Biotonnen-Kontrollen in BW: Wer diesen Fehler macht, riskiert ein Bußgeld

Biotonnen-Kontrollen sollen im September 2025 in Baden-Württemberg dafür sorgen, dass in Zukunft mehr Biomüll zu Energie und Kompost verarbeitet werden kann.
Patrick Seeger/dpaIn vielen Kommunen Baden-Württembergs müssen die Menschen in den kommenden vier Wochen damit rechnen, dass bei der Abholung der Biotonne eine Kontrolle stattfindet. Sind zu viel Plastik und andere Fremdstoffe drin, bleibt der Biomüll stehen oder es wird ein Bußgeld erhoben. Ein sehr beliebtes Produkt darf entgegen der landläufigen Meinung nicht in die Biotonne.
Biotonnen-Kontrollen in Baden-Württemberg: Rote Karte für Müllsünden
Initiiert wurden die Biomüll-Kontrollen vom Verein „wirfuerbio“. Dessen Mitglieder sind kommunale Entsorgungsbetriebe, die sich nun an den Kontrollen beteiligen und in den kommenden vier Wochen ganz genau hinschauen: Wer die eigene Biotonne falsch befüllt hat, bekommt dann die „Rote Karte“. Die wird als Anhänger angebracht oder als Aufkleber auf die Tonne geklebt. Kümmern sich die Bewohnenden des betroffenen Hauses nicht um die Entfernung der Störstoffe, so wird sie später als Restmüll entsorgt. Das könne 40 Euro kosten, heißt es von dem Verein.
Biomüll-Kontrollen: Manche Landkreise in BW nutzen KI
Wie die Biotonnen kontrolliert werden, ist nicht einheitlich geregelt. Vielerorts erfolgt eine Sichtprüfung. Manche Landkreise wie Esslingen oder Böblingen planen in Zukunft, die Biotonnen mithilfe von KI zu prüfen. Andernorts, beispielsweise in Reutlingen oder Pforzheim, wird derartige KI-Technologie bereits eingesetzt. Extra ausgestattete Entsorgungsfahrzeuge scannen die Biotonnen noch vor der Leerung mit KI-basierter Kameraerkennungstechnologie.
Die Sensoren erkennen, ob die Biotonne richtig befüllt ist. Befinden sich zu viele Fremdstoffe in der Biotonne, bleibt diese ungeleert stehen. Sogar Fotos werden automatisch von den Fremdstoffen gemacht. Fallen die Verunreinigungen erst beim Schüttvorgang auf, ist die Tonne laut Stadt zwar geleert, jedoch wird ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet und gegebenenfalls ein Bußgeldbescheid erlassen. Betroffene Haushalte müssen diese dann von Hand nachsortieren und zur nächsten regulären Leerung bereitstellen oder eine Sonderleerung beauftragen. Diese kostet bis zu 80 Euro.
Auch Bioplastik-Beutel sind in BW verboten
Zum Problem können sogenannte Bioplastik-Abfallbeutel werden. Auf den Verpackungen solcher Tüten steht, dass diese kompostierbar sind. Das stimmt zwar in der Regel auch, denn derartige Bioplastik-Produkte sind auf Stärkebasis hergestellt und zersetzen sich tatsächlich irgendwann.
Dennoch dürfen sie in den meistens Kommunen Baden-Württembergs nicht in die Biotonne, so weisen beispielsweise die Entsorgungsbetriebe in Ulm darauf hin, dass Plastiktüten, auch biologisch abbaubare, im Biomüll verboten sind. „Vermeiden Sie unbedingt Plastiktüten, sogenannte biologisch abbaubare/kompostierbare Biomüllbeutel, die nicht aus Papier bestehen!'“, heißt es auf der Webseite des Entsorgers.
Der Grund für das Verbot: Die Zersetzung dauert zu lang für die Kompostierwerke und Vergärungsanlagen. Die sind darauf angewiesen, dass der Biomüll in einem Zeitraum von wenigen Wochen zu Kompost reift bzw. zu Biogas verarbeitet werden kann.
Was gehört in die Biotonne, was nicht?
- In die Biotonne dürfen: Eierschalen, feste Speisereste, Wurst, Fleisch, Fisch, Gemüse- und Obstabfälle (auch Südfrüchte), Kaffeefilter, Kaffeesatz und Teebeutel, Küchen- und Papiertücher, Baum- und Strauchschnitt in Kleinmengen, Laub, Rasenschnitt, Topf- und Balkonpflanzen mit Erde, Unkräuter und Wildkräuter sowie verwelkte Blumen.
- Nicht in die Biotonne gehören: Kunststoffbeutel, flüssige Speisereste (z.B. auch Öle), Getränke, Hydrokultur-Substrat, Kehricht, Kleintierstreu aus mineralischen Materialien, Kohle- und Holzasche sowie Ölruß, Leder- und Kleiderreste, Staubsaugerbeutel, Windeln, Zigarettenkippen und -asche.
Darum ist die richtige Biomüll-Sortierung so wichtig
Biomüll wird für Biogas-Anlagen genutzt, um Energie zu erzeugen. Zudem wird aus den organischen Abfällen Kompost hergestellt, der als Dünger in der Landwirtschaft oder im Garten genutzt wird. Das ist nachhaltig und gut für die Umwelt. Problematisch ist es hierbei allerdings, wenn in den organischen Abfällen Plastik ist und dieses dann als Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Seit Mai 2025 gelten darum strenge staatliche Regeln, denen zufolge Biomüll nicht mehr als ein Prozent des Gewichts an Plastik und insgesamt nicht mehr als drei Prozent Fremdstoffe enthalten darf. Eine Liste der Städte und Kommunen, in denen ab dem 15. September kontrolliert wird, finden Sie hier.
