• Die Gesundheitsminister der Länder wollen die Booster-Impfung jetzt für alle.
  • Booster-Impfung in Form von Kreuzimpfungen und dritte Imfpung gegen Corona: Beides gibt es aktuell schon.
  • In den USA werden voraussichtlich Zweitimpfungen mit Johnson&Johnson zugelassen, in Deutschland sind mRNA-Impftoffe empfohlen.
  • Biontech und Moderna werden in Deutschland bereits als Auffrischung ein drittes Mal an über 70-Jährige verimpft.
  • Was gilt es bei welchem Impfstoff zu beachten? Sind Kreuzimpfungen möglich? Was sind die Nebenwirkungen? Wann ist die 3. Impfung nötig? Ein Überblick.
Angesichts der weiter steigenden Corona-Inzidenz in Deutschland werden immer mehr Forderungen nach Auffrischungsimpfungen laut. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte einen Bund-Länder-Gipfel zu dem Thema. Beim Treffen der Gesundheitsminister der Länder wurde sich aktuell darauf verständigt, Auffrischungsimpfungen für alle, deren Impfung mehr als sechs Monate zurück liegt, zu empfehlen.

Booster-Impfung für alle: Das wollen die Gesundheitsminister der Länder

Nach Beratungen haben sich die Gesundheitsminister der Länder auf einheitliche Maßnahmen im Umgang mit der sich immer weiter verschärfenden Corona-Lage verständigt. Klaus Holetschek (CSU), Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz und bayerische Gesundheitsminister sagte heute, Freitag, 05.11.21 in Lindau, es solle Auffrischungsimpfungen für alle geben, deren zweite Impfung mehr als sechs Monate her ist. Aufgrund der schwierigen Lage auf den Intensivstationen und in den Alten- und Pflegeeinrichtungen müssten altere und vorerkrankte Menschen sowie medizinisches und pflegerisches Personal die Booster-Impfungen schnell erhalten, sagte Holetschek.
In den Gruppen ab 70 Jahren, für die auch die Ständige Impfkommission (Stiko) mittlerweile eine Auffrischungsimpfung empfiehlt, fällt der Anstieg der Corona-Zahlen meist leichter aus. Größer ist er vor allem bei den Hochaltrigen über 90 Jahre – der Wert stieg in der vergangenen Woche. Im höheren Alter falle die Immunantwort nach Impfungen gegen Corona insgesamt geringer aus und Impfdurchbrüche könnten häufiger auch zu einem schweren Verlauf führen, hieß es kürzlich in der Stiko-Begründung zu den Booster-Impfungen.

Booster-Impfung gegen Corona nach Johnson: mRNA-Impfstoff Biontech oder Moderna empfohlen

Beim Bundesministerium für Gesundheit wird für die Menschen, die ihre Erstimpfung mit Johnson erhalten haben, eine zweite mRNA-Dosis empfohlen: Personen, die bisher eine Impfstoffdosis des Covid-19-Vakzin Janssen von Johnson & Johnson erhalten haben, sollen für eine optimierte Grundimmunisierung eine zusätzliche mRNA-Impfstoffdosis ab vier Wochen nach der Janssen-Impfung erhalten. Das wurde im Rahmen der Gesundheitsministerinnen- und Gesundheitsministerkonferenz vom 11. Oktober 2021 beschlossen.

Nebenwirkungen/Impfreaktionen bei Booster-Impfungen gegen Corona

Die ersten klinischen Studien zeigen, dass homologe sowie Kreuzimpfungen bei der Auffrischung sicher, verträglich und wirksam ist, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Zu diesem Ergebnis sei auch das National Institute of Health (NIH) in den USA gekommen. Bei mehr als 450 untersuchten Menschen mit unterschiedlichem Impfschema bei der dritten Dosis, seien ähnliche und erwartbare Immunantworten aufgetreten. Folgende Nebenwirkungen bzw. Impfreaktionen kamen beispielsweise vor:
  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • Unwohlsein
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Erkältungssymptome

