Bosman-Entscheidung
: Wie die Europäische Union 1995 die Fußball-Welt veränderte

Vor knapp drei Jahrzehnten stand der europäische Fußball vor einem Wendepunkt. Ohne die Bosman-Entscheidung wäre der moderne Fußball anders, als wir ihn heute kennen.
Von
David Hahn
Luxemburg
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Handball-Bundestrainer Heiner Brand (l) am 4.10.1996 und Fußball-Bundestrainer Berti Vogts (r) am 16.6.92. Ein Jahr nach dem Bosman-Urteil befand sich der Team-Sport in einer Evolution.

Handball-Bundestrainer Heiner Brand (l) am 4.10.1996 und Fußball-Bundestrainer Berti Vogts (r) am 16.6.92. Nach dem Bosman-Urteil befand sich der Team-Sport in einer Evolution.

picture-alliance / dpa | Ulli_Deck/Bernd_Weissbrod

Im Dezember 1995 fällte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg ein wegweisendes Urteil, welches die Fußballwelt für immer verändern sollte. Benannt wurde der Fall nach dem belgischen Fußballspieler Jean-Marc Bosman, der dabei als Kläger auftrat. Das Urteil ging als die sogenannte Bosman-Entscheidung in die Geschichtsbücher ein.

Fußballgeschichte: Der Profisport bis 1995

Das Bosman-Urteil revolutionierte den Transfermarkt und die Vertragsbedingungen von Fußballprofis. Vor dem Urteil waren die Transfers von Spielern innerhalb der Europäischen Union bis 1995 stark reglementiert. Vereine konnten Spieler auch nach Vertragsende nur mit Zustimmung ihres aktuellen Clubs verpflichten. Dieser konnte bis dato auch eine Ausbildungsentschädigung verlangen. Selbst für die Zusammensetzung der Teams galten bestimmte Vorschriften, die sich nicht nach der Leistung, sondern der Staatsangehörigkeit richteten. Aufgrund der „3+2“-Regel der UEFA durften pro Team höchstens drei ausländische und zwei „assimilierte“ Spieler in europäischen Wettbewerben spielen. Das alles änderte sich, als in Luxemburg 1995 der Hammer fiel.

Bosman-Entscheidung: Das Urteil des EuGH

Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) entschied 1995, dass der Grundsatz der Freizügigkeit der Arbeitnehmer in der EU auch auf Profifußballer zutrifft. Diese durften damit nach Vertragsende ablösefrei und ohne Zustimmung des bisherigen Vereins wechseln. Spieler konnten von da an ihre Karriere und ihr Gehalt selbstbestimmter gestalten. Spielertransfers und die Gehälter der Profis nahmen massiv zu, da sie nun in der Lage waren, mit mehreren Vereinen Vertragsverhandlungen zu führen und bessere Konditionen auszuhandeln. Vereine begannen zudem, verstärkt auf den Transfermarkt zu setzen, um ihre Kader zu auszubauen.

Der Grundstein für multinationale Mannschaften

Mit dem Urteil wurde auch beschlossen, dass im Profifußball niemand mehr wegen seiner Staatsangehörigkeit benachteiligt werden darf. Quoten wie der „3+2“-Regel der UEFA setzte der EuGH ein Ende, sodass heute keine Beschränkung mehr für die Zahl der EU-Ausländer in einer Mannschaft gilt. Mittlerweile wurde die Bosman-Entscheidung zudem auf Spieler aus Ländern außerhalb der EU ausgeweitet, die bereits in einem EU-Mitgliedstaat spielten. Mit dem Urteil wurde somit der Grundstein für die multinationalen Mannschaften gelegt, welche im Fußball heutzutage gang und gäbe sind.

Auswirkungen der EU auf den Alltag

Nach Schätzungen der UEFA (Union of European Football Associations) gab es 2019 mehr als 50 000 Profifußballer in der EU. Auf Amateur- und Freizeit-Niveau liegt die Zahl um ein Vielfaches höher. Auch wenn die Entscheidungen auf europäischer Ebene manchmal weit weg erscheinen, prägen sie doch den Alltag von mehreren hundert Millionen Menschen.

Am 9. Juni ist Europawahl. Mehr Infos zur Europawahl 2024 gibt es hier auf unserer Europawahl-Themenseite.

Quellen:

*Die Europäische Union bietet mit der Webseite EUR-Lex einen Zugang zu den Rechtsdokumenten der EU.