Bildung in Brandenburg
: Warum die Bildung in dem Bundesland so schlecht ist

Brandenburgs Bildungssystem gehört zu den schlechtesten in Deutschland. Doch was macht die Bildung in Brandenburg so schlecht? Und was lässt sich verbessern?
Von
Theresa Thiem
Potsdam
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Bildung ist nach wie vor ein wichtiges Thema in Deutschland. Trotz vieler Investitionen sind die Ergebnisse bisher enttäuschend. Auch aufgrund der nach wie vor bestehenden Chancenungerechtigkeit.

Welche Aspekte machen das Bildungssystem in Brandenburg zu einem der schlechteren? Wie lässt sich das verbessern?

Bernd Weißbrod/dpa
  • Brandenburg hat das zweitschlechteste Bildungssystem in Deutschland laut Bildungsmonitor 2024.
  • Schwächen in Hochschule, MINT, Digitalisierung, Zeiteffizienz, Betreuungsbedingungen und Forschung.
  • Stärken in Integration und Internationalisierung: Hoher Anteil an Bildungsausländern, geringe Schulabbrecherquote.
  • Vergleich: Sachsen Platz 1, Bayern Platz 2, Brandenburg Platz 15, Bremen Platz 16.
  • Verbesserungspotenzial besteht in allen genannten Schwächenbereichen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im aktuellen Bildungsmonitor für das Jahr 2024 zeigt sich, wie gut die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer abgeschnitten haben. Der Bildungsmonitor ist eine seit 2004 jährlich erstellte Vergleichsstudie des INSM - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die mithilfe von 98 Indikatoren in 13 verschiedenen Handlungsfeldern bewertet, inwiefern ein Bundesland die Bildungsarmut reduziert und zur Fachkräftesicherung beiträgt. Damit thematisiert der Bildungsmonitor den Beitrag zu Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft durch das Bildungssystem eines Bundeslandes. Als Bundesland mit der zweitschlechtesten Bildung wurde 2024 Brandenburg bewertet.

Doch warum hat Brandenburg ein so schlechtes Bildungssystem? Hier gibt es einen Überblick über die Ursachen und Faktoren für Brandenburgs schlechte Bildung. Und auch darüber, wie die anderen Bundesländern abgeschnitten haben.

Warum ist das Brandenburger Bildungssystem so schlecht?

Die schlechte Qualität von Brandenburgs Bildungssystem hat verschiedene Ursachen. Hierzu gehören die Bereiche Hochschule/MINT, Digitalisierung, Zeiteffizienz, Betreuungsbedingungen, Forschungsorientierung und berufliche Bildung. Beispiele für die schlechten Verhältnisse in diesen Handlungsfeldern sind folgende:

  • Es werden gemessen an der akademischen Wohnbevölkerung wenige Personen an Hochschulen ausgebildet
  • An den Hochschulen und in beruflichen Ausbildungen gibt es wenig IT-Nachwuchs
  • Es gibt einen hohen Anteil an verspätet eingeschulten Kindern
  • Es gibt in Kitas viele Kinder pro betreuende Person
  • Die Forschungsausgaben pro Forscher sind die bundesweit niedrigsten
  • Im Verhältnis zur Bevölkerung gibt es relativ wenige Ausbildungsstellen

Wo gibt es Verbesserungspotenzial beim Brandenburger Bildungssystem?