Biontech als Booster gegen Corona: Studie zeigt Wirksamkeit von 95 Prozent

Eine dritte Impfung mit dem Corona-Vakzin von Biontech und Pfizer zeigt nach Angaben der beiden Unternehmen eine Wirksamkeit von über 95 Prozent. Sicherheitsbedenken oder unbekannte Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden, teilte das Unternehmen unter Berufung auf eine Untersuchungsreihe mit über 10.000 Teilnehmern mit. Die verabreichte Dosis war den Angaben zufolge genauso hoch wie bei den ersten beiden Impfungen. Die Studie sei in einem Zeitraum erfolgt, in der Delta die vorherrschende Virusvariante gewesen sei, erklärten Biontech und Pfizer. Alle Studienteilnehmer waren vor Beginn der Studie zweimal mit dem Pfizer-Biontech-Impfstoff geimpft worden. Ihr Durchschnittsalter lag bei 53 Jahren. Zwischen Zweitimpfung und Auffrischung lag im Mittel ein Abstand von elf Monaten. Während des Studienzeitraums gab es den Angaben zufolge in der Gruppe der Auffrischungsimpfungen fünf Covid-19-Fälle, während in der Placebo Gruppe 109 Fälle auftraten. Es habe sich gezeigt, dass eine Auffrischung den hohen Impfschutz, der nach der zweiten Dosis erreicht worden sei, wiederherstelle, erklärten die Unternehmen. „Diese wichtigen Daten erweitern den bestehenden Kenntnisstand und zeigen, dass Auffrischungsimpfungen dabei helfen können, große Teile der Bevölkerung vor diesem Virus und seinen Varianten zu schützen“, sagte Biontech-Chef Ugur Sahin.

Zweitimpfung mit Johnson&Johnson soll in USA zugelassen werden

In den USA sollen bald auch Corona-Impfungen als „Booster“ mit Janssen von Johnson&Johnson zugelassen werden: Ein Expertenausschuss der US-Arzneimittelbehörde FDA hat grünes Licht für Auffrischungsimpfungen mit dem Corona-Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson (J&J) gegeben. Eine offizielle Notfallzulassung für die Zweitimpfung mit dem Vakzin wird in den kommenden Tagen oder Wochen erwartet. Die Empfehlung gilt für alle Erwachsene, deren Impfung bereits länger als zwei Monate her ist. In den USA haben etwa 15 Millionen Menschen die Impfung mit dem J&J-Vakzin erhalten. Im Unterschied zu den mRNA-Impfungen von Biontech/Pfizer und Moderna wird bei J&J bisher nur eine Impfdosis verabreicht. Einige Experten argumentierten ohnehin, dass eine Zweitimpfung gar nicht als Auffrischungsimpfung betrachtet werden sollte, sondern als für eine vollständige Immunisierung gegen das Coronavirus notwendige Impfung. Das Vakzin von J&J hat eine geringere Wirksamkeit als die mRNA-Impfstoffe. Daten aus einer klinischen Studie, die das Unternehmen vorlegte, zeigten aber einen Anstieg der Wirksamkeit des Impfstoffs von 70 auf 94 Prozent bei Verabreichung einer zweiten Dosis rund zwei Monate nach der ersten Impfung.

3. Corona-Impfung: Booster mit Moderna in Deutschland möglich

Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema gab am 04.10.21 ebenfalls grünes Licht für die Booster-Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff von Moderna. Die mRNA-Impfstoffe können Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem frühestens 28 Tage nach der zweiten Dosis bekommen. Ab einem Alter von 18 Jahren kann ein Booster für Menschen mit einem „normalen“ Immunsystem mindestens sechs Monate nach der zweiten Dosis möglich werden.

3. Impfung gegen Corona mit Biontech: mRNA-Booster ist zugelassen

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus mit dem Biontech-Impfstoff am 4. Oktober 2021 genehmigt. Eine Booster-Impfung mit dem Corona-Vakzin des Mainzer Unternehmens und seines US-Partner Pfizer komme für Menschen ab 18 Jahren in Betracht, erklärte die EMA. Die dritte Impfung soll demnach frühestens sechs Monate nach Verabreichung der zweiten Dosis erfolgen. Einige Länder haben bereits damit begonnen, Auffrischungsimpfungen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen anzubieten. In Deutschland werden etwa Bewohner und Beschäftigte von Pflegeheimen sowie medizinisches Personal erneut geimpft. Befürworter einer Drittimpfung argumentieren, eine zusätzliche Impfdosis erhöhe den Schutz vor einer Infektion. Kritiker fordern dagegen, zuerst nicht gegen das Coronavirus geimpfte Menschen etwa in Entwicklungsländern zu immunisieren.

