Deutschland im Vergleich
: Warum ist die Bildung in Mecklenburg-Vorpommern schlecht?

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Bundesländern mit der schlechtesten Bildung Deutschlands. Woran liegt das und was lässt sich verbessern?
Von
Theresa Thiem
Schwerin
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Vor dem neuen Schuljahr 2024/2025

Was macht die Bildung in Mecklenburg-Vorpommern so verhältnismäßig schlecht? Was lässt sich verbessern?

Bernd Weißbrod/dpa
  • Mecklenburg-Vorpommern belegt im Bildungsmonitor 2024 Platz 13.
  • Mängel: hohe Ausbildungsabbrüche, geringe Bildungsausgaben, schlechte Betreuungsrelationen.
  • Stärken: hohe Promotionsquoten, gute Integration und niedrige Bildungsarmut.
  • Sachsen führt das Ranking an, gefolgt von Bayern und Hamburg.
  • Verbesserungsbedarf bei Zeiteffizienz, Ausgaben und MINT-Bereichen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im aktuellen Bildungsmonitor für das Jahr 2024 zeigt sich, wie gut die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer abgeschnitten haben. Der Bildungsmonitor ist eine seit 2004 jährlich erstellte Vergleichsstudie des INSM - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die mithilfe von 98 Indikatoren in 13 verschiedenen Handlungsfeldern bewertet, inwiefern ein Bundesland die Bildungsarmut reduziert und zur Fachkräftesicherung beiträgt. Damit thematisiert der Bildungsmonitor den Beitrag zu Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft durch das Bildungssystem eines Bundeslandes. Im Bundeslandvergleich des Bildungsmonitors zeigt sich, dass Mecklenburg-Vorpommern an 13. Stelle steht und damit eines der Bundesländer mit der schlechtesten Bildung ist.

Doch warum hat Mecklenburg-Vorpommern ein so schlechtes Bildungssystem? Hier gibt es einen Überblick über die Ursachen und Faktoren für Mecklenburg-Vorpommerns schlechte Bildung. Und auch darüber, wie die anderen Bundesländern abgeschnitten haben.

Warum ist das Bildungssystem Mecklenburg-Vorpommerns so schlecht?

Mecklenburg-Vorpommerns Bildungssystem weist in vier Handlungsfeldern des Bildungsmonitors deutliche Mankos auf. Hierzu gehören die Zeiteffizienz, der Ausgabenpriorisierung, Hochschule/MINT und die Betreuungsrelationen. So laufen beispielsweise folgende Aspekte in Mecklenburg-Vorpommern nicht so gut:

  • Viele Ausbildungsverträge werden vorzeitig aufgelöst;
  • An den Berufsschulen sind die Bildungsausgaben pro Berufsschüler und Berufsschülerin vergleichsweise niedrig;
  • Es gibt nur einen geringen Personal-Anteil an MINT-Wissenschaftlern und MINT-Wissenschaftlerinnen an Hochschulen;
  • Die Betreuungsrelationen in Kitas sind im Bundeslandvergleich unterdurchschnittlich.

Wo liegen Verbesserungspotenziale des Bildungssystems von Mecklenburg-Vorpommern?

  • Zeiteffizienz: Knapp 2.800 Ausbildungsverträge wurden in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2022 vorzeitig aufgelöst. Diese Quote liegt im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bei einem erhöhten Wert. Zudem sind die Wiederholerquoten an den Grundschulen sowie in der Sekundarstufe I höher als im deutschlandweiten Durchschnitt. Aus diesen Gründen erhält Mecklenburg-Vorpommern im Handlungsfeld Zeiteffizienz nur den 15. Platz.
  • Ausgabenpriorisierung: Hier liegt Mecklenburg-Vorpommern auf dem 14. Platz. Das liegt mitunter daran, dass die Bildungsausgaben an den Berufsschulen pro Teilnehmer und Teilnehmerin im Vergleich zu den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte pro Einwohner und Einwohner relativ gering und unterdurchschnittlich ausfallen.
  • Hochschule und MINT: In diesem Handlungsfeld belegt Mecklenburg-Vorpommern den 13. Platz. Zum einen ist der Anteil an Absolventen und Absolventinnen mit einem ingenieurwissenschaftlichen Studium mit 11,5% im Bundeslandvergleich deutlich unterdurchschnittlich. Zum anderen ist die Relation von MINT-Wissenschaftlern und MINT-Wissenschaftlerinnen zum wissenschaftlichen Personal mit 25,3% sehr gering.
  • Betreuungsbedingungen: Mecklenburg-Vorpommern ergattert hier den 12. Platz, da die Betreuungsrelation zwischen Kindern in Kindertageseinrichtungen und den Betreuern und Betreuerinnen bei 8,5 Kindern pro betreuende Person liegt. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 5,5 Kinder pro Betreuer bzw. Betreuerin. Auch bei der Schüler-Lehrer-Relation sowohl an Grundschulen als auch in der Sekundarstufe I und II sowie bei den beruflichen Schulen weist Mecklenburg-Vorpommern verhältnismäßig schlechte Werte auf.

Was läuft bei Mecklenburg-Vorpommerns Bildung gut?

Trotz der vielen Kritikpunkte am Bildungssystem Mecklenburg-Vorpommerns, besitzt es Stärken in den Handlungsfeldern Forschungsorientierung, Integration, Bildungsarmut und Förderinfrastruktur. So sind beispielswiese die Promotionsquoten in Mecklenburg-Vorpommern sehr hoch. Außerdem machen viele ausländische Jugendliche das Abitur und nur wenige Jugendliche erreichen nicht die Mindeststandards im Lesen. Hinzu kommt auch noch, dass viele Kinder Ganztageseinrichtungen besuchen.

  • Forschungsorientierung: Hier erhält Mecklenburg-Vorpommern den vierten Platz. Gründe hierfür sind, dass die Habilitationsquote leicht überdurchschnittliche Werte aufweist sowie dass im Jahr 2022 7,8% aller Abschlüsse an Hochschulen Promotionen waren. Ebenfalls höher als der Bundesdurchschnitt ist die Relation der Forscher und Forscherinnen an Hochschulen mit 52,2 zum BIP in Milliarden Euro.
  • Integration: In diesem Handlungsfeld liegt Mecklenburg-Vorpommern auf dem siebten Platz. So fiel beispielsweise bei den IQB Tests zu den Bildungsstandards der Neuntklässler und Neuntklässlerinnen der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolgt vergleichsweise geringer aus. Auch bei der Studienberechtigungsquote von ausländischen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen schneidet Mecklenburg-Vorpommern mit 12,5% gut ab.
  • Bildungsarmut: Hier liegt Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls auf dem siebten Platz, da zum einen nur 11,7% der Schüler und Schülerinnen der neunten Klasse nicht den Mindeststandard im Lesen erreichten. Zum anderen mussten allerdings mit 10,1% mehr Schüler und Schülerinnen die Schule ohne einen Abschluss verlassen als in den anderen Bundesländern.
  • Förderinfrastruktur: Erneut belegt Mecklenburg-Vorpommern den siebten Platz. Das liegt unter anderem daran, dass der Anteil an drei- bis sechs-jährigen Kindern mit einem Ganztags-Kita-Platz mit 73,3% einen deutlich überdurchschnittlichen Wert darstellt. Auch bei den Ganztagsangeboten für die Sekundarstufe I hatte Mecklenburg-Vorpommern 2022 mit ebenfalls 73,3% einen der deutschlandweit besten Werte.

Wie schneiden die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer ab?