon durch ist. Die zitierte „Patentanmeldung zum Eis am Stiel“ von 1923 eignet  sich 1A für eine vergleichende Textanalyse: „Arbeiten Sie die Grundgedanken der Patentanmeldung Eis am Stiel heraus und vergleichen Sie sie mit einem ,Rezept für Lachs-Lollis’ von 2017“.

Hier auf alle Fälle schon mal ein Lösungsansatz: Im alten Eis-Text ging es um Essen mit Stiel und Stil, das neue Lolli-Rezept hingegen kündet nur noch vom Style – der Lebensart von Leuten, die an Lebensmitteln lutschen. Egal ob Kuchen, Rettich oder Fisch: Alles, was man am besten und in angebrachter Weise mit  Messer und Gabel verzehrt, muss heutzutage an einen Stecken. Und dann nennt es der  Spießer auch noch „Lachs-Lolli“. Sogar in Süddeutschland, dem Land der Schlotzer!

Da fällt einem doch glatt die einzig wahre Stiel-Ware aus der Hand: ein Flutschfinger.