  • Hochschule und MINT: Hier belegt Brandenburg den 16. und damit bundesweit letzten Platz. Das liegt mitunter daran, dass im Jahr zwar etwa 281.000 erwerbsfähige Akademiker und Akademikerinnen in Brandenburg lebten, aber nur 8.300 Studierende einen Hochschulabschluss erreichten. Hieraus ergibt sich der schlechteste Wert aller Bundesländer mit einer Ersatzquote von 3%. Zudem fiel die Relation von Absolventen und Absolventinnen von Ingenieurwissenschaften zu den erwerbsfähigen Ingenieuren und Ingenieurinnen mit 3,7% geringer aus als im Bundesdurchschnitt.
  • Digitalisierung: Auch in diesem Punkt belegt Brandenburg den letzten Platz der Bundesländer. Ein Grund dafür ist der, dass die Anzahl der neuen betrieblichen Arbeitsverträge im IT-Bereich pro 100.000 Erwerbstätige mit 18,8 deutlich niedriger ausfällt als im Bundesdurchschnitt. Auch die Anzahl an IT-Hochschulabsolventen und IT-Hochschulabsolventinnen liegt mit 46,3 pro 100.000 Erwerbstätige bei einem unterdurchschnittlichen Wert.
  • Zeiteffizienz: Erneut liegt Brandenburg auf dem letzten Platz, da dort mit 21,2% überdurchschnittlich viele Kinder verspätet eingeschult werden. Außerdem war der Anteil vorzeitig aufgelöster Ausbildungsverträge mit 34% etwas höher als der Bundesdurchschnitt.
  • Betreuungsbedingungen: Noch einmal erhält Brandenburg den letzten Platz. Das liegt unter anderem daran, dass das Verhältnis von Kindern in Kitas auf Betreuende bei 8,2 Kindern zu einem Betreuer bzw. einer Betreuerin liegt. Im Bundesdurchschnitt sind es 5,5 Kinder pro betreuende Person. Hinzu kommt, dass auch in den Grundschulen, in den Sekundarstufen I und II der Gymnasien sowie an beruflichen Vollzeitschulen die Betreuungsrelationen ungünstig liegen.
  • Forschungsorientierung: Brandenburg liegt dabei auf dem 15. Platz. Ein Grund hierfür ist zum einen der unterdurchschnittliche Wert bei der Anzahl an Promotionen - nur 4,6% aller Abschlüsse an Hochschulen waren Promotionen. Zum anderen fielen 2021 die Forschungsausgaben pro Forscher und Forscherin mit 103.600 Euro deutlich geringer aus als im Bundesdurchschnitt.
  • Berufliche Bildung: Hierbei erhält Brandenburg aufgrund des unterdurchschnittlichen Angebots an betrieblichen Ausbildungsplätzen den 15. Platz. Zudem fällt die Anzahl an Bewerbern und Bewerberinnen, die keine Stelle erhalten haben, mit 9,7% verhältnismäßig hoch aus.

Wo liegen die Stärken von Brandenburgs Bildungssystem?

Obwohl Brandenburgs Bildungssystem im Bundeslandvergleich überwiegend Schwächen aufweist, erhält das Bundesland im Handlungsfeld Integration sogar den ersten Platz. Zudem schneidet Brandenburg in dem Aspekt der Internationalisierung auch verhältnismäßig gut ab. So erreichen beispielsweise nur wenige ausländische Schulabsolventen und -absolventinnen keinen Schulabschluss und der Anteil der Bildungsausländer an allen Studierenden ist hoch.

  • Integration: Hier hat sich Brandenburg den ersten Platz aller Bundesländer geholt. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern ergab sich bei den IQB-Tests aus dem Jahr 2022 der Brandenburger Schüler und Schülerinnen der neunten Klasse ein geringer Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg im Lesen. Hinzu kommt, dass die Schulabbrecherquote bei den ausländischen Jugendlichen bei nur 11,5% lag und damit den deutschlandweiten Bestwert erreicht.
  • Internationalisierung: In Brandenburg erhielten mit 96,2% fast alle Berufsschüler und Berufsschülerinnen Fremdsprachenunterricht, was deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 49,9% liegt. Zudem ist der Anteil an Bildungsausländern und Bildungsausländerinnen an allen Studierenden mit 19,8% verhältnismäßig hoch. Allerdings ist der Anteil der Schüler und Schülerinnen in Brandenburger Grundschulen, die Fremdsprachenunterricht erhalten mit 49,8% leicht unterdurchschnittlich. Alles in allem kommt Brandenburg hier deshalb auf den sechsten Platz.

Wie schneiden die Bildungssysteme der anderen Bundesländer ab?

  • Baden-Württemberg: Platz 5
  • Bayern: Platz 2
  • Berlin: Platz 12
  • Brandenburg: Platz 15
  • Bremen: Platz 16
  • Hamburg: Platz 3
  • Hessen: Platz 7
  • Mecklenburg-Vorpommern: Platz 13
  • Niedersachsen: Platz 8
  • Nordrhein-Westfalen: Platz 14
  • Rheinland-Pfalz: Platz 9
  • Saarland: Platz 6
  • Sachsen: Platz 1
  • Sachsen-Anhalt: Platz 11
  • Schleswig-Holstein: Platz 10
  • Thüringen: Platz 4