Kreuzimpfung Corona: Vektorimpfstoff Astrazeneca/Johnson und mRNA-Impfstoff

Für Auffrischimpfung empfiehlt die Stiko einen der mRNA-Impfstoffe Moderna oder Biontech. Möglichst der, der bei der Grundimmunisierung verwendet wurde – also ein „homologes Impfschema“. Wenn das nicht möglich ist, kann auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff verabreicht werden. Auch bei Vektorimpfstoffen soll die Auffrischung mit einem mRNA-Vakzin erfolgen: Wer vollständig mit Astrazeneca oder Johnson&Johnson geimpft ist, sollte in Deutschland also dennoch als Booster einen mRNA-Impfstoff bekommen – also eine heterologe Immunisierung bzw. Kreuzimpfung.

Wann ist eine Booster-Impfung nötig?

Welche Person wann eine Auffrischungsimpfung benötigt, hängt vom verabreichten Impfstoff bei der Erst- bzw. Zweitimpfung gegen das Coronavirus ab. Bei den mRNA- Impfstoffen soll die dritte Impfung für Menschen ab 18 Jahren, mit „normalem“ Immunsystem, frühestens sechs Monate nach Verabreichung der zweiten Dosis erfolgen. Sowohl bei Biontech als auch bei Moderna können Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem den Booster auch früher erhalten – frühestens 28 Tage nach der zweiten Dosis.

Booster-Impfung für jeden?

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dringt auf rasche Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus für Menschen ab 70 Jahren. Im Sender Phoenix verwies er auf eine zunehmende Zahl von Impfdurchbrüchen in dieser Altersgruppe, die auch zu schweren Erkrankungen führten. „Von daher wollen wir bei den Booster-Impfungen auch dort anfangen“, sagte der SPD-Politiker.
Auf längere Sicht hält es Lauterbach demnach für wahrscheinlich, dass alle Impfwilligen die so genannten Booster-Impfungen erhalten. "Darauf wird es wahrscheinlich hinauslaufen", sagte der Gesundheitsexperte, denn offensichtlich reichten zwei Impfungen nicht aus, um Infektionen dauerhaft zu vermeiden. Zwar führten diese in der Regel nicht zu schweren Erkrankungen, es werde aber viele Menschen geben, die auch eine Infektion vermeiden wollten.

Mehr Tempo bei Booster-Impfungen gefordert - „erschreckende Corona-Zahlen“

Besonders Ältere und Risikogruppen sollen mehr Dritt-Impfungen gegen das Coronavirus erhalten. Experten und Politiker fordern mehr der sogenannten Booster-Impfungen. Diese können in der Regel sechs Monate nach dem zweiten Piks verabreicht werden, damit weitere Antikörper gebildet werden. „Booster-Impfungen für die vulnerablen Gruppen werden gerade mit Blick auf die steigenden Zahlen dringend gebraucht“, sagte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Leider ist das nicht bundesweit einheitlich geregelt, so dass es mancherorts zu Verzögerungen kommt.“
Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich deutlich für die Booster aus: Er sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „In Anbetracht der steigenden Fallzahlen auch bei Älteren ist eine neue Impfkampagne zur Nutzung der Booster-Impfungen in dieser Altersgruppe jetzt unbedingt nötig.“ Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow forderte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mehr Tempo bei den Auffrischungen. „Drittimpfungen müssen jetzt so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden, die aktuellen Coronazahlen sind erschreckend.“ Hennig-Wellsow betonte, „für die dritte Impfung muss genauso geworben werden wie weiterhin auch für die erste und zweite“.
Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, er messe „der Booster-Impfung einen sehr wichtigen Part in der Bekämpfung der Pandemie bei“. Dies gelte für Patientinnen und Patienten wie für das Krankenhauspersonal.

So viele der über 70-Jährigen haben ein Angebot für die Dritte Corona-Impfung

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, beklagte den „schleppenden Verlauf“ bei den Drittimpfungen. „Die Kassenärztlichen Vereinigungen tragen die Verantwortung dafür, dass nach gut drei Monaten gerade mal zwölf Prozent der über 70-Jährigen ein drittes Impfangebot erhalten haben“, sagte Brysch der NOZ. „Jetzt rächt es sich, dass gerade auf Druck der Kassenarztfunktionäre die Impfzentren und mobilen Teams größtenteils abgeschafft wurden.“